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Apple plant zweites iCloud-Rechenzentrum in China

In der Inneren Mongolei soll bis 2020 ein weiteres Data Center exklusiv für chinesische Kunden des iPhone-Produzenten entstehen – auch diesmal betrieben durch einen Partner. Menschrechtler sehen das kritisch.

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Apple plant schon zweites iCloud-Rechenzentrum in China

Huanghuagou in der Nähe von Ulanqab.

(Bild: "Huanghuagou, a grassland scenic spot near Ulanqab" / Fanghong / cc-by-sa-3.0 )

Neben dem ersten chinesischen iCloud-Rechenzentrum in Guizhou im Süden Chinas will Apple in absehbarer Zeit noch einen zweiten Standort in dem Land bauen. Laut lokaler Medienberichte ist dafür angeblich die Stadt Ulanqab in der Inneren Mongolei vorgesehen. In Guizhou ist nicht Apple offizieller Betreiber der Anlage, sondern die Firma Guizhou Cloud Big Data Industry (GCBD), die der Provinzregierung gehört. Eine ähnliche Konstruktion soll wohl auch in Ulanqab gelten. Mit der Fertigstellung ist im Jahr 2020 zu rechnen.

Apple hatte für die Verlagerung der iCloud-Daten chinesischer Nutzer in chinesische Rechenzentren viel Kritik von Menschenrechtlern einstecken müssen. Zuletzt hieß es von Amnesty International (AI), Apples Profit bedrohe den Datenschutz der Nutzer. Das Unternehmen speichert neben den iCloud-Daten auch die für den Zugriff notwendigen Schlüssel vor Ort. Damit könnten die chinesischen Behörden schneller auf Daten etwa von Regimegegnern zugreifen. Bisher hätten sie hierfür ausländische Gerichte einschalten müssen, weil die Daten chinesischer Nutzer unter anderem in den USA lagerten.

Menschenrechtsexperten fürchten, dass dies die Verfolgung von Dissidenten erleichtert. Der Journalist und Aktivist Jing Zhao alias Michael Anti sagte vor einigen Tagen, es könnten dadurch größere Gefahren drohen als vor zehn Jahren im Zusammenhang mit dem US-Internet-Portal Yahoo, das sich damals entschlossen hatte, mit Peking zu kooperieren.

Apple wiederum argumentiert, dass man sich an lokale Gesetze halten müsse. Man habe versucht, Argumente gegen die iCloud-Speicherung in China vorzubringen, sei darin aber gescheitert. Die chinesische Regierung verlangt von ausländischen Dienstleistern mittlerweile, dass sie Daten chinesischer Nutzer in China speichern – und dies nicht etwa durch die Dienstleister selbst, sondern über den Umweg lokaler Firmen. Dies führt zu der Situation, dass Nutzer in China ihre Apple-Daten von der Firma GCBD verwalten lassen müssen, die auch als "Marke" auftritt.

[Update 28.02.18 14:04 Uhr:] Der Umzug von Nutzern mit chinesischer Anschrift auf Server in China beginnt am heutigen 28. Februar. (bsc)