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Erpressungsfall: US-Richter ordnet Preisgabe des iPhone-Passwortes an

Die beiden Angeklagten müssen dem Urteil zufolge die PIN respektive das Kennwort zum Entsperren ihrer Smartphones preisgeben. Dies entspreche der Herausgabe des "Schlüssels zu einem Bankschließfach", so der Richter.

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YesJulz

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Zwei in einem Erpressungsfall Angeklagte müssen die Passwörter für ihre Smartphones nennen, um eine Untersuchung der Geräteinhalte zu ermöglichen. Dies hat ein Richter im US-Bundesstaat Florida nun entschieden, wie BBC News berichtet. "Für mich entspricht das dem Aushändigen eines Schlüssels zu einem Bankschließfach", erklärte der Richter am Bezirksgericht Miami-Dade.

Den Angeklagten, dem Reality-TV-Star Hencha Voigt und ihrem Ex-Freund, wird die Erpressung des Social-Media-Stars YesJulz vorgeworfen: Sie hätten damit gedroht, pornographische Videos und Fotos von dieser zu veröffentlichen, wenn sie nicht innerhalb kurzer Zeit 18.000 Dollar zahle, so der Vorwurf.

Die Beklagten weisen die Vorwürfe zurück und sehen durch den Zwang zur Herausgabe des Passwortes das im 5. Zusatzartikel der US-Verfassung verankerte Aussageverweigerungsrecht als verletzt an.

Apple vs. FBI: Streit über iPhone-Entsperrung

Apple soll dem FBI helfen, das iPhone eines Terroristen zu entsperren – weigert sich aber, da damit die Sicherheit aller User in Frage gestellt würde. Der Streit mit den US-Behörden schlägt hohe Wellen.

Nach Ansicht des Richters sei die Anordnung der Preisgabe des Smartphone-Passwortes in einem solchen Fall “nun aber das Gesetz in Florida”. Die Staatsanwaltschaft hatte auf einen vorausgehenden Streitfall im Dezember verwiesen, in dem ein Voyeur auf gerichtliche Anordnung hin bereits sein iPhone-Passwort an die Polizei von Florida verraten musste. Die beiden Angeklagten müssen ihre Passwörter nun innerhalb von zwei Wochen preisgeben, merkt BBC News an, sonst drohe eine Inhaftierung.

Durch die vollständige und an PIN respektive Passwort geknüpfte Verschlüsselung von Smartphone-Inhalten in iOS und Android können Strafverfolger inzwischen oft nicht mehr auf die dort gespeicherten Inhalte zugreifen. Entsprechend wird versucht, den Zugang über das Passwort zu erlangen – oder durch erzwungenes Auflegen des Fingerabdruckes.

Die US-Bundespolizei FBI wollte Apple im vergangenen Jahr dazu bringen, bei der Entsperrung eines iPhones zu helfen – und dafür verschiedene Schutzmechanismen rund um die iOS-Codesperre außer Kraft zu setzen. Der iPhone-Hersteller verweigerte die Mithilfe. Die Behörde entsperrte das Gerät schließlich mit Hilfe einer ungenannten dritten Partei. (lbe)