Entwickler: Apples App Store kafkaesk

Der Review-Prozess des Konzerns für Anwendungen sei immer noch viel zu bürokratisch, meint ein bekannter Programmierer.

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Apples App Store auf einem iPhone.

(Bild: dpa, Ritchie B. Tongo/EPA)

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David Heinemeier Hansson, Gründer des beliebten Produktivitäts-Start-ups Basecamp und selbst renommierter Entwickler, hat scharfe Kritik an Apples App Store geübt. In einer Anhörung des House Antitrust Subcommittee des amerikanischen Repräsentantenhauses, bei der es um die Machtposition großer Technikunternehmen ging, schilderte er seine Erfahrungen.

Hansson meinte, Apples Appeals-Prozess, der beginnt, wenn Apps nicht sofort in den Online-Laden gelassen werden, "würde Kafka zum Erröten bringen". "Alles, was es dazu braucht, ist, dem falschen Mitarbeiter zugeordnet zu werden." Jeder App-Entwickler, der den App Store verwendet, "lebt in der Angst, dass seine Anwendung zurückgewiesen wird".

Wer versucht, eine App in Apples Software-Kaufhaus zu platzieren, kann tatsächlich einiges erleben, wie zahlreiche Fälle aus der Vergangenheit belegen. Hält man sich nicht an alle Regeln des Konzerns, wird man erst gar nicht hereingelassen – und der Prozess, eine abgewiesene Anwendung dann doch noch in den App Store zu bekommen, ist langwierig und kompliziert, da Apple viel Interpretationsspielraum hat.

Hansson gemahnte bei seiner Anhörung an Franz Kafkas berühmten Roman "Der Process", in dem ein unschuldiger Mann in die Mühlen einer ihm völlig unverständlichen und bürokratischen Gerichtsbarkeit gerät. Der Entwickler kritisierte auch, dass die 30 Prozent, die Apple an Provision für jede verkaufte App und jeden In-App-Verkauf einzieht, "hanebüchen" seien. Seine eigene Firma, Basecamp, habe die Programme so gestaltet, dass die Apple-Gebühr möglichst vermieden wird.

Gegenüber dem US-Börsensender CNBC teilte ein Apple-Sprecher mit, man habe den App Store mit zwei Zielen entwickelt: Einen "sicheren und vertrauenswürdigen Ort" für das Herunterladen von Apps zu schaffen sowie eine "großartige Geschäftschance für alle Entwickler".

Man arbeite "kontinuierlich mit den Developern" und nutze ihr Feedback, um die Nutzerprivatsphäre zu verbessern und gleichzeitig die Werkzeuge zu entwickeln, "die die Entwickler brauchen, um die besten App-Erfahrungen zu schaffen". (bsc)