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Entwickler: Apples App Store macht Software-Markt kaputt

Der bekannte macOS- und iOS-Developer Matt Gemmell hat Apples Geschäftsmodell bei seinen Softwareläden kritisiert. Diese entwerteten Apps.

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App Store

App-Store-Icon auf dem iPhone.

(Bild: dpa, Alex Heinl)

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Apples App Store für iOS, macOS, tvOS und watchOS bringt Entwicklern viele Vorteile – unter anderem eine gigantische Zielgruppe für ihre Software. So hat Apple laut Angaben aus dieser Woche allein in den USA ein App-Ökosystem mit rund 1,5 Millionen Jobs geschaffen. Matt Gemmell, iOS- und macOS-Entwickler aus Schottland, der auch ein bekanntes Apple-Blog betreibt, stellt diesen Jubelmeldungen nun allerdings Kritik gegenüber: Die App Stores hätten dem Software-Markt Schaden zugefügt, schreibt er in deutlichen Worten.

Gemmel zufolge hat keine Firma den Wert, den Kunden Software beimessen, mehr reduziert als Apple – und damit auch die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells unabhängiger Entwickler. Der Konzern sei zwar nicht der erste, der dies probiert hat, er sei aber erfolgreich in diesem Bestreben gewesen. Gemmell kritisiert unter anderem die Tatsache, dass Apple die größtmögliche Kundengruppe anspreche, um seine 30 Prozent Provision zu erhalten – und das sei nur mit einem möglichst günstigen Verkauf möglich. "Das lehrt die Leute, dass der durchschnittliche Wert von Software gering ist."

Gemmell kritisiert aber auch, dass Apple universelle Apps für iPhone, iPad sowie Apple Watch bevorzuge, was den Kunden beigebracht habe, dass man für die Verwendung von Apps auf weiteren Plattformen nichts bezahlen müsse. Zudem seien die Kunden mittlerweile daran gewöhnt, dass Apps auf allen Geräten eines Kunden zu laufen hätten und dies idealerweise sogar für die ganze Familie gelte – Apple nennt das "Family Sharing". Zudem bevorzugt Apple laut dem Entwickler Apps, deren Updates stets kostenlos sind – tatsächlich gibt es bislang immer noch keinen Mechanismus im App Store dafür, diese etwas kosten zu lassen, außer der Entwickler startet mit einer komplett neuen App.

Kritik übt Gemmell auch an der Tatsache, dass Apple den Distributionsmechanismus monopolisiert hat, den Nutzerfluss beherrscht und Entwicklern somit die Möglichkeit nimmt, eigenes Marketing über die Suchfunktion hinaus – auf der es in einigen Ländern mittlerweile Anzeigeplätze gibt – zu betreiben. Zudem hätten die meisten Kunden keine Ahnung, dass sie einen Preis bezahlten, der fast 43 Prozent höher liegt als ihn Entwickler erhalten (Apple-Provision plus Umsatzsteuer).

Gemmell lobt Apple dafür, einen so großen Markt geschaffen zu haben. "Es hat das aber auf Kosten seiner Entwicklergemeinschaft getan, die in die Plattform investiert hat." Aus Sicht der Firma sei das "eine weise Entscheidung" gewesen – im Sinne des wirtschaftlichen Erfolges. "Apple ist kein gütiges Wesen." Gemmells Kritik bezieht sich vor allem auf den iOS App Store, der Mac App Store sei "ein anderer Ort", aber er sei von Apple "fast verlassen" worden. "Wenn sie daraus einen Erfolg machen wollen, würde es über den gleichen Mechanismus der Entwertung laufen, um nach einer großen Zahl von winzigen Wegwerfkäufen zu jagen." (bsc)