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Rat für Polizisten: iPhone besser nicht anschauen

Eine Forensikfirma mahnt Ermittler, iPhones von Verdächtigen keinesfalls vor das eigene Gesicht zu halten, um Face ID nicht versehentlich zu deaktivieren.

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iPhone Face ID

iPhone öffnen per Gesicht – Face ID machts möglich.

(Bild: Apple)

Um die Option zu bewahren, das iPhone eines Verdächtigen biometrisch entsperren und so zugleich entschlüsseln zu können, sollten Strafverfolger das Gerät nicht frontal anblicken. Diesen Ratschlag erteilt der russische Forensik-Software-Hersteller Elcomsoft in einer für Strafverfolgungsbehörden gedachten Präsentation: "Schauen Sie nicht auf den Bildschirm, sonst passiert etwas", wie das Magazin Motherboard aus einer Powerpoint-Folie zitiert.

Der Ratschlag bezieht sich auf iPhones mit der Gesichtserkennung "Face ID", die Apple im vergangenen Jahr mit dem iPhone X eingeführt hat. Die 2018 neu vorgestellten Geräte iPhone XS, XS Max und XR sind ebenfalls mit Face ID ausgerüstet, auch die erwartete neue iPad-Pro-Generation dürfte die Gesichtserkennung einsetzen.

Wenn man auf das Display schaut, könne sonst passieren, was auch auf dem damaligen Apple-Event passiert ist, wird auf der Präsentationsfolie unter Verweis auf einen Fehler bei der Einführung von Face ID angemerkt: Apples Software-Chef musste auf der Veranstaltung das Demo-iPhone wechseln, weil die Gesichtserkennung nicht funktionierte, stattdessen wurde die Code-Eingabe verlangt. Das Demogerät sei zuvor von verschiedenen Mitarbeitern gehalten worden, erklärte ein Apple-Sprecher damals, dies habe das Problem ausgelöst – das System habe wie vorgesehen gearbeitet.

Face ID verhält sich ähnlich wie Apples Fingerabdruck-basierte Vorgänger Touch ID: Nach fünf Fehlversuchen muss man den Code eingeben, um das iPhone zu entsperren. Dies ist ebenso nach einem Neustart oder nach einem Zeitraum von 48 Stunden ohne Entsperrvorgang vonnöten.

Der Geräte-Code dient nicht nur zum Öffnen des iPhones, an ihm hängt auch die Verschlüsselung aller Daten.

(Bild: dpa, Michael Kappeler)

Bislang galt deshalb schon der Rat für Strafverfolger, keinesfalls den Home-Button zu drücken und so durch die Eingabe falscher Fingerabdrücke versehentlich Touch ID zu deaktivieren.

Auch müssen Ermittler darauf achten, dass das iPhone mit Strom versorgt wird, um ein Abschalten zu verhindern. Mit Face ID können Fehleingaben deutlich leichter passieren, da es eben reicht, das Gerät respektive den (aktivierten) Bildschirm anzuschauen, eine Interaktion ist hier nicht erforderlich.

In den USA gibt es mehrere Fällen, in denen Verdächtige (oder Tote) ihr iPhone durch Auflegen des Fingers entsperren mussten. Jüngst hat das FBI einem Bericht zufolge einen Verdächtigen auch dazu gezwungen, sein iPhone per Face ID zu öffnen. Die biometrische Entsperrung ist der schnellste Weg an die iPhone-Daten und erfordert keine Kenntnis des Geräte-Codes, der gewöhnlich aus einer sechsstelligen PIN besteht. Nutzer können aber ein alphanumerisches Passwort einrichten, das sich auch mit gängigen Unlock-Tools wie GrayKey nicht einfach knacken lassen sollte.

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