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John Giannandrea: Wie der Ex-Google-Manager Siri & Co. auf die Sprünge helfen soll

Apple hat den Suchmaschinen- und KI-Chef des Internetriesen abgeworben. Beim iPhone-Produzenten erwarten ihn einige Aufgaben.

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Spracherkennung "Siri"

Siri kam bereits 2011 mit dem iPhone 4s auf den Markt, verspielte gegenüber der Konkurrenz aber viel Vorsprung.

(Bild: dpa, Sven Hoppe)

Wenn John Giannandrea in diesen Tagen seinen neuen Job antritt, verlängert sich sein Arbeitsweg nur unwesentlich: Das Hauptquartier von Google in Mountain View liegt nur eine gute Autoviertelstunde vom Apple Park in Cupertino entfernt. Doch die Arbeit des 53jährigen wird sich verändern. Arbeitete er bei Google am für Endanwender kostenlosen Umsatzbringer Suchmaschine, der mittels Anzeigen dem internetriesen noch immer die größten Profite bringt, wird er künftig an der Sprachassistentin Siri im Vollpreisprodukt iPhone sowie den weiteren KI-Initiativen von Apple werkeln.

Die Philosophie beider Unternehmen könnte nicht unterschiedlicher sein. Apple versucht – anders als zum Beispiel Google – seine selbstlernenden Maschinen mit Rücksicht auf den Datenschutz stärker mit weitgehend anonymisierten Nutzerdaten zu trainieren. Das wird von einigen Experten als Hindernis gesehen, während Apple selbst betont, man habe keine Nachteile dadurch. Künstliche Intelligenz kommt auch zum Beispiel bei der Bilderkennung in Fotos zum Einsatz oder bei Antworten von Siri. Doch Giannandrea teile die Überzeugungen des Konzern zu einem strikteren Schutz der Privatsphäre, betonte Apple-Chef Tim Cook im Memo, in dem er den hochkarätigen Neuzugang seinen Mitarbeitern vorstellte.

Für Apple ist es ein wichtiger Neuzugang, da der Konzern von Branchenbeobachtern bei künstlicher Intelligenz hinter Google und Amazon gesehen wird. Vor allem Apples Sprachassistentin Siri wird immer wieder dafür kritisiert, dass sie schlechter funktioniere als ihre Konkurrenten Google Assistant und Alexa von Amazon. Giannandrea gilt als einer der führenden Experten in dem Bereich und leitete bei Google ebenfalls die Forschung zur Künstlichen Intelligenz. So soll er unter anderem an autonomen Google-Autos gearbeitet haben. Hier ist auch Apple interessiert, dort sind mittlerweile zahlreiche Forschungsfahrzeuge des Konzerns auf der Straße.

Beobachter verstehen seit längerem nicht, warum Apple seine Bemühungen bei Siri nicht oder nur langsam zu intensivieren scheint. Der Konzern war bei Sprachassistenzsystemen anfangs führend – bereits vor gut sieben Jahren wurde das iPhone 4s erstmals mit Siri ausgeliefert. Seither wurde die Technik optimiert, aufs iPad, Apple TV, Apple Watch und den Mac geholt und mit dem HomePod mittlerweile ein smarter Lautsprecher ins Programm genommen. Mit Giannandrea will Apple nun Gas geben bei Siri. Gleichzeitig scheint der Konzern Analysten zufolge auch sein Siri-Team zu vergrößern – mit aktuell Hunderten von Stellenanzeigen. (mit Material von dpa) / (bsc)