Menü
Mac & i

Krypto-Messenger Signal: Tiefere iOS-10-Integration beeinträchtigt Datenschutz

Zusammen mit einer Videotelefoniefunktion hat die Signal-App Unterstützung für Apples CallKit eingeführt, um VoIP-Telefonate prominent auf dem Lockscreen anzuzeigen. Verbindungsdaten landen dann aber auf Apple-Servern, warnen die Signal-Macher.

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 58 Beiträge
Signal-Integration in iOS 10

(Bild: Entwickler)

Anzeige
Apple iPhone 7 32GB schwarz
Apple iPhone 7 32GB schwarz ab € 418,80

Open Whisper Systems hat den Krypto-Messenger Signal um eine Videotelefonie-Funktion ergänzt, sie steht ab sofort als Beta in der aktualisierten iOS- sowie Android-App zur Verfügung. Nutzer können die Funktion in den Einstellungen (im Bereich “Erweitert”) aktivieren. Gemeinsam mit der Erweiterung um Video habe man Signals komplette Anruf-Infrastruktur neu geschrieben, teilten die Entwickler mit, dies soll auch die Qualität reiner Audiotelefonate verbessern. Um die neue Anruftechnik zu nutzen, müssen beide Gesprächsteilnehmer die Videotelefonie-Beta aktivieren.

Um eingehende VoIP-Anrufe prominent auf dem Lockscreen des iPhones zu signalisieren, setzt Signal in Version 2.7 erstmals auf Apples mit iOS 10 neu eingeführte CallKit-API, die die bislang Mobilfunktelefonaten vorbehaltene Funktion auch für VoIP-Apps bereitstellt. Durch die CallKit-Integration landen die über den Krypto-Messenger geführten Gespräche zugleich in der zentralen iOS-Anrufliste der Telefon-App, warnt Open Whisper Systems. Damit können die Verbindungsdaten, darunter Name respektive Rufnummer des Gesprächsteilnehmers und die Dauer des Anrufs auf Apples Server übertragen werden – im Rahmen der automatischen Synchronisation der Anrufliste für iCloud-Nutzer.

Krypto-Messenger Signal mit Videotelefonie und CallKit (4 Bilder)

Die Signal-App verspricht eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung aller Nachrichten.
(Bild: Entwickler)

Die iCloud-Synchronisation der Anrufliste, die offenbar für mehrere Monate auf Apples Servern gespeichert wird, lässt sich nur durch das Deaktivieren von iCloud Drive abstellen – mit entsprechenden Nebenwirkungen, falls man andere Funktionen nutzen will, die Apples Cloud-Laufwerk benötigen. Signal erlaubt deshalb, die CallKit-Verwendung in den Einstellungen des Messengers abzuschalten.

Derzeit wird die CallKit-Unterstützung erst aktiv, wenn Nutzer die Videotelefonie-Beta in den Einstellungen eigenhändig anschalten. Open Whisper Systems hat noch nicht entschieden, wie sich die Signal-App künftig verhält, sobald die Betaphase abgeschlossen ist und die neue Anruftechnik standardmäßig aktiv ist. Möglicherweise könne man die Identitäten der Nutzer schützen, indem in der Anrufliste nur “Signal-Nutzer” dargestellt wird oder man werde beim ersten Start auf die neue Einstellung hinweisen, erklärte Entwickler Moxie Marlinspike gegenüber Wired.

Inzwischen nutzen mehrere Apps CallKit in iOS 10, darunter etwa auch die Messenger und VoiP-Dienste WhatsApp und Skype. Letzterer erlaubt ebenfalls, die CallKit-Unterstützung abzuschalten. (lbe)