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Hongkong: Demonstranten mit iPhone nutzen "Cop Mode"

Polizisten in Hongkong versuchen einem Bericht zufolge, Verhaftete zum Entsperren ihrer Geräte per Face-ID zu zwingen. Doch die schalten das Feature einfach ab.

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Face ID lässt sich mit einem Handgriff schnell deaktivieren.

(Bild: Apple)

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Biometrische Schutzverfahren für mobile Geräte sind praktisch, aber in Zwangssituationen nur bedingt sicher. Das stellen aktuell Demonstranten bei den Großprotesten in Hongkong gegen den Einfluss der Pekinger Regierung auf die Sonderverwaltungszone fest.

Wie die New York Times in dieser Woche berichtete, versuchen Polizisten, Festgenommene dazu zu zwingen, ihre iPhones zu öffnen – offenbar, um diese auslesen zu können.

Colin C., einen Verhafteten, hätten sie in ein Zivilfahrzeug geschleppt und dann mit Gewalt und einem Griff um den Kiefer versucht, sein Gesicht auf das Apple-Handy zu richten, damit es sich per Face-ID entsperrt. "Wach auf!", hätten sie gerufen, so der Bericht, und den Delinquenten geschlagen und ihm die Augen aufgerissen. Allerdings griff die Gesichtserkennung nicht: C. hatte zuvor eine Sicherheitsfunktion aktiviert, die unter den Hongkonger Demoteilnehmern als "Cop Mode" – Polizeimodus – bekannt ist.

Die Apple-Geräte verfügen nämlich über ein Feature, mit dem es möglich ist, biometrische Authentifizierungsverfahren schnell zu deaktivieren. Bei Face-ID-Modellen wie dem iPhone X, XS, XS Max und XR reicht es, die Seitentaste zusammen mit einem der Lautstärkeknöpfe kurz zu drücken, bis der Abschaltbildschirm bzw. Notfallbildschirm erscheint. Ab dann wird der Passcode oder ein zuvor gesetztes Passwort benötigt, um das Gerät zu entsperren.

Touch ID, der Fingerabdrucksensor, den Apple seit dem iPhone 5s verbaut, lässt sich ebenfalls schnell abdrehen: Dabei muss man die Seitentaste fünf Mal schnell hintereinander betätigen. Beim iPhone 8 und 8 Plus funktioniert der Vorgang nach dem Prinzip der Face-ID-Geräte – Seitentaste plus Lauststärke gleichzeitig drücken.

In Hongkong dreht sich das jüngste Katz-und-Maus-Spiel zwischen Polizei und Demonstranten um die Identität der Polizisten. In einem Chat-Kanal wird laut New York Times gesammelt, wer wer ist, nachdem die Beamten begonnen hatten, keine Dienstmarken mehr zu tragen.

C. wird von den Behörden vorgeworfen, mit der Sammlung der Daten Mordversuche zu erleichtern. Er betont allerdings, kein Gründer der Chat-Gruppe zu sein. C. hatte dem Bericht zufolge ein Werkzeug entwickelt, mit dem sich gesammelte Bilder mit neuen Aufnahmen der Polizisten abgleichen lassen. (bsc)