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Apple muss mehr iCloud-Daten an Behörden herausgeben

Laut Transparenzbericht stieg die Zahl der staatlichen Anfragen zu Apple-Benutzer-Accounts stark an. Der Konzern will den iCloud-Schlüssel loswerden.

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Apple

(Bild: dpa, Paul Miller)

Das Interesse von Behörden an iCloud-Inhalten wächst: Apple hat zu einer deutlich höheren Zahl an Anfragen in iCloud gespeicherte Nutzerdaten an staatliche Stellen herausgegeben, wie der Konzern im jüngsten Transparenzbericht aufführt, der das erste Halbjahr 2018 abdeckt.

Im Vergleich zur zweiten Jahreshälfte 2017 stieg die Zahl Account-Anfragen in denen Inhalte übermittelt wurden um rund 40 Prozent auf nun weltweit 1006. Den Großteil der erfolgreichen Anfragen stellten Behörden aus Nordamerika.

Welche Art von Daten dabei übermittelt wurden und wie viele iCloud-Accounts betroffen sind, geht aus dem Transparenzbericht nicht hervor. Laut Apple fallen unter iCloud-Inhalte auch dort gespeicherte Fotos, E-Mails, Kontakte, Kalender sowie die automatisch erstellten iPhone-Backups – letztere umfassen fast sämtliche Daten, die Nutzer auf ihren iOS-Geräten speichern.

Die Zahl der Apple-Accounts, zu denen Behörden eine Informationsanfrage stellten, hat sich insgesamt zum vorausgehenden Halbjahr vervierfacht – auf nun gut 40.600 Benutzerkonten, rund die Hälfte dieser Account-Anfragen stammt aus China, wie Apple im jüngsten Transparenzbericht aufführt. Apple zählt insgesamt mehrere Hundert Millionen iCloud-Nutzer. Jede staatliche Anfrage werde geprüft und man gebe nur die "kleinstmögliche Menge an Daten" heraus, wie Apple betonte. Das Unternehmen schlüsselt die Daten nun nochmals übersichtlicher auf, auch nach Ländern – darunter Deutschland.

Diese Preisgabe von iCloud-Inhalten könnte künftig unmöglich werden, wenn Apple das Versprechen von CEO Tim Cook hält: Er hatte im Oktober betont, Apple werde für iCloud "künftig keinen Schlüssel mehr haben". Es sei aber schwer abzuschätzen, wann sich "diese Praxis ändert".

Bestimmte Apple-Dienste wie iMessage setzen bereits auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und sollen so ein Mitlesen für Dritte unmöglich machen. Zu anderen Diensten wie iCloud-Backup besitzt der Konzern bislang den Schlüssel, so könne man Nutzern bei der Datenwiederherstellung helfen, falls sie ihren Schlüssel verlieren.

Aufgrund einer geänderten Zählweise fehlen im aktuellen Transparenzbericht die in der Vergangenheit massiv gestiegenen Anfragen zur nationalen Sicherheit der US-Regierung. Solche Anfragen unter dem Foreign Intelligence Surveillance Act (FISA) oder als National Security Letter (NSL) ermöglichen US-Regierungsbehörden, Metadaten anzufragen ohne eine richterliche Anordnung einholen zu müssen.

Man habe zwischen 0 und 499 National Security Letters erhalten, teilte Apple lediglich mit, die zwischen 1000 und 1499 Nutzer respektive Accounts betroffen hätten. Die Zahlen zu FISA-Anfragen darf Apple erst mit einer sechsmonatigen Verzögerung nennen - sie dürften Teil des nächsten Transparenzberichtes sein. In diesem will der Konzern erstmals auch aufführen, wie viele Apps auf staatliche Anfragen hin entfernt wurden. (lbe)