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Vorwurf der Zensurbeihilfe: Apple verteidigt VPN-App-Rauswürfe in China

Apples fortgesetzte Präsenz in China fördere Offenheit und freien Informationsfluss, betonte der Konzern – auch wenn man mit bestimmten Gesetzen nicht einverstanden sei. Auf Anweisung der Regierung wurden 674 VPN-Apps aus dem App Store entfernt.

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Weihnachtsquartal Apple

(Bild: dpa, Adrian Bradshaw)

Apple ändert die Haltung zu Zensurmaßnahmen der chinesischen Regierung nicht: Man könne Grundrechte nur fördern, indem man weiter in dem jeweiligen Markt präsent ist, betonte der iPhone-Hersteller in einem Antwortschreiben an zwei US-Senatoren, die sich besorgt über den Rauswurf von VPN-Apps aus dem chinesischen App Store gezeigt hatten.

Der App Store ermögliche “menschliche Ausdrucksfomen, Bildung, künstlerische Freiheit und ökonomische Chancen”, argumentierte Apple, deshalb sei es wichtig, weiter in China präsent zu sein – auch wenn man mit einzelnen Gesetzen nicht verstanden ist.

Apple hat auf Anweisung der chinesischen Regierung insgesamt 674 VPN-Apps aus dem App Store entfernt – dem zentralen und praktisch einzigen Bezugskanal von Software für iPhone und iPad. Man habe die Anweisung juristisch angefochten, habe dieser aber schließlich doch Folge leisten müssen, betont der Konzern. Die Apps verstießen gegen spezifische Gesetze, die Anbietern von VPN-Diensten das Einholen einer Erlaubnis beim chinesischen IT-Ministerium auferlegt.

Im Zeitraum 2016 bis 2017 wurden außerdem 334 VPN-Apps ohne Aufforderung der chinesischen Regierung aus dem App Store geworfen – und zwar global, schreibt Apple weiter, da diese Apps den eigenen Vorgaben nicht entsprachen.

In dem Antwortschreiben verweist das Unternehmen nochmals auf die Rechtfertigung von Apple-Chef Tim Cook, der bereits vor Analysten erklärt hatte, man sei über die Maßnahme nicht glücklich, aber befolge eben die lokalen Gesetze. Der Rauswurf der VPN-Apps hatte Apple erhebliche Kritik eingebracht. Inzwischen wurde bekannt, dass das Unternehmen auch VoIP-Apps in China aus dem App Store entfernt hat, darunter Skype.

China zählt zu Apples wichtigsten Märkten, der nach Ansicht von Apple-Chef Tim Cook eines Tages sogar größer als der Heimatmarkt USA werden könnte. Derzeit ist China Apples drittgrößter Markt hinter Amerika und Europa – und wieder auf Wachstumskurs: Der Umsatz dort stieg in den drei Monaten des letzten Quartals um 12 Prozent auf 9,8 Milliarden Dollar. (lbe)