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WWDC 2016: iOS 10 mit Gesichtserkennung und umfassenderen Siri-Funktionen

iOS 10 ist "das bislang größte iOS-Update für unsere Nutzer", betonte Apples Software-Chef Craig Federighi am Montagabend – und präsentierte zehn neue Funktionen.

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iOS 10

iMessage wird zur Plattform und steht damit Dritt-Entwicklern offen.

(Bild: Apple)

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Apple überarbeitet mit iOS 10 den Lockscreen auf iPhone und iPad, wie Software-Chef Craig Federighi auf der Entwicklerkonferenz WWDC ankündigte (siehe im Nachgang dazu auch den Mac & i-Liveticker und den Video-Kommentar von heise online). Sobald der Nutzer das iPhone hebt, wacht es automatisch auf ("raise to wake") und zeigt neue Nachrichten an. Diese transportieren in iOS 10 erstmals auch ausführlichere Informationen, Videos etwa.

3D Touch erlaubt auf dem druckempfindlichen Bildschirm des iPhone 6s und 6s Plus eine direkte Reaktion auf eine Benachrichtigung, etwa das Annehmen einer Kalendereinladung oder das Beantworten einer Nachricht. Insgesamt ist 3D Touch in iOS 10 umfassender integriert, auch in Lock- und Homescreen.

Das Unternehmen öffnet außerdem das Sprachassistenzsystem Siri für Entwickler: Nutzer erhalten dadurch die Möglichkeit, beispielsweise mit ihrem bevorzugten Messenger eine Nachricht zu diktieren und zu verschicken – statt auf iMessage begrenzt zu bleiben. Taxi-Dienste wie Uber sollen ebenfalls auf Siri setzen, ebenso wie eine Fotosuche und Funktionen für Workouts in Fitness-Apps, die Federighi als weitere Beispiele aufführte.

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Die in iOS integrierten Assistenzfunktionen ergänzen die Tastatur von iOS 10 außerdem um "intelligente Vorschläge" und schlagen in Textkonversationen beispielsweise relevante Informationen wie Kontaktdaten oder einen Kalendereintrag vor. Auch das Tippen in verschiedenen Sprachen soll mit iOS 10 unterstützt werden.

Die integrierte Fotos-App erkennt künftig Gesichter. Dies erfolge ausschließlich lokal auf dem iPhone, betonte Federighi mehrfach, um Bedenken wegen Datenschutzverletzungen zu zerstreuen. Objekte und Szenerien sollen von der Fotos-App ebenfalls ermittelt werden und erlauben dadurch eine deutlich umfassendere Suche nach spezifischen Fotos; auch diese Bilderanalyse erfolge rein lokal. Eine neue Memories-Funktion soll Ereignisse automatisch sammeln und die Bilder gemeinsam mit den beteiligten Personen und Orten darstellen.

Apple Maps respektive "Karten" liefert in iOS 10 auf Wunsch Ortsvorschläge und umfasst eine überarbeitete Navigationsansicht, die die Perspektive dynamischer anpasst. Außerdem ist künftig die Suche entlang einer Route möglich, etwa nach interessanten Orten.

Dritt-Entwickler können Dienste zudem in den Kartendienst integrieren, etwa zur Bestellung eines Tisches im Restaurant oder zur Bestellung eines Taxis. Diese Neuerungen der Karten-App fließen auch in CarPlay ein und stehen damit auf dem Infotainmentsystem in Autos zur Verfügung.

Die neuen iOS-Features in Bildern (20 Bilder)

Erste Neuerung: Der iOS-Sperrbildschirm wird interaktiver. Nachrichten können direkt beantwortet, Videos abgespielt werden.

Die vorinstallierten Apps Musik und News hat Apple ebenfalls ausgebaut. Die Nachrichten-App unterstützt in Zukunft auch den Vertrieb von Zeitschriften-Abonnements. (Zur Deutschland-Verfügbarkeit von News hat Apple weiterhin nichts verlauten lassen.) iOS 10 erhält außerdem eine zentrale App zur Steuerung von HomeKit-Heimelektronik. Bislang mussten Nutzer die Hersteller-Apps verwenden, die alles andere als einheitlich waren – und auch nicht so leicht zu bedienen wie "Home". Darin festgelegte Steuerelemente sind auch über das erweiterte iOS-Kontrollzentrum verfügbar.

Eine neue VoIP-API integriert Telefondienste von Messaging-Apps wie WhatsApp besser: Der Anrufer erscheint dann in groß auf dem Lockscreen – eine Funktion, die bislang dem klassischen Telefonanruf und Apples Facetime vorbehalten war – statt nur als schlichte Benachrichtigung. Dritt-Anbieter können zudem Informationen zu Telefon-Spam liefern. Inwiefern dies international unterstützt wird, bleibt noch offen. Der Anrufbeantworter soll Sprachnachrichten außerdem transkribieren.

Die nach Neuerungen in iOS 8 weitestgehend vernachlässige Nachrichten-App erhält zahlreiche neue Funktionen. Es sei die am meisten benutzte App in iOS, erklärte Apples Software-Chef, dementsprechend bekam sie einen Großteil der Aufmerksamkeit des Apple-Teams ab. Die App zeigt in iOS 10 unter anderem eine Live-Vorschau auf Links, bietet Emoji-Vorschläge und schlägt für getippte Wörter automatisch das passende Emoji – durch Antippen wird der Text damit ersetzt. Die Sprechblasen werden um Effekte erweitert, um diese persönlicher zu gestalten, auch handgeschrieben Nachrichten sind möglich.

Apple will iMessage dabei in Anlehnung an andere Messaging-Dienste wie Facebooks Messenger zur Plattform machen, die Dritt-Apps die Möglichkeit zur Integration bieten – etwa um Bezahldienste anzubieten oder Sticker. Ein eigener App Store für iMessage soll die kleinen Erweiterungen zur Installation anbieten. Eine Android-Version von Messages bleibt bislang nicht mehr als ein Gerücht.

Zu den weiteren für iOS 10 geplanten Verbesserungen gehört die Möglichkeit, Notizen gemeinsam zu bearbeiten, eine Konversationsansicht für E-Mails sowie Bearbeitungsfunktion für Live-Fotos. Auf dem iPad können Nutzer künftig die geteilte Ansicht dafür nutzen, um zwei Webseiten mit Safari nebeneinander darzustellen – bislang ist dies nicht ohne Umwege über Dritt-Apps möglich. Der Wecker erinnert wahlweise statt nur ans Aufstehen auch an eine festgelegte Schlafenszeit.

iOS 10 erscheint in finaler Fassung im Herbst. Für Entwickler will Apple noch am Montag eine erste Vorabversion veröffentlichen, die öffentliche Beta folgt dann im Juli.

[Update 13.06.2016 22:10 Uhr] Auf bestimmter älterer Hardware läuft iOS 10 nicht mehr, darunter das iPhone 4s sowie das iPad 3. Wie Entwickler berichten erlaubt das Betriebssystem erstmals das Löschen von vorinstallierten Apple-Apps, darunter neben kleinen Apps wie Aktien auch solche wie die Mail-App.

In iOS 10 setzt Apple auf eine Technik namens "Differential Privacy", die das Nutzungsverhalten einer großen Anzahl von Anwendern herausfinden soll "ohne dabei den individuellen Datenschutz zu kompromittieren." Sie soll künftig die QuickType- und Emoji-, sowie Spotlight Deep-Link-Vorschläge und Lookup-Hinweise in Notizen verbessern, so der Hersteller. (lbe)