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Smartphone-App verspricht grüne Welle für Radfahrer

Städte diskutieren, wie sich mehr Autofahrer zum Umstieg aufs Fahrrad bewegen lassen. Helfen könnte bald eine App, die eine grüne Welle für Radler verspricht.

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App mit Fahrradnavigation

(Bild: dpa, Peter Zschunke)

Siemens hat eine App entwickelt, die auf bestimmten Strecken die Ampeln für Radfahrer auf Grün schalten soll. "Diese Technik wird schon von Bussen genutzt", sagt Projektleiter Michael Düsterwald in München. Bei Radlern klappt das aber nicht mit jeder Ampel. Städte und Gemeinden müssen die Signalanlagen so einrichten, dass diese mit der "SiBike" genannten App auf dem iPhone oder Android-Gerät kommunizieren können. Marktreif ist die App noch nicht.

Rund 60 Meter vor einer Ampel gibt es einen so genannten virtuellen Anmelder. Nähert sich ein Fahrradfahrer mit der aktivierten SiBike-App, nimmt das Smartphone Kontakt mit der Verkehrsleitzentrale auf. Diese erkennt über GPS den Standort und sendet den Befehl an die Ampel, die Grünphase in diese Richtung um einige Sekunden zu verlängern. "Das geht alles automatisch und in Blitzgeschwindigkeit", sagt Düsterwald.

Zusätzlich muss aber auch das Tempo stimmen: Wer bei mehreren Ampeln hintereinander bei Grün durchrauschen will, muss eine bestimmte Geschwindigkeit einhalten, die von der Stadt festgelegt wurde, etwa 18 bis 20 Stundenkilometer.

Für die Autofahrer bedeutet das Wartezeit, wenn auch nur sekundenlang. Denn das Grün wird nur einmal verlängert. Wer zu spät kommt, muss warten, bis die Ampel wieder umschaltet. "Die Fahrradfahrer profitieren mehr, als die Autofahrer an negativen Einflüssen erfahren", sagt der Projektleiter. Außerdem könne die App den Städten helfen, den Fahrradverkehr durch die grüne Welle auf gewisse Straßen zu lenken, weg von gefährlichen Strecken.

Allgemein verfügbar ist die App noch nicht – erst wird sie ausprobiert, unter anderem in Bamberg. "Wir haben knapp 13.000 Studierende, da ist es ganz klar, dass die in ganz hohem Maße mit dem Rad unterwegs sind", sagt Stadt-Pressesprecherin Ulrike Siebenhaar. "Man ist in der Innenstadt deutlich schneller als mit dem Auto." Für das Pilotprojekt ausgewählt wurde eine wichtige Ost-West-Verbindung mit sieben Ampeln. Siebenhaar hofft, mit der zügigeren Fahrt noch mehr Menschen zum Umstieg aufs Rad zu bewegen.

Schon jetzt beträgt der Fahrradanteil am Verkehrsaufkommen in der oberfränkischen Stadt 30 Prozent. Bayern- und bundesweit sind es durchschnittlich um die 10 Prozent. In der Berliner Innenstadt dagegen hat das Rad schon das Auto überholt. "Viele Großstädter schaffen die Autos oder zumindest die Zweitwagen ab und erledigen die Kurzstrecken mit dem Rad", sagt Stephanie Krone, Pressesprecherin des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). "Das ist bei passablem Wetter auch völlig unproblematisch, denn die Hälfte aller innerstädtisch zurückgelegten Wege sind unter 5 Kilometern."

Doch in einigen Städten sind die Radwege holprig, zu eng, von Autos zugeparkt. Oder es gibt erst gar keine. Auf Radschnellwegen wie im Ruhrgebiet hingegen sollen Radler längere Strecken auf eigenen Trassen mit möglichst wenig Ampeln und Kreuzungen zurücklegen können. Ähnliches wird in Berlin, München oder Nürnberg diskutiert.

Manche Städte haben auch dauerhafte grüne Wellen für Radfahrer eingerichtet, die mit 20 Kilometern pro Stunde dahinrauschen, für ADFC-Sprecherin Krone die bessere Alternative. Und dann gibt es noch ein Projekt aus den Niederlanden, von dem Krone schwärmt: "In Rotterdam wird es bald sogar Fahrradampeln mit Regensensor geben – sie gewähren dem Radverkehr bei schlechtem Wetter Vorrang." (Cordula Dieckmann, dpa) / (lbe)