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Spotify reicht EU-Kartellbeschwerde gegen Apple ein

Als Plattformbetreiber verschaffe Apple sich "unfaire Vorteile", beklagt Spotify – und ruft die EU-Kommission zum Einschreiten auf.

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Spotify

Spotify und Apple – Gerangel gibt es zwischen den Konkurrenten seit längerem.

(Bild: dpa, Daniel Bockwoldt)

Mit einer Beschwerde bei der EU-Kommission will der Musik-Streaming-Marktführer Spotify eine Änderung von Apples Geschäftspraktiken erzwingen. Als Plattformbetreiber und gleichzeitiger Konkurrent im Musik-Streaming-Markt verschaffe sich Apple "an jeder Ecke unfaire Vorteile", schreibt Spotify-Gründer Daniel Ek. Die App-Store-Regeln würden Wettbewerb und Innovation gezielt behindern und die Auswahl für Nutzer einschränken.

Knackpunkt des seit mehreren Jahren schwelenden Konfliktes sind Apples Vorgaben für den Vertrieb digitaler Dienste im App Store: Anbieter dürfen keinen anderen Zahlungsdienstleister verwenden als Apple selbst und müssen so 30 Prozent der Einnahmen an den iPhone-Hersteller abführen (ab dem zweiten Jahr verringert sich die Provision inzwischen auf 15 Prozent). Apps ist zudem strikt untersagt, Nutzer zum Abschluss eines Abonnements auf externe Angebote wie etwa eine Webseite zu verweisen.

Spotify-Gründer Daniel Ek.

(Bild: Spotify)

"Wenn wir diese Steuer bezahlen, würde uns das zwingen, unsere Premium-Mitgliedschaft künstlich deutlich teurer zu machen als Apple Music", betonte Ek nun in einer Mitteilung. Von Apple liegt bislang keine Stellungnahme vor.

Spotify verkaufte das Premium-Abo in der Vergangenheit vorübergehend in der iPhone-App teurer als beim Direktabschluss – auch andere Anbieter reichen Apples Provision an den Kunden durch, etwa Googles YouTube.

Spotify hat Apples In-App-Bezahlschnittstelle seit längerem komplett aus der App verbannt, Nutzer müssen das Abo also direkt im Web abschließen. Mit Netflix ist jüngst ein weiterer prominenter Streaming-Anbieter von Apples Bezahlschnittstelle abgesprungen. Auch hier wird Konkurrenz erwartet: Am 25. März dürfte Apple einen eigenen Video-Streaming-Dienst vorstellen.

Spotify fordert nun, dass für alle Apps und Dienste die gleichen Regeln gelten sollten – auch für die Angebote eines Plattformbetreibers wie in diesem Fall Apple Music. Kunden müssten zudem die Wahl zwischen verschiedenen Bezahldiensten haben. Auch dürfe es App-Läden nicht erlaubt sein, die Kommunikation zwischen Diensten und Endkunden einzuschränken.

Mit einer Kampagne will Spotify weitere Aufmerksamkeit für das Thema erzielen.

Vor gut zwei Jahren beklagte der Streaming-Dienst bereits, Apple benutze die Zulassungskontrolle als "Waffe, um Konkurrenten zu schaden".

Ein Update der Spotify-App sei von Apple blockiert worden, weil man Nutzern direkt per E-Mail ein günstiges Abo angeboten habe – an Apples Bezahlschnittstelle vorbei. Spotify und andere digitale Dienste hatten sich bereits 2017 in der Angelegenheit an die EU gewendet, damals aber noch nicht mit einer formellen Beschwerde.

Gegenwind erhält Apple derzeit auch aus den USA: Die US-Senatorin Elizabeth Warren will mächtige IT-Konzerne "zerschlagen" – neben Google, Facebook und Amazon auch Apple. Der App Store müsse von Apple abgetrennt werden, hieß es. Warren ist US-Präsidentschaftsanwärterin für die Wahlen 2020. Der App Store stellt einen wichtigen Teil des Umsatzes von Apples Dienste-Sparte.

[Update 13.3.2019 13:15 Uhr] Im Play Store von Google könne Spotify alternative Bezahlwege einsetzen und zahle keine vergleichbare Abgabe, betonte Spotifys Chefjurist Horatio Gutierrez am Mittwoch. Man wolle "keine Sonderbehandlung", merkte Spotify-Chef Ek an und verwies darauf, dass Dienste wie Uber oder der Essenlieferdienst Deliveroo keine Abgaben Transaktionen in ihren jeweiligen Apps zahlen müssen – Apples Vorgaben beziehen sich nur auf digitale Dienstleistungen.

[Update 14.3.2019 15:05 Uhr] Spotify vs. Apple: Die Vorwürfe im Faktencheck. (lbe)