Apple lässt 4 Millionen US-Dollar an Arbeiter in Asien zurückzahlen

Bislang verlangten Arbeitsvermittler teils horrende Vermittlungsgebühren, nur damit Menschen bei Apples Lieferanten einen Job bekamen. Die Praxis wird gestoppt, wie es im neuesten Zuliefererbericht des Konzerns heißt. Der nennt auch andere Problemfelder.

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Tim Cook

Apple-Boss Tim Cook bei einem Besucher eines chinesischen Apple-Lieferanten.

(Bild: dpa, Bowen Liu/Apple)

Von
  • Ben Schwan

Arbeiter von Apple-Zulieferbetrieben haben Gebühren zurückerstattet bekommen, die lokale Agenturen für die Vermittlung eines Jobs bei Zulieferern des iPhone-Herstellers in China und anderen Ländern verlangt hatten. "Insgesamt wurden 3,96 Millionen Dollar an Beschäftigte in Drittfirmen zurückgezahlt, denen Arbeitsvermittlungsfirmen diese maßlosen Gebühren abgenommen hatten", sagte Jeff Williams, der bei Apple als Senior Vice President für die Produktion verantwortlich ist.

Weltweit wurden 2014 laut dem in der Nacht zum Donnerstag vorgestellten jüngsten Apple-Bericht über die Arbeit der Zulieferbetriebe insgesamt 633 Unternehmen überprüft, bei denen 1,6 Millionen Beschäftigte arbeiten. Die zurückgezahlten knapp vier Millionen Dollar Vermittlungsgebühren gingen an rund 4500 Arbeiter, hieß es. Insgesamt seien auf diese Weise seit Beginn des Programms 2008 mehr als 30.000 Arbeitern knapp 21 Millionen Dollar erstattet worden.

In 210 Betrieben sei im vergangenen Jahr erstmals eine Überprüfung dieser Art vorgenommen worden, erklärte Apple. In manchen Firmen habe man festgestellt, dass Beschäftigte unbezahlte Überstunden in einem "erheblichen Umfang" leisten mussten. Auch hier habe man die Mängel abstellen lassen und die Zulieferer mussten den Betroffenen zusammengenommen 900.000 Dollar an Entschädigung zahlen. Auch wurden erneut minderjährige Mitarbeiter entdeckt, die eigentlich nicht arbeiten dürften. "Die zu jungen Arbeiter, die wir entdeckt haben, wurden bei fortlaufenden Lohnzahlungen in die Schulen zurückgeschickt", betonte Apple.

Insgesamt wurden dem Bericht zufolge von den Prüfern zwölf zu junge Arbeiter festgestellt. In vier weiteren Fällen wurden die Beschäftigten zu jung eingestellt, hatten aber zum Zeitpunkt der Kontrollen das Mindestalter erreicht. In 73 Betrieben hätten Beschäftigte im Alter unter 18 Jahren entgegen Apples Vorgaben Überstunden oder Nachtschichten arbeiten müssen. Bei Apple-Zulieferern dürfen Mitarbeiter ab einem Alter von 15 Jahren beschäftigt werden, auch wenn lokale Mindestgrenzen tiefer liegen. Dabei dürfen sie aber nur bestimmten Beschäftigungen nachgehen.

Die Arbeitsverhältnisse in den Zulieferfirmen von Apple werden immer wieder kritisch beobachtet, auch weil es vor Jahren mehrere Selbsttötungen von Arbeitern beim Apple-Partner Foxconn in China gab.

Williams verwies auf ein breit angelegtes Schulungsprogramm, mit dem bislang 2,3 Millionen Arbeitnehmer auf die Standards von Apple und auf ihre Rechte als Beschäftigte hingewiesen worden seien. Über 600 Fabrik-Manager seien in einem 18-monatigen Trainingsprogramm zu den Themen Sicherheit, Umwelt und Gesundheit am Arbeitsplatz geschult worden. Rund 30 000 Arbeiter seien nach Inspektionen angerufen worden, um sicherzugehen, dass sie für ihre Kooperation mit den Prüfern nicht bestraft wurden.

In der Vorbereitung des Marktstarts des neuen iPhone 6 habe allerdings fast jeder Vierte der untersuchten Betriebe im September 2014 Probleme gehabt, die vorgeschriebene Zahl von maximal 60 Arbeitsstunden pro Woche einzuhalten. Im Dezember lag der Anteil der Arbeiter mit 60 und mehr Wochenstunden wieder unter zehn Prozent. Im Schnitt sei bei Zulieferern unter 49 Stunden pro Woche gearbeitet worden. Apple beobachtete für die Auswertung die Arbeitsstunden von 1,1 Millionen Beschäftigten pro Woche.

Die für westliche Verhältnisse langen, in China aber durchaus üblichen Arbeitszeiten waren in der Vergangenheit immer wieder von westlichen Gewerkschaften kritisiert worden.

Apple hatte die Inspektionen bei Zulieferern in den vergangenen Jahren massiv ausgeweitet. 2013 waren es noch 451 Kontrollen gewesen, im Vergleich zu 2012 wurde die Zahl im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt. Im Jahr des iPhone-Starts 2007 hatte es nur 39 Inspektionen gegeben. Jetzt erschienen die Prüfer allein 40 Mal unangemeldet.

Verstöße unterschiedlicher Arten würden bei jeder einzelnen Überprüfung festgestellt. Die Zusammenarbeit mit bisher 18 Zulieferern sei wegen wiederholter Vergehen beendet worden. In 18 Betrieben seien Mitarbeiter unter dem lokal vorgeschriebenen Mindestgehalt bezahlt worden, den Betroffenen seien 24.000 Dollar erstattet worden.

In dem Bericht nimmt Apple auch Stellung dazu, woher der Konzern seine Rohstoffe bezieht. Ziel eines im Jahr 2011 gestarteten Programms ist es, komplett auf Mineralien zu verzichten, die in Konfliktregionen gefördert oder verarbeitet werden. Zu vier Erzhütten habe man die Geschäftsbeziehungen aufgeben müssen, weil sie sich einer unabhängigen Überprüfung der Standards verweigert hätten, sagte Williams. Tantal-Erze wie Tantalit und Coltan werden teilweise als sogenannte Konfliktmineralien eingestuft, da die Förderminen in bestimmten Teilen der Demokratischen Republik Kongo von Rebellen kontrolliert werden. Diese Betriebe stehen im Verdacht, Menschenrechtsverletzungen mitzufinanzieren.

In Sachen Umweltschutz sieht Apple bei seinen Lieferanten ebenfalls Nachholbedarf. In 134 Betrieben seien die Luftemissionen in der Produktion nicht ausreichend überwacht worden, hieß es in dem Bericht außerdem. An sieben Standorten sei Wasser ungereinigt abgleitet worden. (mit Material von dpa) / (bsc)