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China: Ein Apple-Handy ist jetzt "peinlich"

Der Konflikt zwischen den USA und Huawei kratzt am Image von Apple im Reich der Mitte. Selbst Hardcore-iPhone-Fans erwägen den Switch, meinen örtliche Medien.

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Ein Apple-Laden in China.

(Bild: dpa, Jens Kalaene)

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Wer derzeit in China im Büro mit einem Apple-Handy auftaucht, zieht böse Blicke auf sich. Grund ist der massive Handelskonflikt zwischen den USA und der chinesischen Topmarke Huawei, der unter anderem dazu führte, dass der Telekomgigant keine Google-Android-Lizenzen mehr erhält, keine ARM-Chips mehr verwenden kann und allerlei weitere industriepolitische Probleme hat.

Selbst Hardcore-iPhone-Fans erwägen demnach den Switch zur heimischen Marke, berichtet die in Hongkong erscheinende South China Morning Post. Das Blatt zitiert den Manager einer der größten Solarzellenfirmen im Reich der Mitte. "Eine Stimme in meinem Herzen ruft, dass ich meine Unterstützung für chinesische Marken zeigen muss, besonders im Klima dieses Handelskrieges", so der Boss. Das Ergebnis: Als sein drei Jahre altes iPhone 7 in diesem Monat endgültig veraltet war, besorgte er sich schnell ein brandneues Huawei P30. Die Firma habe mittlerweile "eine Reputation für bessere Qualität bei niedrigeren Preisen".

Ein anderer Manager, der bei einer staatlichen Telefonfirma in Peking arbeitet, meint, sein Umstieg von Apple auf Huawei sei auch emotional begründet. "Es ist ziemlich peinlich, heute ein iPhone aus der Tasche zu ziehen, wenn alle Chefs Huawei verwenden." Die Liebe chinesischer Kunden für die heimische Marke könne nur zunehmen aufgrund des Verbots der USA, meinte die Analystin Kiranjeet Kaur zu der Zeitung. "Außer die Probleme in der Hardware-Lieferkette sorgen dafür, dass die Bereitstellung der Geräte auf dem örtlichen Markt Probleme macht."

Gänzlich unmöglich ist letzteres nicht – Huawei muss bei neuen Modellen zahlreiche fehlende Komponenten, die auf US-Technik basieren, durch heimische Güter ersetzen. Selbst an einem eigenen Betriebssystem werkeln die Chinesen bereits, um eine Alternative zu Googles Android zu haben.

Apple dürfte den aktuellen Konflikt deutlich zu spüren bekommen. Das Unternehmen verliert Marktanteile. So war der Konzern im vergangenen Jahr mit 9,1 Prozent noch auf Rang 5. Im ersten Quartal schrumpfte der Marktanteil auf 7 Prozent – und das war noch vor der Verschärfung des Handelskonflikts. Manche Analysten fürchten, Apple könne bis zu 29 Prozent seines Gewinns einbüßen, sollte es zu einem Totalverbot seiner Produkte kommen – China ist ein wichtiger Markt mit guten Margen. (bsc)