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Apple verliert Retail-Chefin

Angela Ahrendts, die vom Luxuskonzern Burberry kam, verlässt den iPhone-Hersteller nach fünf Jahren. Sie galt zwischenzeitlich als potenzielle CEO-Kandidatin.

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Angela Ahrendts

Angela Ahrendts spricht mit den Mitarbeitern eines Apple-Stores.

(Bild: dpa, Dan Himbrechts)

Apple verliert seine vielgelobte Retail- und E-Commerce-Chefin Angela Ahrendts. Sie verlasse den Konzern im April nach dann ziemlich genau fünf Jahren, teilte Apple am Dienstagabend nach US-Börsenschluss mit.

Die 58-jährige Ahrendts kam zu Apple vom CEO-Posten beim britischen Luxushaus Burberry, hatte zuvor vor allem in der Modebranche gearbeitet. Apple hatte sehr lange nach einem neuen Retail-Vorstand gesucht – Ahrendts galt Konzernchef Tim Cook als ideale Kandidatin, die zwischenzeitlich sogar als dessen potenzielle Nachfolgerin gehandelt wurde.

Warum Ahrendts Apple verlässt, ist bislang noch nicht durchgesickert. Zu ihren weiteren Plänen gab es zudem keine konkreten Angaben, was recht ungewöhnlich ist. Es hieß lediglich, sie wolle "neue private und berufliche Ziele" angehen. Ihr Job bei Apple brachte der Managerin viele Millionen US-Dollar ein – ob sie alle ihre Aktienoptionen ausnutzen kann, blieb zunächst unklar.

Unter Ahrendts wurde unter anderem ein Umbau der Apple Stores angestoßen, bei dem sie stärker auch als ein Ort für Kurse und Events gestaltet wurden. Kritik gab es, weil das die sowieso schon gut besuchten Läden noch voller machte. Eine der ersten Aufgaben von Ahrendts bei Apple war es, den Verkauf der Computer-Uhr Apple Watch zu organisieren. Ihre Erfahrung in der Luxusmode-Industrie war für Ahrendts dabei von Nutzen.

Apple hat inzwischen mehr als 500 eigene Läden und mehr als 70.000 Mitarbeiter im Einzelhandelsbereich. In Deutschland stockt der Ausbau indes. So gibt es etwa in Berlin bislang nur einen einzigen und zu Stoßzeiten überlaufenen Store; letzte Neueröffnungen hierzulande waren Apple Hannover im Herbst 2014 sowie Apple Köln Schildergasse im Frühjahr 2017.

Ahrendts bekam im Gegensatz zu ihren Vorgängern auch die Verantwortung für den Online-Handel des Konzerns übertragen. Sie versuchte, Ladenverkauf und E-Commerce besser zu vernetzen, so setzt Apple bei wichtigen Produkten auf Online-Vorbestellungen, was das Schlangestehen reduzieren soll.

Ahrendts' Verpflichtung war im Herbst 2013 angekündigt worden, während sie ihren ersten Arbeitstag bei Apple am 1. Mai 2014 hatte. Ihr Vorgänger, der britische Supermarkt-Manager John Browett, hatte Apple nach nur rund einem halben Jahr wieder verlassen. Dies habe "nicht gepasst", hieß es damals.

Gegenüber Ahrendts ist deren von Apple bereits angekündigte Nachfolgerin Deirdre O'Brien fast "langweilig". Sie kommt vom Unternehmen selbst und ist derzeit "Senior Vice President of People", hatte mit Retail nur indirekt zu tun.

O'Brien mit Ahrendts und Tim Cook.

(Bild: Apple)

O'Brien ist schon seit 30 Jahren beim iPhone-Konzern. Bevor sie zur Personalchefin ernannt wurde, leitete sie die Abteilung, die die Nachfrage nach Apple-Produkten vorhersagt und für zeitgemäße Belieferung der Einzelhandelskanäle sorgt. Der Wechsel an der Spitze des Einzelhandelsgeschäfts kommt zu einer eher schlechten Zeit. Apple kämpft aktuell gegen Absatzrückgänge bei seinem wichtigsten Produkt – dem iPhone. Da wäre Ruhe im Laden angebracht. (mit Material der dpa)

[Update 06.02.19 11:19 Uhr:] Eröffnung zweiter Kölner Store ergänzt. (bsc)