Tödlicher Autounfall mit FaceTime: Gericht sieht keine Apple-Mitschuld

Dem Konzern wird vorgeworfen, die Videochat-Funktion im Auto nicht zu sperren und damit fahrlässig zu handeln. Ein Berufungsgericht hat die Klage abgewiesen.

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Einen Nicht-Stören-Modus fürs Auto gibt es in iOS seit 2017.

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Apple kann nach Ansicht eines US-Gerichts nicht dafür verantwortlich gemacht werden, wenn iPhone-Nutzer sich am Steuer durch Apps ablenken lassen. Ein Berufungsgericht im US-Bundesstaat Kalifornien hat nun eine Klage abgewiesen, in der dem Konzern "grobe Fahrlässigkeit" sowie eine Mitschuld an einem tödlichen Verkehrsunfall zur Last gelegt wird, weil der Unfallverursacher offenbar durch ein FaceTime-Videotelefonat abgelenkt war. Die Klage war bereits in erster Instanz gescheitert, die Kläger hatten Berufung eingelegt.

Die Kläger führen an, dass Apple um das Risiko weiß und eine Schutzfunktion patentiert hat, die Apps wie FaceTime und iMessage im Auto sperrt, das System aber nicht implementiert wurde – die verkauften iPhones seien deshalb "defekt". Bei den Klägern handelt es sich um eine Familie, deren Mitglieder durch einen Unfall schwer verletzt wurden, die fünfjährige Tochter kam zu Tode. Der Unfallverursacher war Ende 2014 in ein Stauende gerast und dabei auf das Auto der Kläger aufgefahren. Die Polizei hatte das iPhone des Fahrers noch mit laufender FaceTime-App vorgefunden, heißt es in den Gerichtsunterlagen.

Das Verhalten des Unfallverursachers – die Nutzung von FaceTime "bei Autobahngeschwindigkeit" – habe die Familie in unmittelbare Gefahr gebracht, betont das Gericht in der Begründung. Apple habe "nichts getan", dass das "rücksichtslose Fahrverhalten" veranlasst hätte. Hinzu kommt, dass der Vorwurf der groben Fahrlässigkeit nicht greife, da Apple gegenüber der Familie keine "Sorgfaltspflicht" trägt, wie die BBC aus dem Urteil zitiert.

Ein im Jahr 2008 durch den iPhone-Hersteller eingereichtes und 2014 schließlich erteiltes Patent beschreibt eine App-Sperrfunktion für Fahrer, die Unfälle durch Ablenkung am Steuer verhindern soll. Die Technik könne bestimmte iPhone-Funktionen automatisch abschalten, sobald sie eine Fortbewegung per Auto erkennt. Eine zusätzliche Bildüberprüfung der Umgebung stelle sicher, dass dies nur für den Fahrer gilt, führt Apple in der Patentschrift an. Mit iOS 11 hat der Apple den Nicht-Stören-Modus erweitert, um Benachrichtigungen im Auto zu unterbinden – die Sperre ist aber optional und lässt sich jederzeit abschalten.

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(lbe)