zurück zum Artikel

Interne Apple-Vorgaben: Siri soll bei kontroversen Themen nicht anecken

Apples Siri

In vielen Ländern hat Siri standardmäßig eine weibliche Stimme, eine Männerstimme steht aber zur Wahl.

(Bild: dpa, Daniel Reinhardt)

Dokumente legen Apples Richtlinien für den Umgang mit sensiblen Themen offen – und geben Einblick in zukünftige Siri-Funktionen.

Apple hat die Siri-Antworten auf Fragen zu "sensiblen Themen" wie Feminismus und #MeToo einem Bericht zufolge speziell umschreiben lassen: Bei "möglicherweise kontroversen Inhalten" solle Siri "geschützt" werden, heißt es in internen Richtlinien des Konzerns, wie der Guardian berichtet. Das Sprachassistenzsystem solle keine Konfrontation suchen, die Anfrage "abwenden" sowie neutral informieren.

Auf die Frage, ob die Sprachassistentin eine Feministin sei, habe Siri ursprünglich geantwortet, sie verstehe "dieses ganze Geschlechter-Ding nicht". Inzwischen lautet eine der neu geschriebenen Antworten: "Ich finde, dass alle Stimmen gleichberechtigt und gleichermaßen respektvoll zu behandeln sind." Auch auf abwertende Beschimpfungen reagiere Siri nicht länger mit demütigen Scherzantworten, wie der Guardian schreibt [1].

Die Siri-Antworten sollen "faktenbasiert und inklusiv sein statt Meinungen zu offerieren", teilte Apple in einer Stellungnahme gegenüber der Zeitung mit.

Die Richtlinien stammen demnach aus internen Dokumenten, die ein ehemaliger "Siri-Grader" weitergegeben - eine Person, die Siri-Mitschnitte zur Qualitätskontrolle auswertete. Die Tätigkeit ließ Apple bislang auch von Drittfirmen vornehmen, Mitarbeiter hörten dabei Audiomitschnitte der Nutzer ab. Künftig soll die Auswertung von Siri-Audioaufzeichnungen nur noch nach einem Opt-in erfolgen [2] – und rein von Apple-Mitarbeitern durchgeführt werden.

Maschinell erstellte Transkripte der Siri-Interaktionen werden grundsätzlich ausgewertet und vorbehalten, außer man schaltet Siri ganz ab. Auch in den Transkripten können persönliche Informationen wie Namen und Telefonnummern auftauchen, erklärte der "Grader" gegenüber dem Guardian.

Die internen Dokumente verweisen auch auf geplante Siri-Funktionen hin: So soll es bis Herbst 2021 möglich werden, mit dem Sprachassistenzsystem eine Konversation über Gesundheitsprobleme zu führen, heißt es weiter. Apple bereite außerdem die Siri-Unterstützung für ein "neues Gerät" vor. Apple arbeitet Berichten zufolge an einer AR-Brille [3], die Steuerung per Sprachbefehlen dürfte dabei eine wichtige Rolle zukommen. (lbe [4])


URL dieses Artikels:
http://www.heise.de/-4516020

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.theguardian.com/technology/2019/sep/06/apple-rewrote-siri-to-deflect-questions-about-feminism
[2] https://www.heise.de/mac-and-i/meldung/Siri-Nur-noch-Apple-Mitarbeiter-sollen-lauschen-nach-Opt-in-4508947.html
[3] https://www.heise.de/mac-and-i/meldung/Hinweise-auf-Apple-Glasses-in-iOS-13-4512129.html
[4] mailto:lbe@heise.de