Menü
Mac & i

Apple und China: Es ist kompliziert

Apple-Chef Cook wollte in China um Kunden werben. Der Wachstumsmarkt ist enorm wichtig für den Konzern. Ausgerechnet während seines Besuches gab es Berichte über Cyber-Attacken auf Apple-Nutzer in China.

vorlesen Drucken Kommentare lesen 40 Beiträge

Nach Diskussionen über einen möglichen Cyber-Angriff auf Apple-Nutzer in China hat Apple-Chef Tim Cook Gespräche mit Chinas Führung als "sehr offen" bezeichnet. Cook hatte während seiner viertägigen Chinareise mit Vizepremierminister Ma Kai über Datenschutz und Sicherheit gesprochen, wie ihn die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Freitag zitierte. "China ist ein zentraler Markt für uns", sagte Cook. Nähere Details zu dem Gespräch wollte Cook demnach jedoch nicht nennen.

Kurz zuvor hatte die Anti-Zensurorganisation Greatfire.org von gezielten Angriffen auf Apples Dienst iCloud in China berichtet. Mit dem Dienst können Nutzer Fotos, Kontakte und Daten speichern. Dafür hatte die Organisation die chinesische Regierung verantwortlich gemacht. Ein Sprecher des Außenministeriums in Peking entgegnete, chinesische Regierungsstellen hätten nichts mit dem Angriff zu tun.

Auf Twitter veröffentliche Cook ein Foto, das ihn lachend zusammen mit einer Arbeiterin in einer Foxconn-Fabrik zeigt. Der taiwanische Technologiekonzern produziert Geräte für zahlreiche westliche Unternehmen und ist besonders als Auftragsfertiger für Apple bekannt. Immer wieder musste sich das Unternehmen zu Berichten über schlimme Arbeitsbedingungen rechtfertigen. Nach dem Tod von Apple-Mitgründer Steve Jobs hatte sich das Management um Jobs-Nachfolger Cook immer wieder für eine Verbesserung der Verhältnisse eingesetzt.

Apple-Chef Tim Cook in dieser Woche in einer Foxconn-Fabrik

(Bild: Apple / Twitter Tim Cook)

Die abgebildete Mitarbeiterin in der Foxconn-Fabrik hatte an einem von Apple angestoßenen Bildungsprogramm teilgenommen, und kostenlos einen Englischkurs besucht. Ohne Übersetzer habe sie Cook von ihrer Arbeit in der Qualitätssicherung berichten können, erzählte sie anschließend laut Xinhua. "Ich bin hier her gekommen, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen, aber jetzt habe ich auch noch meine persönlichen Fähigkeiten aufwerten können", zitierte Xinhua sie.

Cook warb auf seiner Chinareise um chinesische Kunden. "Alles was wir herstellen, soll auch hier funktionieren können", kündigte er an. Die beiden neuen iPhone-Modelle 6 und 6 Plus waren unter anderem wegen Sicherheitsbedenken chinesischer Behörden erst Anfang der Woche in Apple-Geschäften in China zu kaufen. Ganz oben auf der Liste für Apple-Produkte in China stehe der Bezahldienst Apple Pay, sagte Cook. "Das wird ein großer Erfolg werden", meinte Cook an. Bislang betreibt Apple seinen Bezahldienst nur in den USA.

Experten gehen davon aus, dass Chinas Finanzaufsicht den Start von Apple Pay verzögern könnte. Das Finanzwesen gehört zu Branchen, die sich in China besonders vielen Regeln unterwerfen müssen. Ausländische Banken können nur sehr eingeschränkt agieren. Selbst der Internetgigant Alibaba ist in das Visier der Finanzbehörden geraten, seit er mit seinem Bezahldienst Alipay auch Finanzprodukte für chinesische Kunden anbietet. (bsc)