Twitter-Herausforderer App.net schafft Finanzierungsziel

Über 500.000 Dollar sammelte die Plattform von zukünftigen Nutzern – und will damit ein Soziales Netzwerk aufbauen, das sein Geld nicht durch Werbung verdienen muss.

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Von
  • dpa

Die soziale Plattform App.net, die Twitter und Facebook mit einem Abo-Dienst herausfordern will, hat die erste Hürde genommen. Das Projekt erreichte sein Finanzierungsziel von 500.000 Dollar, das künftige Nutzer und Entwickler vorlegten. App.net-Mitgründer Dalton Caldwell verspricht, mit Hilfe der jährlichen Abo-Gebühr von 50 Dollar einen Dienst aufzubauen, bei dem nur die Nutzer und nicht die Werbekunden im Mittelpunkt stehen. Eine erste Demo-Version der Plattform erinnert an den Kurzmitteilungsdienst Twitter. Dritt-Entwickler arbeiten bereits an nativen iOS-Apps zur Nutzung des Dienstes.

Die Web-Oberfläche der Alpha-Version von App.net

Die Gründer der Plattform hatten sich an die Nutzer mit dem Aufruf gewandt, innerhalb weniger Wochen 500000 Dollar für den Aufbau von App.net zusammenzubringen. Die Zusagen kamen zunächst nur schleppend in Gang, am Sonntag war das Ziel jedoch knapp zwei Tage vor Ablauf der selbst gesetzten Frist erreicht. Bis Montagmittag kamen knapp 670000 Dollar von über 10.000 Unterstützern zusammen.

Die App.net-Gründer boten drei verschiedene Tarife an. Für 50 Dollar bekam man eine Jahresmitgliedschaft und konnte sich vorab seinen Wunschnamen auf der Plattform sichern. Für diese Option entschieden sich rund 8000 Geldgeber. Für 100 Dollar gab es ein Softwareentwickler-Paket mit Zugang zu der nötigen Infrastruktur. Und schließlich konnten sich Entwickler für 1000 Dollar eine Sonderbehandlung inklusive einer Telefon-Hotline und eines Treffens mit Caldwell in San Francisco sichern.

Heutige große soziale Dienste wie Twitter oder Facebook mit ihren Hunderten Millionen Nutzern sind kostenlos, müssen sich aber über Werbung finanzieren. Facebook wird auch daher von Datenschützern und Politikern ein zu lascher Umgang mit Nutzerdaten vorgeworfen. Twitter versucht gerade eine Gratwanderung, um Werbeanzeigen in den Dienst einzubringen, aber zugleich die Nutzer nicht damit zu überlasten. Zudem stoßen dadurch die Interessen der Unternehmen und der Software-Entwickler, die ihre Apps auf deren Plattform anbieten, immer wieder aneinander.

Caldwell bekam zum Start der Finanzierungsrunde mit einem offenen Brief an Facebook-Gründer Mark Zuckerberg zusätzliche Aufmerksamkeit. Dort warf er Facebook-Managern vor, ihn zum Verkauf eines seiner früheren Projekte zu drängen, weil es in Konkurrenz zu eigenen Diensten des Online-Netzwerk gestanden hätte. "Du hast ein Geschäft aufgebaut, das finanzielle Motive verfolgt, die nicht im Einklang mit den Interessen von Nutzern und Entwicklern sind", schrieb Caldwell an den Facebook-Gründer.

App.net ist nicht das erste von Nutzern finanzierte Projekt, das ein besseres Online-Netzwerk aufbauen will. So sorgte eine Gruppe von US-Studenten mit dem Dienst Diaspora für Aufsehen, der mit Spenden funktionieren soll. Das auf einer offenen Plattform basierende Netzwerk ist jedoch im Vergleich zu den großen Rivalen bisher sehr klein geblieben. Die Diaspora-Gründer bekamen 2010 zwar statt der angestrebten 10 000 Dollar Anschubfinanzierung ganze 200 000 Dollar zusammen, mussten im vergangenen Herbst aber um neue Spenden bitten. (lbe)