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Mobilfunkchips: Qualcomm kommt Apple im Lizenzstreit etwas entgegen

Der seit über einem Jahr laufende Streit mit Apple zehrt Qualcomm zunehmend aus. Der Chipkonzern zeigt jetzt Kompromissbereitschaft, um sein Geschäftsmodell zu verteidigen.

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Qualcomm-Chef Steven Mollenkopf.

(Bild: dpa, Toni Albir)

Der von einem Lizenz- und Patentstreit mit Apple gebeutelte Chipkonzern Qualcomm kommt dem iPhone-Hersteller entgegen: Zur Berechnung der Lizenzgebühren auf Qualcomm-Patente sei für Smartphones eine neue Preisobergrenze von 400 Dollar festgelegt worden, erklärte Firmenchef Steve Mollenkopf in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Bisher habe sie 500 Dollar betragen.

Die neue Obergrenze kommt einem Anbieter von Premium-Smartphones wie Apple entgegen: Die Gebühren würden auf einen Gerätepreis von maximal 400 Dollar berechnet, egal wie viel teurer die Telefone tatsächlich sind. Der Preis der iPhone-Modelle reicht in den USA von 349 bis 1149 Dollar, der Durchschnittspreis eines iPhones schnellte nach der Einführung des teuren iPhone X auf knapp 800 Dollar hoch.

Mit diesem Schritt demonstriert Qualcomm die Bereitschaft, auf potenzielle Umsätze zu verzichten, um sein von Apple attackiertes Geschäftsmodell zu bewahren. Der iPhone-Konzern kritisiert, dass Qualcomm für seine Patente einen Anteil vom kompletten Gerätepreis verlangt, damit profitiere der Chipkonzern ungerechtfertigterweise auch von Apples Innovationen. Durch den Verkauf von Funkchips und die Lizenzierung von Technik kassiere Qualcomm zudem doppelt, so Apples Vorwurf. Der Chip-Hersteller könne entweder für den Chip oder die Lizenz Geld verlangen – nicht aber für beides.

Über viele Jahre setzte Apple nur auf Qualcomm-Mobilfunkchips im iPhone. Seit dem iPhone 7 kommt auch der Chipriese Intel zum Zug, dessen Chips stecken etwa in den für den europäischen Markt ausgelegten iPhones. Einem neuen Bericht zufolge will Apple den Bedarf an LTE-Chips für die 2018er iPhones bereits zu 70 Prozent von Intel decken lassen – und im kommenden Jahr womöglich ganz auf Qualcomm-Chips im iPhone verzichten.

Der Konflikt schwelt bereits seit über einem Jahr, Apple und Qualcomm haben sich auch gegenseitig mit dem Vorwurf von Patentverletzungen verklagt, auch vor deutschen Gerichten. Qualcomm betont, dass der Konzern viele Innovationen in modernen Smartphones erfunden habe und die Berechnung von Lizenzgebühren auf Basis des gesamten Gerätepreises gängige Praxis in der Industrie sei. Apple

Mit dem Smartphone-Marktführer Samsung handelte Qualcomm dagegen einen neuen Deal aus – um den Preis geringerer Einnahmen. Die zuletzt bereits deutlich geschrumpften Erlöse im Lizenzgeschäft würden im laufenden Quartal noch einmal um rund ein Viertel auf etwa 950 Millionen Dollar fallen, hieß es. Der Samsung-Deal und andere Änderungen der Lizenzpraxis seien für rund die Hälfte der Differenz verantwortlich.

Für sein Angebot an Patenten, die zum Grundstock der technischen Standards für den neuen superschnellen 5G-Datenfunk gehören, setzte Qualcomm eine Gebühr von 3,25 Prozent vom Gerätepreis fest. Qualcomm rechnet damit, dass ein Teil der Gerätehersteller nur Lizenzen auf diese Standard-Technologien erwerben werde, während das Ziel der Firma bleibe, Geld für das gesamte Patent-Portfolio zu bekommen. Für Standard-Patente gelten besondere Regeln: Sie müssen zu fairen Konditionen und ohne Diskriminierung einzelner Marktteilnehmer zur Verfügung gestellt werden. (Mit Material der dpa) / (lbe)