Der "Blevinator": Wie Apple bei Zulieferern die Preise drückt

Apple ist bekannt für seine aggressive Lieferkettenpolitik. Dahinter steckt ein Vizepräsident, der bislang kaum ins Licht der Öffentlichkeit trat.

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Produktion beim Apple-Fertiger Foxconn.

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Wenn iPhone oder MacBook zumeist in China zusammengeschraubt werden, hat Apple vorher extrem hart verhandelt, um die besten Preise für seine Komponenten zu erhalten. Das gelingt dem Konzern nicht nur aufgrund seines gigantischen Bestellvolumens – 2018 beispielsweise vermutlich rund 185 Millionen Einheiten allein bei den Smartphones –, sondern auch aufgrund der Tätigkeit eines spezialisierten Vizepräsidenten.

Dessen Name war bislang kaum in den Medien. Das US-Wirtschaftsblatt Wall Street Journal hat Tony Blevins, der nicht auf Apples offizieller Managementseite auftaucht, nun erstmals porträtiert. Sein förmlicher Titel lautet Vice President of Procurement – er ist also Apples Einkaufschef. Bei Apple und den Lieferanten ist er unter dem Spitznamen "The Blevinator" bekannt, augenscheinlich ein ironisches Augenzwinkern in Richtung "Terminator". Blevins scheint dieser Bezeichnung allerdings alle Ehre zu machen.

Dabei arbeitet er angeblich mit allen Tricks. Er habe schon Lieferanten an ihren Wettbewerbern vorbeigeführt, die gerade in Apples Lobby saßen oder einen Vertrag mit dem Logistikriesen UPS abgewiesen, in dem er diesen mit dem Konkurrenten FedEx zurückschickte. Blevins soll außerdem entscheidend in den mittlerweile beigelegten Konflikt mit dem Mobilchip-Riesen Qualcomm involviert gewesen sein – er hat angeblich Apples Lieferanten überzeugt, keine Lizenzgebühren mehr weiterzureichen, die den Wert von 8 Milliarden US-Dollar überstiegen.

Der Einkaufschef soll für Apple so wichtig sein (oder zumindest "Teil der magischen Formel") wie einst Mitbegründer Steve Jobs und Ex-Designchef Jony Ive. Tatsächlich gilt auch Apple-CEO Tim Cook als Experte für die Lieferkette – er sorgte für das Just-in-time-Prinzip bei Apple, wo es mittlerweile quasi keine Lagerbestände mehr gibt, da diese komplett an Lieferanten ausgelagert sind.

Blevins sorgt bei Apple auch dafür, dass der Konzern für einen Elektronikhersteller enorm hohe Margen hat – und diese behält. Er kam 2000 zu Apple, kannte Cook allerdings schon aus gemeinsamen Zeiten bei IBM in den Neunzigern. Blevins soll anfangs "so gewöhnliche Dinge wie Toilettenpapier" für Apple besorgt haben, später ging es dann um iPod-Komponenten. Er war auch federführend bei einem lukrativen Deal mit einem Speicherhersteller. Cooks Haltung bei der Strategie: Profite lassen sich schneller steigern, wenn man seinen Lieferanten nur einen um 10 Prozent günstigeren Einkaufspreis abringen könne.

Blevins war auch für Verhandlungen mit den Lieferanten des Apple Park verantwortlich, wobei dieser teurer wurde als geplant. Die Verträge, die Apple mit Lieferanten aufsetze, seien zum Teil "qualvoll", heißt es in dem Bericht weiter. Mit dem Wall Street Journal sprechen wollte Blevins unterdessen nicht. "Ich bin ein loyaler Firmenmensch", gab er nur an.

(bsc)