Spyware-Firma: Facebook an iPhone-Überwachungswerkzeug "interessiert"

Die NSO Group behauptet, Facebook habe Teile ihrer Software für die Tracking-App Onavo nutzen wollen. Der Social-Media-Riese bestätigt "eine Diskussion".

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Facebook- und WhatsApp-Anwendungen auf einem iPhone.

(Bild: dpa, Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa)

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Im Rechtsstreit zwischen Facebook und der umstrittenen israelischen Softwarefirma NSO Group um Angriffe auf die Messaging-Anwendung WhatsApp sind neue Details ans Licht gekommen. Der NSO-CEO Shalev Hulio behauptet in einer Erklärung vor einem US-Bundesbezirksgericht, Facebook-Repräsentanten hätten versucht, ein "Tool" von NSO zu kaufen, mit dem Nutzerdaten von Apple-Nutzern erfasst werden sollten.

Facebook hoffte offenbar, es in seinem VPN-Client Onavo Protect einzubauen, mit dem das Unternehmen frühzeitig Informationen erlangte, welche Apps User aktuell besonders gerne nutzen – der Vertrieb der Datensammel-Anwendung wurde von Apple später untersagt.

NSO vertreibt unter anderem eine Spyware namens Pegasus, die Regierungsorganisationen erwerben können; Facebook hatte NSO verklagt, weil damit massive Angriffe auf WhatsApp-Nutzer gefahren wurden. Facebook-Mitarbeiter hätten sich für die NSO-Technik interessiert, weil sie Probleme darin sahen, dass das Sammeln von Daten auf Apple-Geräten durch Onavo Protect "weniger effektiv" sei als auf Android-Geräten, erklärte Hulio. "Die Facebook-Repräsentanten gaben außerdem an, dass Facebook behauptete Fähigkeiten von Pegasus verwenden will, um Nutzer auf Apple-Geräten zu überwachen und bereit sei, für die Überwachung der Onavo-Protect-Nutzer zu bezahlen." Angeblich bot Facebook an, NSO eine monatliche Gebühr pro Onavo-User zu entrichten.

Facebook soll zwar nicht daran interessiert gewesen sein, Teile von Pegasus als "Hackwerkzeug" zum Einbruch in entfernte iPhones zu nutzen. Stattdessen sei es der Firma um die Geräte von Nutzern gegangen, die Onavo Protect bereits verwenden. Facebook hatte NSO im Oktober vergangenen Jahres verklagt. Die Firma habe versucht, sich über eine später geschlossene Sicherheitslücke in WhatsApp Zugriff auf Hunderte Smartphones zu verschaffen, hieß es in der Klageschrift. NSO betonte damals, das Unternehmen biete seine Dienste grundsätzlich nur Ermittlungsbehörden und Geheimdiensten an.

Facebook reagierte auf Hulios Aussage und bestätigte gegenüber Motherboard, dass es "eine Diskussion mit Leuten, die bei Facebook arbeiten" zwischen dem Unternehmen und NSO gegeben habe. Diese sei aber "falsch dargestellt worden", ebenso wie Informationen über die Spyware der Firma. "NSO versucht, von den Fakten abzulenken, die Facebook und WhatsApp vor über sechs Monaten vor Gericht eingereicht haben." Die Klage beschreibe, wie NSO für die Angriffe auf "über 100 Menschenrechtsaktivisten und Journalisten auf der ganzen Welt" verantwortlich sei. NSO-Chef Hulio habe zugegeben, dass die Firma Geräte angreifen könne, ohne dass die Nutzer dies mitbekämen und er könne sehen, "wer von Pegasus ins Visier genommen wird". Er freue sich darauf, dies vor Gericht zu beweisen und NSO zur Verantwortung zu ziehen.

In Hulios Erklärung heißt es unterdessen weiter, Facebook sei eine private Firma und kein Souverän oder eine Regierungsbehörde aus den Bereichen nationale Sicherheit oder Strafverfolgung. Deshalb habe die Firma "nicht den Kundenkriterien von NSO entsprochen". Daher habe das Unternehmen die Kaufbemühungen zurückgewiesen "und Facebook darüber informiert, dass die Pegasus-Technik nur an Regierungen lizenziert wird". (bsc)