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Bildschirmzeit: Apples iPhone-Kindersicherung bleibt löchrig

Kinder finden immer neue Wege, um von Eltern festgelegte App-Sperren zu umgehen – besonders zum unbegrenzten Zugriff auf YouTube.

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Trotz Systemsperre gibt es auf dem iPhone viele Möglichkeiten, weiter YouTube zu schauen.

(Bild: dpa, Christin Klose)

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Apples im vergangenen Herbst eingeführte Funktion "Bildschirmzeit" lässt weiterhin Schlupflöcher. Besonders eine umfassende Sperrung von Video-Apps in der Kategorie "Unterhaltung" scheint praktisch unmöglich, wie Eltern berichten. Kinder finden immer wieder neue Wege, um auch nach Ablauf der vorgegebenen Zeit weiter Videos zu schauen – gewöhnlich auf YouTube.

Apples Bildschirmzeit soll Eltern eigentlich die Kontrolle geben – es bleiben aber Schlupflöcher.

Schon früh bemerkten findige Teenager, dass sich Apples vorinstallierte Nachrichten-App dafür verwenden lässt, die Videos selbst bei aktiver YouTube-Sperre einfach dort zu schauen, indem man sich selbst oder anderen die entsprechenden Links schickt. Dies hat Apple inzwischen offenbar unterbunden.

Allerdings bleiben iMessage-Apps von den Video-Beschränkungen unbehelligt: Nutzt man die YouTube-App in iMessage stehen dort sämtliche Videos problemlos weiter zum Abruf bereit.

Dies habe seine achtjährige Tochter leicht allein herausgefunden, schrieb ein für die Finanznachrichtenagentur Bloomberg tätiger Entwickler vor Kurzem auf Twitter und erhielt zahlreiche Rückmeldungen von Eltern, deren Kinder diesen und andere Workarounds ebenfalls längst kannten. Er habe den Bug an den Hersteller gemeldet. Bislang funktioniert die Umgehungsmethode aber auch in der Beta von iOS 13 noch, wie Entwickler berichten.

Die Umgehungsmethode gilt ebenso für andere iMessage-Apps etwa die Google-Suche, auch hier lässt sich frei auf das Web zugreifen und beliebig lange YouTube durchstöbern – oder auf wenig kindgerechte Inhalte zurückreifen. Da Apple die eigene Nachrichten-App zudem standardmäßig von der Sperrfunktion ausnimmt, besteht auf diesem Wege praktisch unbegrenzter Zugriff, wenn Eltern das nicht gezielt in den Einstellungen ändern.

Sind Dritt-Browser auf dem iPhone oder iPad installiert und für Kinder zugänglich, lässt sich zum YouTube-Schauen auch auf diese ausweichen – nur Apples Browser Safari hält sich an die YouTube-Sperre. Und auch er lässt sich mitunter austricksen: Wer es schnell genug schafft, das Video in den Vollbildmodus zu versetzen, kann auch trotz aktiver Sperre weiterschauen. Apple-Chef Tim Cook hat im Mai Verbesserungen bei der Bildschirmzeit in Aussicht gestellt. Wann diese umgesetzt werden, bleibt vorerst offen. Apple wolle Eltern die Kontrolle geben, "auch wenn es keinen Standard für Erziehung gibt", so Cook. (lbe)