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Erstes Cochlea-Implantat "made for iPhone" kommt in den Handel

Das Hörimplantat kann direkt mit dem iPhone Verbindung aufnehmen ohne ein lästiges Bluetooth-Zwischenstück zu erfordern. Zum Einsatz kommt dafür “Bluetooth Low Energy Audio”, eine proprietäre Apple-Erweiterung des Funkstandards.

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Erstes Cochlea-Implantat “made for iPhone” kommt in den Handel

Der Soundprozessor des Hörimplantats stellt ohne Umwege eine Funkverbindung mit dem iPhone her.

(Bild: Cochlear Limited)

Die Hörprothese Nucleus 7 wird derzeit in mehreren Ländern in den Verkauf gebracht, darunter auch in Deutschland, wie der Hersteller Cochlear mitteilte. Es handelt sich bei dem Produkt um das erste Hörimplantant mit “Made for iPhone”-Zertifizierung: Der Audioprozessor des Nucleus 7 kann eine direkte Funkverbindung mit iPhone oder iPad aufnehmen, um etwa Telefonate, Musik und Videos zu übertragen.

Die Verwendung eines zusätzlichen Bluetooth-Zwischenstücks, das etwa um den Hals getragen oder an der Kleidung befestigt werden muss, entfällt dadurch. Das Cochlea-Implantant arbeitet auch mit Android-Geräten zusammen, merkt der Hersteller an – dafür ist zusätzliche Funk-Hardware aber weiterhin zwingend erforderlich. Nucleus 7 soll sich auch mit bereits bestehenden Implantaten nutzen lassen.

Apple arbeitet schon seit längerem mit Anbietern von Hörgeräten zusammen, um die Direktverbindung mit iOS-Geräten zu ermöglichen. Der Anbieter GN ReSound verkauft zum Beispiel seit mehreren Jahren ein Gerät mit iPhone-Anbindung ohne Umweg über ein Bluetooth-Dongle. Es kommt mit einer eigenen App für die Einstellungen. Wer zusätzlich zu dem Cochlea-Implantant ein solches Hörgerät mit “Made for iPhone”-Zertifizierung einsetzt, kann “erstmalig Sprache und Musik direkt auf beide Ohren übertragen”, merkt Cochlear an – dies ermögliche ein besseres Hörerlebnis.

Für die Direktverbindung setzt Apple auf Bluetooth “Low Energy Audio” (BLEA), eine eigene Weiterentwicklung des auf die Übermittlung kleiner Datenmengen ausgelegten Bluetooth-LE-Standards. Es ist nach Angabe des iPhone-Konzerns die erst Verwendung des Low-Energy-Standards, um Musik und Sprache in hoher Qualität zu übertragen. Die Technik soll die Audioqualität verbessern ohne dabei zugleich die Batterien des Hörgerätes übermäßig stark zu belasten.

Die Verbindungsaufnahme zu Bluetooth-Hörgeräten erfolgt über den üblichen von Bluetooth LE vorgegebenen Weg, der Kanal für das Audio-Streaming sei allerdings "geheime Sauce", erklärte ein Apple-Entwickler zuletzt.

Bluetooth LEA steht Herstellern zwar nur im Rahmen von Apples MFi-Lizenzprogramm ("Made for iPhone/iPad/iPod") zur Verfügung, ist aber kostenlos. Ob Google Unterstützung für Bluetooth LEA auch in Android integrieren könnte, bleibt unklar.

Apple ist seit 2015 ein "Promoter Member" der Bluetooth Special Interest Group (SIG) und damit auch an der allgemeinen Weiterentwicklung des Funkstandards beteiligt. (lbe)