Per iPhone-App zum einvernehmlichen Sex

Mit "Libra" können Bettpartner ihr explizites Einverständnis geben – und damit einem umstrittenen neuen Anti-Vergewaltigungs-Gesetz in Schweden gerecht werden.

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Per iPhone-App zum einvernehmlichen Sex

Willst Du wirklich? Die Libra-App aus Schweden.

Von
  • Ben Schwan

Die Stimmung im Schlafzimmer muss merkwürdig sein. Heiße Küsse, wandernde Hände – und dann holt ein Partner sein iPhone raus. Die App geöffnet, eine digitale Unterschrift unter "Ja, ich will" – und weiter geht's unter der Bettdecke.

So oder so ähnlich muss sich Anwältin Baharak Vaziri Geschlechtsverkehr in Schweden bald vorstellen. Ihr soeben veröffentlichtes iOS-Programm "Libra" – eine Android-Version steht bislang aus – ist als Unterstützung für das neue "Einverständnis-Gesetz" zu Sex und Vergewaltigung gedacht, das in dem Land gilt – und erntet bereits in den ersten Tagen Spott und offizielle Beschwerden.

Das neue Regelwerk, das seit diesem Sonntag in Kraft ist, ist auch ohne die App schon hoch umstritten. Es folgt dem Grundsatz, dass Sex freiwillig sein muss. Beide Partner müssen ihm erkennbar – verbal oder nonverbal – zustimmen. Alles andere wird als Vergewaltigung gewertet, auch wenn sich der Partner nicht körperlich wehrt oder Nein sagt. Passivität soll also nicht länger als stilles Einverständnis interpretiert werden können.

Doch wie das Einverständnis gegeben und im Zweifel auch vor Gericht nachgewiesen werden kann, ist hoch umstritten. Reichen beispielsweise Küsse aus als Zeichen der Zustimmung? Um ganz sicher zu sein, höhnten manche, müsse man eigentlich einen Vertrag unterschreiben.

Die "Libra"-App macht diesen ursprünglich satirischen Vorschlag zur Realität. "Sie soll zum Nachdenken anregen", erläuterte Vaziri im schwedischen Fernsehen. "Man soll sich vergewissern, dass es ein Einverständnis gibt, danach fragen. Denn das ist genau das, was das neue Gesetz fordert."

Die Anwältin bekommt viel Gegenwind. "Ich hoffe immer noch, dass das ein Witz von Vaziris Anwaltsbüro ist", sagt Ida Ostensson, die Gründerin der Stiftung "Make Equal", die das neue Gesetz mit vorangetrieben hat. "Man verspottet, was Einverständnis bedeutet." Nach Informationen der Zeitung "Dagens Nyheter" gab es bereits mehr als 70 Beschwerden beim schwedischen Amt für Verbraucherschutz gegen die App. Unter anderem mit der Frage: "Wenn jemand seine Meinung während des Geschlechtsakts ändert, ist das dann Vertragsbruch oder Vergewaltigung?" (mit Material von dpa) / (bsc)