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Bildschirmzeit: Drittanbieter-Apps leiden unter Apples eigenen Diensten

Kontroll-Apps von Drittherstellern, die Zeit und Online-Verhalten regulieren, werden aus dem App-Store gelöscht. Apple hat eine eigene Lösung dafür.

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(Bild: dpa, Ritchie B. Tongo/EPA)

Apple reduziert die Möglichkeiten für Entwickler von Kontroll-Apps für Smartphone-Nutzung und Inhalt, die viele Jahre erlaubt und geduldet waren, seit der iPhone-Konzern selbst die Funktion "Bildschirmzeit" in das Betriebssystem iOS eingebaut hat. So lautet der Vorwurf einiger App-Entwickler, die sich auf Apps zum Schutz von Kindern und gegen übermäßige Nutzung mobiler Geräte spezialisiert haben. Am Donnerstag reichten zwei Entwickler eine Beschwerde bei der Wettbewerbsbehörde der Europäischen Union ein, berichtet die New York Times.

Mit den Kontroll-Apps lässt sich neben dem Zugriff auf Apps und Inhalte auch die Nutzungsdauer einstellen. Dadurch können für Kinder entsprechende Erwachsenen-Inhalte in Browsern und der Zugriff auf bestimmte Apps gesperrt werden. Ebenso lässt sich die Bildschirmzeit einstellen. Dabei können für Kinder in den Apps oder auf dem gesamten Gerät feste Zeiten oder eine Dauer eingestellt werden. Ähnliches bietet mittlerweile die Bildschirmzeit von Apple, die in das Betriebssystem integriert ist.

Apple soll im vergangen Jahr 11 der 17 am häufigsten heruntergeladenen Apps für Kindersicherung und Bildschirmkontrolle entfernt oder eingeschränkt haben. Als Begründung wurden Verstöße gegen die App-Store-Regeln angeführt, die zuvor jahrelang geduldet wurden. Ein Verstoß sei zum Beispiel die Möglichkeit, ein iPhone mit einem anderen zu steuern, obwohl Apple diese Software zur Kontrolle der Telefone in Unternehmen weiterhin erlaubt, heißt es in dem Bericht der New York Times.

Die Entwickler führen weiter an, dass die Kontrollmechanismen von Apples eigener Bildschirmzeit keinen umfassenden Schutz für Kinder bieten. Der in iOS integrierte Schutz blockiert beispielsweise nur in Safari die Inhalte für Erwachsene, nicht in den anderen Browsern, die es für das mobile Betriebssystem gibt. Diese wiederum lassen sich über die Familienfreigabe recht einfach installieren. Eine zeitliche Begrenzung der YouTube-App für iOS lasse sich entsprechend einfach über die in iMessage integrierte Funktion zum Versenden von Videos umgehen.

Die Apps von Drittherstellern erlauben neben der Kontrolle von Apples Geräten auch die Steuerung von Android-Geräten – das ist mit integrierten Lösung nicht mehr möglich. Apples Tool zur Kontrolle erfordert also, dass alle Familienmitglieder iPhones benutzen.

Apple hat auch die Möglichkeiten zur Bekämpfung der Smartphone-Abhängigkeit für Erwachsene eingeschränkt. Es stehe im Gegensatz zu den früheren Drittanbieter-Apps nur einige einzige Option zur Verfügung, sobald das zeitlich gesetzte Limit erreicht sei: "Limit ignorieren".

Die auf den Schutz von Zugriff und Zeit spezialisierten App-Entwickler sehen ihre Existenz bedroht, Unterstützung von Apple bekommen sie oft nicht. "Als Entwickler, der seit zehn Jahren im App Store ist, würde ich von Apple zumindest ein Telefongespräch erwarten, um zu klären, was wir falsch machen", sagte Suren Ramasubbu, Chef von Mobicip, einer Kontroll-App für Eltern. Er erhielt von Apple eine Nachricht mit einer 30-Tage-Frist, um die Mobicip-App zu ändern, andernfalls würde sie aus dem App-Store entfernt.

Ramasubbu kontaktierte innerhalb der Frist viermal den Support, um weitere Informationen zu erhalten. Apple antwortete auf die detaillierten Fragen laut dem Bericht: "Ihre App verwendet öffentliche APIs auf unzulässige Weise, was nicht der Richtlinie 2.5.1 der App-Store-Überprüfungsrichtlinien entspricht." Fünf Stunden nach Ablauf der Frist und einer mit Änderungen eingereichten Version der Mobicip-App antwortete Apple mit der Nachricht: "Ihre App hat ein ungelöstes Problem und wurde aus dem App-Store entfernt." Ohne Angabe von Gründen oder Details.

Auch Kaspersky Lab musste bestimmte Funktionen aus seiner "Safe Kids"-App entfernten und reichte Beschwerde bei der russischen Wettbewerbsbehörde (FAS) ein. Apple benachteilige andere Entwickler mit den Vorgaben der Regeln und der App Store sei der einzige Weg, um Apps für iPhone und iPad zu vertreiben. Ähnlich argumentierte auch Spotify zuvor und reichte eine Kartellbeschwerde bei der EU-Kommission ein – dort ging es auch speziell um die Umsatzbeteiligung an den In-App-Käufen im App Store.

"Wir behandeln alle Apps gleich, einschließlich die, die mit unseren eigenen Diensten konkurrieren", sagte Tammy Levine, eine Sprecherin von Apple. "Unser Ansporn besteht darin, ein dynamisches App-Ökosystem zu haben, das den Verbrauchern Zugriff auf so viele hochwertige Apps wie möglich bietet." Apple habe die Apps entfernt oder eine Änderung der Apps gefordert, weil sie zu viele Informationen von den Geräten der Nutzer erhalten könnten. Der Zeitpunkt hänge nicht mit der Einführung ähnlicher Tools durch Apple zusammen, fügte sie hinzu.

Ähnlich wie Amazon hat auch Apple die Möglichkeit, anhand von Drittanbietern eine Marktanalyse zu bestimmten Produkten durchzuführen und entsprechend zu reagieren. Allerdings verdienen Apple und Amazon anteilig Geld damit, während andere Unternehmen für entsprechende Erkenntnisse bezahlen müssen. (bme)