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"Locationgate": Jobs, Schiller und Forstall nehmen Stellung

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Nachdem am Mittwochnachmittag Apple eine Art Mea culpa zum "Locationgate" mit den im iPhone gespeicherten Ortungsdaten veröffentlichte, wurden etwas später auch noch Firmenchef Steve Jobs, Marketingboss Phil Schiller und iOS-Softwareleiter Scott Forstall vorstellig. Der Zugang für die Medien war allerdings beschränkt: Es gab genau ein Telefoninterview. Eingeladene Gesprächspartnerin war Ina Fried vom zum Wall Street Journal gehörenden Techblog All Things Digital. Die renommierte IT-Journalistin brachte insgesamt drei Geschichten: Eine Kurzfassung mit einer Jobsschen Stellungnahme zu den Vorwürfen, ein weiterer Text über die Frage, warum die Herstellung des weißen iPhone so verdammt schwer war, sowie eine editierte Mitschrift des gesamten Telefoninterviews.

Viel mehr als das, was bereits in der gestern veröffentlichten FAQ zu finden war, ließen sich die drei Apple-Manager allerdings nicht entlocken. Jobs betonte erneut, Apple tracke niemanden. Es handele sich um "anonyme Informationen" über die umgebenden Funk- und WLAN-Zellen, die Apple über ein Crowdsourcing-Verfahren erhalten habe. "Das haben die Leute auf ihren Telefonen gesehen und es für Ortsdaten gehalten." Der Zwischenspeicher, den die umstrittenene "consolidated.db"-Datei darstellt, sei aber wohl zu groß bemessen, räumte Forstall ein. "Wir suchten uns eine Größe, rund 2 MByte, halb so groß wie ein Musikstück. Es stellte sich heraus, dass das ziemlich umfänglich war und einzelne Punkte für eine lange Zeit vorhalten konnte."

Apple habe die Datei aber im System geschützt, sie sei ein Root-File und vor anderen Apps in einer "Sandbox" versteckt. "Wenn nun aber jemand sein Telefon hackt und einen Jailbreak durchführt, kommt er an sie heran." Die Datei sei aber "komplett anonym" und könne nicht individuellen Personen oder Geräten zugeordnet werden. Dass diese Zuordnung unnötig ist, weil die Datei ja auf einem individuellen Gerät sitzt, sagte Forstall allerdings nicht – auch ließ er die Backup-Frage offen. Apple hatte in seiner gestrigen FAQ allerdings angekündigt, die bislang unverschlüsselte "consolidated.db" nicht mehr automatisch über iTunes auf Mac und PC zu übertragen, wofür ein baldiges Software-Update sorgen soll. Eine Verschlüsselung der Datei auf dem iPhone ist allerdings erst in der nächsten "großen" Version von iOS vorgesehen.

Zu Fragen der "Crowdsourcing"-Daten, die Apple ja zweifellos sammelt – tatsächlich hatte das Unternehmen dies bereits im vergangenen Sommer eingeräumt –, sagte Jobs, Nutzer könnten dies abschalten, dann aber die regulären Ortsdienste nicht mehr verwenden. Welche weiteren Pläne Apple mit diesen Informationen hat, aus denen neben der verbesserten Ortung auch einmal ein Verkehrsdienst werden soll, sagte Jobs darüber hinaus nicht. Schiller betonte, die anonymen Crowdsourcing-Daten seien in etwa so wie die Datenerfassung in einem Laden, der an der Tür die eintreffenden Kunden mit einem "Clicker" zähle. Wie genau Apple diese Informationen anonymisiert, gab das Unternehmen allerdings bislang nicht an.

Stellen will sich Apple wohl einer Fragerunde vor dem US-Kongress zum Thema. "Ich denke, Apple wird aussagen", so Jobs. Es sei "toll", dass die Politik das Thema nun untersuche. Er hoffe aber, dass neben Apple auch andere Firmen in den Blickpunkt der Presse rückten. Tatsächlich nutzen auch Google und Microsoft Crowdsourcing- und ähnliche Ortsdatenansätze. Zur Frage, wann er wieder zu Apple zurückkehre, wollte sich Jobs indes nicht äußern. "Wir sind heute hier, um über Ortsdaten zu reden, nicht über mich." (bsc)