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Apple verdient so gut wie nie zuvor

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Analysten hatten damit gerechnet, "dass es ein Knaller wird". Mit dem ersten Quartal des Geschäftsjahres habe Apple "2011 schon im Sack", meinte Fondsmanager Michael Binger gegenüber der dpa. Apple enttäuschte die Erwartungen nicht und legte am Dienstagabend nach Börsenschluss das bisher beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte vor. Mit den Rekordzahlen setzte der Konzern auch einen Akzent gegen die wieder aufkeimenden Bedenken nach der Ankündigung von Apple-Chef Steve Jobs, sich krankheitsbedingt erneut eine Auszeit zu nehmen.

Apple hat im Weihnachtsquartal einen Umsatz von 26,74 Milliarden US-Dollar erzielt, eine Steigerung von 71 Prozent nach 15,68 Milliarden US-Dollar im Vorjahresabschnitt. Den Gewinn konnte Apple um 78 Prozent steigern, unterm Strich verdiente der Konzern 6 Milliarden US-Dollar oder 6,43 US-Dollar pro Aktie. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte das Unternehmen 3,38 Milliarden US-Dollar verdient. Damit hat der iPhone-Hersteller selbst die kühnsten Analystenträume noch übertroffen: An der Wall Street war im Schnitt ein Gewinn von 5 Milliarden US-Dollar bei Umsätzen von gut 24 Milliarden erwartet worden.

"Rekordverkäufe bei Mac, iPhone und iPad" gibt das Unternehmen als Grund für das Rekordergebnis an. In Zahlen: 4,13 Millionen Macs (Vorjahresquartal: 3,36 Millionen, plus 23 Prozent), 16,24 Millionen iPhones (8,7 Millionen, plus 86 Prozent) und 7,33 Millionen iPads konnte der Hersteller absetzen und die Erwartungen der Analysten auch mit den Verkaufszahlen von iPhone und dem neuen iPad übertreffen. Lediglich bei den iPods musste der Konzern einen leichten Rückgang hinnehmen. Von den kleinen Musik-Playern verkaufte Apple noch 19,45 Millionen Stück, 7 Prozent weniger als im Vorjahresquartal (21 Millionen).

"Wir hatten ein phänomenales Weihnachtsquartal mit Rekordverkäufen von Mac, iPhone und iPad", erklärt CEO Steve Jobs in einer Mitteilung. "Wir laufen auf Hochtouren und haben für dieses Jahr einige spannende Dinge in der Pipeline." Finanzchef Peter Oppenheimer sagte, er könne "nicht glücklicher über unsere Geschäftsentwicklung sein". Zur Freude der Wall Street erwartet das für zurückhaltende Prognosen bekannte Unternehmen nach Oppenheimers Angaben für das zweite Quartal einen Umsatz von 22 Milliarden US-Dollar.

Überschattet wird das Ergebnis durch neue Spekulationen über Steve Jobs' Gesundheitszustand. Noch am Wochenende hatten sich die Analysten vor allem darüber den Kopf zerbrochen, wie lange Apple seine Erfolgsgeschichte noch fortschreiben kann, ohne nachzulassen. Am Montag gab dann die Nachricht von der erneuten Auszeit des CEO den Zweiflern neue Nahrung. Als die US-Börse nach einem wegen des Feiertags am Montag (Martin Luther King Day) langen Wochenendes am Dienstag den Handel wieder aufnahm, hatte das Apple-Papier schon Federn lassen müssen. Die verlorenen Prozente machte die Aktie allerdings im Verlaufe des Tages nahezu wieder wett und legte nach Bekanntgabe der Zahlen im nachbörslichen Handel noch einmal zu.

Die Befürchtungen reflektieren die Bedeutung, die dem 55-jährigen CEO beigemessen wird. Wie bei keinem zweiten Unternehmen wird das Wohl und Wehe des Konzerns an der Person des Vorstandschefs festgemacht. Apple, das zu einer möglichen Nachfolgeregelung – wie zu allen Interna – nichts sagt, kann neue Spekulationen über eine Zukunft ohne Jobs nicht verhindern. Unterdessen übernimmt Tim Cook die Regie in Cupertino; der COO hatte das Unternehmen bereits erfolgreich durch die früheren Auszeiten des Vorstandschefs geführt. Und damit bewiesen, dass es auch ohne das Mastermind Jobs geht. Das Management ist mit ausgewiesenen Experten besetzt, die das Schiff auch unter einem neuen Kapitän auf Kurs halten können.

Es ist nicht damit zu rechnen, dass Apple ohne seinen Gründer kurzfristig ins Schlingern gerät. Das stützt auch die optimistische Prognose für das laufende zweite Quartal. Apple steht hier vor einem weiteren Meilenstein: der Hersteller wird das iPhone in den USA erstmals auch für die mehr als 93 Millionen Kunden des Mobilfunknetzbetreibers Verizon anbieten. Auch für den weiteren Verlauf des Jahres ist Apple schon gut aufgestellt: Ein neues iPad wird ebenso erwartet wie das nächste iPhone. Ob der Konzern den Verlust des detailversessenen Visionärs auch bei den langfristigen, strategischen Entscheidungen kompensieren könnte, steht allerdings auf einem ganz anderen Blatt.

Konzernergebnis Apple Inc.
Quartal Umsatz (US-Dollar) Gewinn (US-Dollar)
1/09 * 11.880 Mio. 2.255 Mio.
2/09 * 9.084 Mio. 1.620 Mio.
3/09 * 9.734 Mio. 1.828 Mio.
4/09* 12.207 Mio. 2.532 Mio.
1/10 15.683 Mio. 3.378 Mio.
2/10 13.499 Mio. 3.074 Mio.
3/10 15.700 Mio. 3.253 Mio.
4/10 20.343 Mio. 4.308 Mio.
1/11 26.741 Mio. 6.004 Mio.

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* Apple bilanziert seit dem ersten Quartal 2010 nach neuen Buchhaltungsstandards in den USA. Damit werden Einnahmen aus dem Verkauf von iPhone und Apple TV nunmehr vollständig für den Zeitpunkt des Verkaufs verbucht, während sie zuvor über die Lebenszeit der Geräte hinweg auf die Quartale verteilt wurden. Die Angaben zu den Ergebnissen der Vorquartale wurden nach der neuen Bilanzierungsmethode errechnet und weichen entsprechend von den ursprünglich veröffentlichten Zahlen ab. (vbr)