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Keine "echten" Feinde erlaubt: Apple wirft Afghanistan-Strategiespiel raus

Neun Monate nach der Veröffentlichung im App Store hat Apple "Afghanistan '11" plötzlich gelöscht. Das Spielestudio will nicht mehr in iOS investieren.

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Afghanistan 11

Slitherines Strategiespiel wird von Apple nicht mehr geduldet.

(Bild: Slitherine)

Der Kampf von US-Truppen gegen Taliban in Afghanistan darf offenbar nicht als Hintergrund für Strategiespiele im App Store dienen. Apple hat den seit rund neun Monaten für das iPad erhältlichen Spieletitel "Afghanistan '11" plötzlich entfernt, wie das auf militärische Simulationsspiele spezialisierte Spielestudio Slitherine mitteilte.

Über Geschmack kann man nicht streiten: Der Trailer zu "Afghanistan '11" von 2017. (Quelle: SlitherineGames)

Spielestudio will nicht mehr in iOS investieren

Als Grund für den Rauswurf habe Apple angeführt, das Spiel umfasse Inhalte, die "auf Personen einer bestimmten Regierung oder eine andere echte Entität als Feinde abzielen", erklärt der Development Director der Spielefirma auf Twitter und merkt an, dass nach dieser Regel wohl kaum ein realistisches Spiel im App Store zulässig wäre. Im Unterschied zu anderen Kriegsspielen gehe es bei "Afghanistan '11" zudem nur zweitrangig darum, Feide zu töten, schreibt der Entwickler – stattdessen müsse man die lokale Bevölkerung für sich gewinnen.

Das Spiel, das von Apple zugelassen und über Monate unbehelligt zum Verkauf stand, wurde mehrfach aktualisiert und gerade erst um zusätzliche Inhalte erweitert, wie der Spieleentwickler anmerkt. Apples unberechenbares Verhalten sei auch der Grund dafür, dass man "nicht mehr in iOS investiert".

Markt für bezahlte iOS-Spiele weggebrochen

Slitherine hatte in den vergangenen Jahren mehrere, ursprünglich nur für Windows erhältliche Strategiespiele auch auf das iPad gebracht. Der Markt für kostenpflichtige iOS-Spiele sei aber völlig zusammengebrochen, merkt der Entwickler an, schon seit längerem lohne sich der Aufwand einer Portierung nicht mehr – die Hürden, die Apple Entwicklern in den Weg legt, würden erschwerend hinzukommen.

Apples Regel über die Darstellung von "Feinden" in Spielen besteht seit langem, diese darf nicht auf "eine spezifische Rasse, Kultur, echte Regierung, Unternehmen oder jegliche andere reale Entität abzielen" Dies scheint jetzt allerdings der erste öffentlich bekannte Fall zu sein, in dem deshalb ein Strategiespiel mit historischem Hintergrund rausgeworfen wurde. Slitherine will Apples Entscheidung anfechten, um den Spieletitel wieder für das iPad anbieten zu können. (lbe)