Health-Apps: Behörde warnt vor Fehldiagnosen

Der Präsident des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat auf einer Tagung vor Fehldiagnosen gewarnt, wenn Nutzer verstärkt auf Eigendiagnostik durch Apps setzen.

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Health-Apps: Behörde warnt vor Fehldiagnosen

ResearchKit nutzt die Sensoren des iPhones, um Daten für klinische Studien zu sammeln

(Bild: Apple)

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  • Mit Material der dpa

Mit der rasanten Zunahme von Gesundheits- und Medizin-Apps für Smartphones und Tablets rücken neben den Vorteilen auch die Risiken stärker in den Fokus: Es bestehe die Gefahr von Fehldiagnosen – besonders, wenn Verbraucher die Programme zur Diagnostik und Therapie-Einschätzung nutzten, wie der Präsident des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Karl Broich, am Dienstag bei einer Tagung mit 200 Experten in Bonn erklärte. Es müsse vorgebeugt werden, dass sich Patienten nicht am Ende allein auf ihre App verließen, statt Arzt oder Apotheker aufzusuchen.

Die Grenzen zwischen Apps für den Wellness- und Fitness-Bereich und zur medizinischen Anwendung sind laut Bundesinstitut oft nicht klar zu erkennen. Verbraucher müssten darauf vertrauen können, dass Medizin-Apps verlässlich geprüft werden. In puncto Anbieter-Überwachung und Kontrolle sei aber vieles noch ungeregelt, hieß es von Teilnehmern der Konferenz mit Vertretern aus Ärzteschaft, Politik, Industrie, Forschung und Patientenverbänden sowie Juristen.

Unter den mehr als drei Millionen Apps gebe es bereits rund 87.000 Angebote für den Bereich Fitness und Wellness sowie etwa 55.000 medizinische Apps, betonte Hartmut Gehring vom Uniklinikum Schleswig-Holstein. Auch im Klinikalltag würden solche Angebote genutzt, etwa, um die individuelle Dosierung von Medikamenten zu berechnen. Auch bei der Steuerung von OP-Robotern kommen sie laut BfArM zum Einsatz.

Die angebotenen Apps decken eine große Bandbreite ab: Puls- oder Blutzuckermessung, elektronische Tagebuch-Führung etwa bei Migräne oder Asthma, auch für Herz- oder Parkinson-Kranke gibt es Angebote. Für die Patienten seien sie ein guter, sinnvoller Begleiter, betonte der Bundesverband Internetmedizin. Der mündige Verbraucher könne seine Behandlung stärker in Eigenregie und daheim mitsteuern – und entscheide letztlich selbst, ob er zusätzlich einen Arzt aufsuche

Die Anbieter wittern vor allem das große Geschäft. Apple-Chef Tim Cookhält den Gesundheitsmarkt noch für "signifikant unterschätzt". Mit HealthKit und ResearchKit hat der Konzern die Grundlage für Apps gelegt, Fitness- und Körperdaten auszutauschen. Nutzer können außerdem an klinischen Studien teilnehmen. Auch die Smartphone-Plattformen von Google und Microsoft bieten sich für Health-Apps an; mit dem Microsoft Band hat der US-Konzern in den USA auch ein eigenes Armband auf den Markt gebracht.

Das BfArM sprach auch von Datenschutzrisiken: Wenn zunehmend Patientendaten gesammelt, über Netze übertragen und zentral gespeichert würden, müssten auch die rechtlichen Rahmenbedingungen für diesen schnell wachsenden Markt weiterentwickelt werden. (lbe)