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Zensur in China: Nicht nur Apple kompromissbereit

Weil es die Zensoren so wollen, hat Apple die App der "New York Times" in China gelöscht. Mit seiner Kompromissbereitschaft gegenüber Peking ist der iPhone-Konzern in bester Gesellschaft.

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"Keine Ergebnisse gefunden." Nur diesen Satz und eine graue Lupe bekommen Apple-Kunden in China noch zu sehen, wenn sie in diesen Tagen versuchen, sich die Nachrichten-App der New York Times auf ihr iPhone oder iPad zu laden. Sowohl die englischsprachige als auch die chinesische Version der US-Zeitung sind aus dem App-Store in China verschwunden.

An technischen Problemen liegt das nicht. Das Angebot sei entfernt worden, weil es gegen "lokale Regularien" verstoße, hatte Apple mitgeteilt, nachdem der Fall vergangene Woche an die Öffentlichkeit geraten war.

Schon vor vier Jahren haben Chinas Zensoren die Website der New York Times wegen ihrer kritischen Berichterstattung geblockt. Nun ist auch die App dran. Und Apple gehorcht Peking – scheinbar ohne lange zu zögern, wobei niemand weiß, wie die Gespräche in der Praxis liefen, denn dazu drang nichts durch.

In den USA hat sich der iPhone-Produzent dagegen schon oft erfolgreich und öffentlichkeitswirksam gegen heimische Behörden zur Wehr gesetzt. Etwa, als Apple dabei helfen sollte, iPhones von Attentätern zu entschlüsseln. Apple warnte, ein solcher Präzedenzfall könnte die Tür für eine weitreichende Überwachung öffnen. Diese Wehrhaftigkeit lassen die Kalifornier gegenüber Peking nun vermissen – und sind damit in bester Gesellschaft anderer Hightech-Konzerne aus dem Ausland.

"Durch die Zensurmaßnahme schadet Apple vermutlich seinem Ruf, aber offenbar ist dem Unternehmen der Zugang zum chinesischen Markt so wichtig, dass es dies in Kauf nimmt", sagt Mareike Ohlberg vom China-Institut Merics in Berlin. Apple steht auf seinem zweitwichtigsten Markt China schon länger unter Druck. Die Umsätze gehen zurück und lokale Smartphone-Hersteller konkurrieren um Marktanteile. Zusätzlichem Ärger mit der Regierung will der Konzern lieber aus dem Weg gehen.

Nicht nur nachgiebig, sondern offensiv-charmant gibt sich der Webgigant Facebook gegenüber Peking. Das Social-Media-Portal ist zwar genau wie Twitter in China gesperrt. Doch Facebook-Chef Mark Zuckerberg würde das gerne ändern. Im Schnellverfahren lernte der 32-Jährige sogar Mandarin. Ende vergangenen Jahres sorgten Berichte für Wirbel, wonach Facebook an einer Zensur-Software arbeite, mit denen chinesische Stellen politisch unliebsame Inhalte unterdrücken können, sollte Facebook in China wieder zugelassen werden.

Neu ist diese Idee nicht. Ähnlich hatte sich schon Microsoft vor Jahren den Verbleib in der Volksrepublik gesichert. Während Google Zensur ablehnte und sich aus China zurückzog, arbeitet Microsoft mit den Behörden zusammen und eliminiert politisch sensible Inhalte aus seiner Suchmaschine Bing. Microsoft-Gründer Bill Gates nannte die Beschränkungen "sehr begrenzt". Überhaupt sei die "Große Firewall", wie das Bollwerk in Anlehnung an die Chinesische Mauer (Great Wall) genannt wird, leicht zu umgehen. Die unerwartete Steilvorlage wurde in China dankbar angenommen. "Bill Gates spielt für China", titelte die englischsprachige Zeitung "Global Times" damals.

Abgesehen von Kompromissen, die Unternehmen wie Apple und Facebook in China eingehen müssen, gebe es noch eine weitere Gefahr, warnt Merics-Expertin Ohlberg: Der Druck von Seiten der chinesischen Regierung könnte bewirken, dass Firmen sich nicht nur in China, sondern weltweit stärker selbst zensieren, um die Gunst Pekings nicht zu verlieren. (Jörn Petring, dpa) / (bsc)