Kommentar: Office 2016 – Microsoft hat den Mac endlich wieder lieb

Mit OneNote und einer neuen Version von Outlook hatte sich bereits angekündigt, dass Redmond sich dem lange links liegen gelassenen OS X wieder annähern würde. Die nun erschienene Mac-Office-Preview lässt auf Gutes hoffen – und das wurde auch Zeit.

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(Bild: dpa, Britta Pedersen)

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Mac-Nutzer und Microsoft – das ist eine lange und bisweilen schwierige Geschichte. Wer sich noch an die frühen 80er Jahre erinnern kann (ich selbst war noch zu klein), wird wissen, wie anschmiegsam Redmond anfangs gegenüber Cupertino war. Die ersten Office-Apps gab es nur für den Macintosh – und nicht für PCs. Erst später, nach dem Abgang von Steve Jobs und Microsofts Erfolg mit Windows, setzte sich unter Apple-Usern ein Gefühl der Abneigung fest: Schließlich kam uns Windows verdammt nah an Mac OS ausgerichtet, ja: abgekupfert, vor und wir hatten beständig den Eindruck, dass der übermächtige PC-Markt Apple die Luft abschnürt.

Ein Kommentar von Ben Schwan

Mac & i-Redakteur Ben Schwan schreibt seit 1994 über Technikthemen und richtet sein Augenmerk mittlerweile insbesondere auf Apple-Geräte. Er mag das Design von Mac, iPhone und iPad und glaubt, dass Apple nicht selten die benutzerfreundlicheren Produkte abliefert. Immer perfekt ist die Hard- und Software-Welt aus Cupertino für ihn aber nicht.

Als Steve Jobs dann 1996 zu Apple zurückkehrte und wenig später eine erstaunliche Keynote hielt, in der er den "Krieg" mit Microsoft für beendet erklärte und sich von den Redmondern sogar ein Millioneninvestment geben ließ, änderte sich wieder alles. Seither heilen Wunden – und das hält bis heute an. Dem förderlich war auch, dass mit Satya Nadella seit Anfang 2014 ein CEO am Ruder ist, der konsequent auf eine Mehrplattformstrategie setzt.

Wir Mac-Nutzer fühlen uns zwar immer wieder von Microsoft unterversorgt und greifen, wenn möglich, nicht ungern zu Alternativen. Doch ich habe den Eindruck, dass man in Macianer-Kreisen den Produkten des Softwareriesen mittlerweile wieder offener gegenüber steht.

Mac-Office 2016, das seit Donnerstag zum Download als Vorschau bereitsteht, ist ein prima Beispiel für diese Situation. Sage und schreibe viereinhalb Jahre ließ sich Microsoft Zeit, um endlich eine Neuauflage seines Büropakets für den Mac zu fertigen. Gut, im April letzten Jahres wurde erst eine durchaus ordentliche iPad-Version von Office (und später auch eine iPhone-Variante) fertig und das bindet Ressourcen. Doch so verdammt lange warten will ich auf Word, Excel und Co. auf meinem Mac-Desktop künftig nicht noch einmal.

Das, was ich bislang in Mac-Office 2016 ausprobieren konnte, gefällt mir aber ausgesprochen gut. Die neue Oberfläche wirkt modern und passt sich prima in Apples Yosemite-Look ein. Man hat das Gefühl, dass hier das bereits kompetente Office-fürs-iPad-Team am Werk war – und das war vermutlich auch so. Zwar kann man die neuen Funktionen derzeit noch an zwei Händen abzählen und an die Usability, die wie schon Office 2013 noch viel stärker als Mac-Office 2011 auf Ribbons setzt, werde ich mich erst gewöhnen müssen (so oft "Wo ist eine Funktion?" habe ich bei Mac-Apps schon lange nicht mehr gesagt). Doch Look & Feel machen dies erstaunlicherweise wett.

Mac-Office 2016 (11 Bilder)

Word 2016 für Mac

Optisch orientiert sich Microsoft an Office 2013 für Windows, gewürzt mit dem Design der bereits vorhandenen iOS-Versionen des Büropakets. Der Look wirkt unter OS X 10.10 dennoch passend.
(Bild: Mac & i)

Von Excel, Word und PowerPoint gefällt mir derzeit Excel 2016 am besten. Es wirkt flotter als in Mac-Office 2011 und ich fand mich schnell zurecht. PowerPoint ist immer noch nicht Keynote und Word ist für mich als Journalisten seit jeher eher Hass als Liebe. Und nein, zu einem Outlook-User werde ich trotz der (schon vor mehreren Monaten veröffentlichten) neuen Version für Mac-Office 2016 nicht mehr werden. Aber es ist schön, eine für den Profibetrieb gedachte Alternative zu Apple Mail zu haben. OneNote 2016 ist wiederum "nice to have", aber als Notizverwaltung für mich keine Pflicht.

Die Wartezeit hat sich also durchaus gelohnt. Mit Office 365 gibt es zudem ein meiner Meinung nach gut funktionierendes Abo-Modell, das auch die Windows-Version miteinschließt, die ich in einer virtuellen Maschine benutze. 65 Euro im Jahr lasse ich dafür gerne in Redmond liegen. (bsc)