In-App-Zwang ade: Apple schließt Sonder-Deals mit Videodiensten

Amazon darf auf Apples Plattformen Filme und Serien vertreiben, ohne Provision an Apple zahlen zu müssen. An den Deal sind Bedingungen geknüpft.

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(Bild: dpa, Jens Kalaene)

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Apple rückt von einer grundlegenden App-Store-Vorgabe ab – in engem Rahmen. Der iPhone-Konzern erlaubt bestimmten Video-Apps, Inhalte über das vom Kunden beim jeweiligen Anbieter hinterlegte Bezahlmittel abzurechnen statt über Apples Bezahlschnittstelle. Die Video-Apps müssen für diese Einkäufe somit keine Provision von bis zu 30 Prozent an Apple abtreten.

Bekannt wurde dies durch eine neue Option in Amazons Prime-Video-Apps für Apple-Plattformen. Neben den bereits im Rahmen des Prime-Abonnements kostenlosen Inhalten können Nutzer erstmals auch direkt auf iPhone, iPad und Apple TV direkt Spielfilme und TV-Serien kaufen oder leihen. Die Abrechnung erfolgt dabei über das bei Amazon hinterlegte Bezahlmittel. Bislang mussten Nutzer umständlich per Browser auf das Amazon-Angebot zugreifen und die Videos dort erst kaufen, um sie dann auf ihren Apple-Geräten in der Prime-Video-App abrufen zu können.

Filme zum Kaufen und Mieten in der Prime-Video-App auf dem iPad. Abgerechnet wird über das bei Amazon hinterlegte Zahlungsmittel – statt über Apple.

Für Anbieter von "Premium-Abo-Videodiensten" bietet Apple ein bereits "etabliertes Programm", um Inhalte direkt zum Verkauf anzubieten, teilte Apple in einer Stellungnahme gegenüber US-Medien mit. Der französische, zum Vivendi-Konzern gehörende Pay-TV-Anbieter Canal+ sei schon seit 2018 dabei. Mit diesem hat Apple bereits einen Sonder-Deal: Canal+ vertreibt Apple-TV-Hardware nämlich als Set-Top-Box für die eigenen Kunden. Zudem sei seit kurzem Altice One mit an Bord sowie jetzt auch Amazon. Nur diese drei Dienste dürfen bislang ihre eigenen Bezahlmethoden für den Videovertrieb nutzen.

Im Gegenzug erwartet Apple offenbar eine umfassende Integration in hauseigene Dienste und Techniken: Dazu gehören unter anderem die Einbindung in Apples TV-App, Unterstützung für das Streaming-Protokoll AirPlay 2, Apps für tvOS, Support für Apples universelle Content-Suche und Siri-Unterstützung, wie der Hersteller mitteilte. Auch Apples Single- oder Zero-Sign-On-Verfahren für TV-Anbieter solle nach Möglichkeit integriert werden. Abo-Abschlüsse für den jeweiligen Dienst wie etwa Prime Video müssen zudem offenbar weiter über Apples Bezahlschnittstelle erfolgen.

Die 30-Prozent-Provision für den Verkauf von digitalen Inhalten in Apps ist ein Grundpfeiler des App Stores – und des Multimilliardenumsatzes, den Apple damit erwirtschaftet. Für Abo-Dienste hat Apple die Provision seit längerem angepasst, ab dem zweiten Abojahr sinkt sie auf 15 Prozent. Für Apps gilt allerdings grundsätzlich, dass digitale Inhalte ausschließlich über Apples Bezahlschnittstelle verkauft werden dürfen. Auch ist es den App-Anbietern strikt untersagt, auf externe Möglichkeiten zum Kauf zu verlinken oder verweisen, wie etwa die eigene Webseite.

Netflix, YouTube TV und Spotify haben sich von Apples In-App-Käufen bereits getrennt. Spotify versucht außerdem, mit einer Kartellbeschwerde bei der EU Apples In-App-Zwang zu kippen – der Streaming-Dienst sieht sich dadurch benachteiligt. (lbe)