Warten auf Renault: EA veröffentlicht Real Racing 3

Mit einer 180-Grad-Wende steuert Electronic Arts die bislang technisch anspruchsvolle und erfolgreiche Rennserie Real Racing in Free-to-Play-Gefilde. Dort nimmt man das Wort "Wartung" leider allzu wörtlich.

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Von
  • Hartmut Gieselmann

Technisch ist der Vorgänger "Real Racing 2" auch noch heute ein Schmankerl: Mit Airplay-Ausgabe und Mehrspieler-Splitscreen-Rennen zeigt er vielen anderen mobilen Rennspielen den Auspuff. Kein Wunder, dass der am heutigen Donnerstag für iPhone, iPad und Android erscheinende Nachfolger Real Racing 3 zu den am meisten erwarteten Spiele-Apps gehört, für den Fans ihre Kreditkarte ohne Murren gezückt hätten. Wenn, ja wenn Electronic Arts Real Racing nicht zu einem Free-to-Play-Spiel umgewandelt hätte und gratis verteilen würde. Doch das vermeintliche Geschenk ist vergiftet.

Wer nicht warten will, muss zahlen, oder die Uhr seines Smartphones oder Tablets vorstellen.

Spieler können zwar kostenlos mit einem Wagen loslegen, doch von Rennen zu Rennen nagt der Verschleiß an der Karre. Nach gut vier Wettbewerben ist der erste Ölwechsel dran, nach weiteren drei ein Satz neuer Reifen. Die Wartungen kosten aber nicht nur Spielgeld, von dem man bei den Rennen eigentlich genug verdient, sondern auch Zeit. Ein Ölwechsel dauert reale 15 Minuten, der Austausch des Motorblocks gar eine Stunde. Wer anfangs nur einen Wagen hat, muss pausieren, oder für virtuelle Goldmünzen die Wartezeiten beenden. Gold verdient man jedoch deutlich schwieriger, gerade einmal drei Münzen bekommt man bei einem Level-Aufstieg als Fahrer. Also soll man nach dem Willen EAs den echten Geldbeutel zücken, um virtuelles Gold zu kaufen, zehn Münzen zu 1,79 Euro, wer gleich zu Tausend greift, muss 90 Euro berappen. Wohl dem, der die In-App-Käufe deaktiviert, bevor er sein Tablet oder Smartphone unbedacht seinen Kindern überlässt. Es ist ein Fass ohne Boden, weil man nie die Reparaturzeiten ein für allemal ausschalten kann. Was hilft, ist ein großer Fuhrpark, in dem immer einige Wagen frisch gewartet bereit stehen. Wer seine Freunde auf Facebook mit Real-Racing-Werbung nervt, verdient sich ebenfalls ein paar virtuelle Heller.

Doch man kann die künstlichen Warteschleifen austricksen. In der aktuellen Version 1.02 (vorab wurde das Spiel in Australien und Neuseeland als quasi öffentlicher Betatest veröffentlicht) reicht es, wenn man bei einer Reparatur Real Racing beendet, die Internet-Verbindung kappt, das Datum (oder die Uhrzeit) voraus stellt, Real Racing wieder startet, die Reparaturmeldung abwartet, beendet und anschließend wieder das Datum zurückstellt. Real Racing meckert nicht und lässt den Spieler weiter spielen. Jedoch gut möglich, das EA diesen allzu simplen Trick mit einem Update vereitelt.

Hübsch ist sie, die Grafik. Doch in Real Racing 3 dreht man nur einsam seine Runden gegen künstlich gesteuerte Duplikate realer Fahrer.

Ach ja: Wie sieht's denn aus? Grafisch haben die Autos tatsächlich noch einmal eine Feinpolitur bekommen. Auch das Fahrmodell und die Strecken (bislang haben wir rund ein Dutzend ausmachen können) überzeugen. Doch kann man in Real Racing 3 unter iOS weder per Airplay über Apple TV am großen Fernseher fahren, noch direkt gegen Mitspieler antreten -- sehr enttäuschend. Einzig asynchrone Wettfahrten sind möglich, bei denen die KI die Zeiten realer Fahrer übernimmt und gegen den Spieler antritt. Das ist bislang noch unausgewogen, mal fährt man dem Feld davon, mal landet man nur unter ferner liefen.

Immerhin: Real Racing 3 hat ein Schadensmodell. Nach beendigtem Rennen stehen diverse Reparaturen an. Die sind, gemessen am Preisgeld, aber vergleichsweise billig und kosten keine Zeit. Da kann man getrost die Bremshilfen ausschalten, mit Karacho in die Kurven düsen und die übrigen Autos als Prellbock missbrauchen. Die Rennen sind kurz und meist nach ein bis zwei Runden wieder vorbei. Das gewonnene Spielgeld steckt man besser nicht in Tuning-Teile oder schnellere Autos aus derselben Serie, sondern in Fahrzeuge, mit denen man an anderen Wettbewerben teilnehmen kann. 26 Serien mit jeweils über 30 Einzelrennen stehen zur Wahl und wollen freigespielt werden. Zu den Automarken gehören Nissan, Audi, Porsche und Lamborghini. Nur Renault taucht ebensowenig auf wie Godot. (hag)