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Arbeitsbedingungen in China: Cook weist Vorwürfe zurück

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Ein Bericht der New York Times, in dem ehemalige Apple-Manager den Umgang des Computerkonzerns mit schlechten Arbeitsbedingungen in China kritisieren (vgl. Meldung von gestern), schlägt hohe Wellen. In einer E-Mail an Firmenmitarbeiter, die dem Fachblog 9 to 5 Mac vorliegt, antwortet Apple-Chef Tim Cook mit scharfen Worten. "Jede Andeutung, dass uns diese Sache egal sei, ist völlig falsch und beleidigend für uns." Dies passe nicht zu Apples Werten. "So sind wir nicht."

Gegenüber der New York Times hatten die ehemaligen Manager, die aufgrund von Verschwiegenheitserklärungen nicht mit Namen genannt werden wollten, schweres Geschütz gegen Apple aufgefahren. So wisse man bei Apple bereits seit vier Jahren von schwerwiegenden Missständen ("Labor Abuse") in einigen Fabriken, "doch sie geschehen immer noch." Der Grund sei, dass das System für Apple grundsätzlich funktioniere. "Die Lieferanten würden alles schon morgen ändern, wenn Apple ihnen nur sagen würde, dass sie keine andere Wahl haben." Apple toleriere die Nichtbefolgung der Regeln, solange der Lieferant nur verspreche, dass er sich das nächste Mal stärker bemühe. "Würden wir es ernst meinen, würden solche Kernprobleme verschwinden."

Cook hatte sich nach seiner Berufung zum Apple-Chef im vergangenen Jahr eine stärkere Kontrolle von Zulieferern wie Foxconn auf die Fahnen geschrieben. Dort und bei anderen Lieferanten war es in den vergangenen Jahren häufiger zu Problemen gekommen – darunter eine zu hohe Überstundenzahl, die Beschäftigung von Jugendlichen unter dem zulässigen Arbeitsalter von 16 Jahren sowie Verstöße beim Arbeitsschutz. Bei Foxconn hatte es eine Selbstmordwelle unter Arbeitnehmern sowie Explosionen in iPad-Polierwerkstätten gegeben. Bei Wintek wurden Arbeiter mit toxischen Stoffen vergiftet. Apple akzeptiert in China eine maximale Arbeitszeit von 60 Stunden an sechs Tagen pro Woche – das entspricht der Gesetzeslage in Deutschland anno 1900.

In seiner E-Mail schrieb Cook, Apple bemühe sich stark darum, Probleme aufzudecken und zu lösen. "Viele Hundert" Mitarbeiter, die vor Ort bei den Lieferanten stationiert seien oder lange Zeit bei diesen arbeiteten, seien "schockiert" über die Vorwürfe. "Uns ist jeder Mitarbeiter in der weltweiten Lieferkette wichtig." Cook verwies auf den jüngsten Zulieferbericht des Unternehmens. Man habe "mehr Fabriken inspiziert", die Messlatte bei den Partnern hochgesetzt und sei tiefer in die Lieferkette vorgedrungen. Man habe die Bedingungen "Hunderttausender Arbeiter" verbessert. "Wir kennen niemanden in unserer Industrie, der so viel tut wie wir, an so vielen Stellen."

Gegenüber der New York Times hatten die Ex-Apple-Manager durchaus eingeräumt, dass sich Apple bemühe. Allerdings werde der Computerkonzern oft von den Realitäten eingeholt. "Man kann entweder in komfortablen, arbeitnehmerfreundlichen Fabriken herstellen oder das Produkt jedes Jahr neu erfinden, es besser, schneller und billiger machen."

Auch in China ist das Thema mittlerweile verstärkt in der Diskussion. Der Zeitungsbeitrag war in einer chinesischen Fassung auf dem Portal Caixin veröffentlicht worden. Die Kommentare auf den Beitrag waren durchaus differenziert. So sei nicht nur Apple das Problem, sondern die grundsätzlichen Produktionsbedingungen in dem Land. "Andere Firmen wie HTC, Lenovo, HP, Sony und ihre OEM-Hersteller sind in der gleichen Situation." Zudem lasse die Regierung zu, dass Arbeitnehmer so behandelt würden. Die Bedingungen in kleineren Fabriken seien sogar noch schlimmer. (bsc)