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Terroristen-iPhone: Apple fordert politische Diskussion zu Verschlüsselung und nationaler Sicherheit

Apple hat die US-Regierung aufgefordert, die iPhone-Entsperranordnung zurückzuziehen. Stattdessen solle sich eine Kommission mit der Thematik befassen. Das FBI hat derweil die Entscheidung verteidigt, das Apple-ID-Passwort des Terroristen zurückzusetzen.

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(Bild: dpa, Monica Davey)

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Im Streit mit US-Behörden um eine iPhone-Entsperrung hat Apple nun die US-Regierung aufgefordert, die Anordnung zur Beihilfe zurückzuziehen. Apple pocht stattdessen auf eine politische Diskussion: Eine Experten-Kommission solle sich mit der Verschlüsselungsproblematik für Strafverfolgungsbehörden im Kontext nationaler Sicherheit und Datenschutz auseinandersetzen Der Konzern wolle dabei auch "gerne teilnehmen".

Apple vs. FBI: Streit über iPhone-Entsperrung

Apple soll dem FBI helfen, das iPhone eines Terroristen zu entsperren – weigert sich aber, da damit die Sicherheit aller User in Frage gestellt würde. Der Streit mit den US-Behörden schlägt hohe Wellen.

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Ein Gericht hat in der vergangenen Woche angeordnet, dass Apple der Bundespolizei FBI beim Entsperren eines iPhones des toten Attentäters helfen muss, der zusammen mit seiner Frau 14 Menschen im kalifornischen San Bernardino tötete. Apple weigert sich, der Anordnung Folge zu leisten.

In einer neuen Frage-und-Antwort-Sammlung betont der Konzern nochmals, dass es zwar technisch möglich ist, wie von der Regierung gefordert mehrere Schutzfunktionen rund um die Passcode-Sperre in iOS auszuhebeln. Dies umzusetzen, ist aber "zu gefährlich", betont Apple: Um zu garantieren, dass ein derartiges Tool, welches Brute-Force-Angriffe auf PIN- und Passcode ermöglichen wüde, “nicht missbraucht wird oder in die falschen Hände gerät”, dürfe man es gar nicht erst erstellen.

Neben der Schwächung der Sicherheit von iPhone und iPad könnte die Angelegenheit auch einen “sehr gefährlichen Präzedenzfall” schaffen: "Sollte es der Regierung denn erlaubt sein, uns auch das Erstellen von Überwachungs-Tools anzuordnen, beispielsweise zur Aufzeichnung von Gesprächen oder zum Nachverfolgen von Aufenthaltsorten", fragt Apple.

In der "digitalen Welt" sei es schließlich nicht möglich, das geforderte Tool anschließend zu zerstören, betont der iPhone-Hersteller. Ist die Technik einmal entwickelt, könne sie immer wieder für eine beliebige Zahl von Geräten benutzt werden. Selbst wenn das Unternehmen alles unternimmt, um diesen "Schlüssel" zu schützen, wäre er doch unablässigen Angriffen durch Hacker und Cyber-Kriminelle ausgesetzt. "Niemand ist immun gegen Cyber-Angriffe".

Man habe dem FBI bereits alle zu dem iPhone des Attentäters vorliegenden Daten ausgehändigt, betont Apple – darunter auch ein iCloud-Backup. Man unterstütze die Strafverfolger nach wie vor dabei, "zusätzliche Informationen" zu erlangen. Der jüngste Versuch, das Telefon zum Anlegen eines frischen Cloud-Backups zu bringen, sei gescheitert, da das Passwort der Apple ID des Attentäters unter Aufsicht des FBIs geändert wurde.

Die Behörde hat diese Maßnahme am Wochenende in einer Stellungnahme verteidigt: Das San Bernardino County – der Arbeitgeber des Attentäters – habe das Passwort in Zusammenarbeit mit den Strafverfolgern wenige Tage nach dem Anschlag zurückgesetzt, um sofort in Besitz der iCloud-Backup-Daten zu gelangen. Die direkte Extraktion der Daten von einem iOS-Gerät bringe aber "oft mehr Daten" als ein iCloud-Backup. Selbst wenn – wie von Apple vorgeschlagen – ein neues Backup gelungen wäre, sei man deshalb weiterhin an den lokal auf dem Gerät gespeicherten Informationen interessiert. (lbe)