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Kommentar: Apple hält seine Mac-Nutzer hin

Mehrere Rechnerlinien seit Jahren nicht gepflegt, Öffentlichkeitsarbeit nach Gutsherrenart – und ein paar Brotkrumen für Mac-Pro-Käufer: Apple-Kunden haben derzeit viel zu leiden, findet Ben Schwan von Mac & i.

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Kommentar: Chaos in Apples Mac-Abteilung

Der aktuelle Mac Pro lässt sich öffnen – aber nicht erweitern.

(Bild: Apple)

Zu einem Befreiungsschlag wollten sie augenscheinlich ansetzen, die Herren vom Apple-Management, als sie sich in dieser Woche exklusiv mit Vertretern fünf amerikanischer Netzmedien trafen und ihnen von ihren Plänen für den Mac Pro berichteten.

Die offenbar mit Sperrfrist versehenen Informationen wurden dann am Dienstagmittag um zirka 14 Uhr – eigentlich Apples typische eigene Veröffentlichungszeit von Pressemitteilungen über neue Produkte – auf einen Rutsch publiziert. Nicht etwa von Apple, sondern von besagten fünf Medien.

Daraus schälte sich dann langsam die Tatsache hervor, dass Apple schlicht die Grundkonfigurationen des Mac Pro verbessert hat, ohne den Preis zu ändern. Das kommt einer Preisanpassung gleich, die schon vor Jahren fällig gewesen wäre. Die aktuellen Mac-Pro-Konfigurationen sind im Vergleich zu modernen PCs und Apples eigenen iMacs nach wie vor viel zu teuer.

Eine Mail mit den korrekten Daten des leicht überarbeiteten Mac-Pro-Angebots samt Euro-Preisen lieferte Apple Deutschland am Dienstagabend nach, auch wieder nur an wenige ausgewählte Journalisten, und erst gegen 19 Uhr – da waren die meisten Fachredaktionen vermutlich schon im Feierabend.

Ein Kommentar von Ben Schwan

Mac & i-Redakteur Ben Schwan schreibt seit 1994 über Technikthemen und richtet sein Augenmerk mittlerweile insbesondere auf Apple-Geräte. Er mag das Design von Mac, iPhone und iPad und glaubt, dass Apple nicht selten die benutzerfreundlicheren Produkte abliefert. Immer perfekt ist die Hard- und Software-Welt aus Cupertino für ihn aber nicht.

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Hallo, Apple, was ist nur los bei Euch? Seit Dezember 2013, nicht ganz dreieinhalb Jahren also, ist der Mac Pro weitgehend unverändert – und dann bringt Ihr ein Mini-Upgrade und eine Ankündigung, dass sich endlich etwas tun wird, aber erst im nächsten Jahr?

Die wirkliche Neuigkeit war denn auch nicht der minimal aktualisierte Mac Pro, sondern die Tatsache, dass Apple an einem Redesign, einer komplett neuen, endlich wieder modularen Profi-Maschine werkelt. Doch wann die kommt, bleibt unklar. Apple sagte lediglich "nicht mehr in diesem Jahr". Weder technische Details, noch Preise durfte man erfahren. Augenscheinlich ging es Apple vor allem darum, die geschundenen Seelen seiner Pro-Kundschaft zu streicheln – und sie hinzuhalten.

Der frühere Mac Pro im Towergehäuse ließ sich prima erweitern. Kehrt Apple jetzt zu einem ähnlichen Konzept zurück?

Immerhin kündigte Apple an, durch die kommende modulare Bauweise des Mac Pro könne man wieder regelmäßiger Updates liefern.

Ob dieser Plan aufgehen wird, steht jedoch in den Sternen. Er hat schon beim Vorvorgänger, dem klassischen, leicht zugänglichen Mac Pro im Towergehäuse, nicht geklappt, selbst bei Grafikkarten nicht, die sich bei Standard-PCs ohne großen Aufwand austauschen lassen. Dass der aktuelle Mac Pro mit seinem schicken, aber nicht erweiterbaren Röhrengehäuse ein Flop war, ist nun also auch Apple klar. Mein Kollege Benjamin Kraft hatte schon damals einiges auszusetzen.

Einige, wenige Sätze ließen die anwesenden Apple-Manager auch zum iMac und zu Mac mini fallen, die seit 2015 beziehungsweise 2014 nicht mehr aktualisiert worden sind. Auch hier blieb es bei Ankündigungen ohne Details – allein die Tatsache, dass es vom iMac auch "Pro"-Konfigurationen geben wird, rückte Apple heraus.

Realistisch betrachtet handelt es sich bei den Ankündigungen also um nicht viel mehr als Vaporware. Die hat Apple stets verachtet – auch, weil zu frühe Ankündigungen das Bestandsgeschäft kaputt machen können. Bei den Macs war nun anscheinend der Leidensdruck so groß, dass der Konzern gegen seine Regeln handeln musste. Mal sehen, ob die kommenden Produkte die Träume der Mac-Freunde erfüllen. Klar ist nur: Sie werden sich weiter gedulden müssen. (bsc)