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Autohersteller: Zusammen gegen "iCar" & Co.

Gemeinsam haben die drei Rivalen Audi, BMW und Daimler den Kartendienst Nokia Here ersteigert. Eine enge Kooperation der Konkurrenten ist ein Novum – noch. Experten glauben, dass sie sich nur so gegen Autotechnik von Apple und Google behaupten können.

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CarPlay

(Bild: dpa, Sandro Campardo)

Partnerschaften können bekanntlich mit der Trennung enden. Die deutschen Autobauer wissen davon ein Lied zu singen: Sie alle fuhren mit ausländischen Partnern schon einmal vor die Wand. Umso bemerkenswerter ist daher die jüngste innerdeutsche Zusammenarbeit zwischen Audi, BMW und Mercedes. Das Trio gönnte sich im Rennen um die Ära selbstfahrender Autos mit dem milliardenschweren Kauf der Nokia-Sparte Here einen eigenen Kartendienst.

Kooperationen dieser Art dürften häufiger werden, sind sich Experten sicher. Insbesondere wenn es darum geht, sich als Branche gegen neue Wettbewerber zu positionieren. Damit gemeint sind vor allem Apple, wo verlässlich klingenden Spekulationen zufolge seit längerem an einem "iCar" gewerkelt wird – sowie Google mit seinem Projekt eines autonomen Fahrzeugs.

Sowohl Apple als auch Google bieten Fahrzeugintegrationen für ihre Mobilgeräte an – CarPlay und Android Auto. Und beide Konzerne haben auch eigene Kartendienste, von denen sich Audi, BMW und Mercedes mit dem Here-Kauf nun unabhängiger machen wollen. Auch im Zulieferbereich entstehen indes neue Allianzen: Jüngst intensivierten etwa der Zulieferer Bosch und der Navi-Anbieter Tomtom ihre Partnerschaft im Bereich der Karten.

"Es ist natürlich sehr viel einfacher in einem Bereich zu kooperieren, wo kein Wettbewerb besteht", sagt Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Gelsenkirchen – auch mit Blick auf das Kartellrecht. Bei den Karten von Nokia ist das nach Meinung von Bratzel ebenfalls der Fall. Denn die entscheidenden und damit auch für die Kundenbindung wichtigen Dienste bauten erst auf den Kartendiensten, die Nokia Here liefert, auf.

Peter Fuß von der Wirtschaftsberatung Ernst & Young warnt vor einem Direkteinstieg von Google und Apple ins Autogeschäft. "Wenn [sie] wollten, könnten sie mit Leichtigkeit einen Autohersteller kaufen und selbst Autos bauen", sagt Fuß. "Den IT-Konzernen geht es aber eher darum, ihr Geschäftsmodell im Auto weiterzutreiben", so Fuß. Dafür sei dann Zeit, wenn die autonomen Fahrzeuge die Kontrolle übernehmen und den Fahrer Schritt für Schritt entlasten.

Möglicherweise kommt es aber auch zu direkten Kooperationen. Die seit Monaten kursierenden Spekulationen über eine Kooperation zwischen BMW und Apple blieben bisher jedoch noch unbestätigt. "Wir sind regelmäßig mit Unternehmen aus der internationalen IT-Branche im Austausch – das gilt auch für Apple", sagte BMW-Chef Harald Krüger jüngst. Dabei gehe es um die Vernetzung, ließ er durchblicken. (mit Material von dpa) / (bsc)