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Zu Besuch auf dem Ku'damm: Der Apple-Store in Berlin [3. Update]

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Der Taxifahrer kann mit dem Begriff "Apple-Store" noch nichts anfangen und findet das frisch fertig gestellte Ladengeschäft nur mit Hilfe seines Navigationsgeräts. Das dürfte sich bald ändern.

Noch riecht alles neu und sieht ungewohnt aus, so leer. Die Sichtschutzplane wurde erst kürzlich entfernt, die Security steht vor den Türen. Am Vortag durften nur Medienvertreter rein.

Eine Warteschlange mit tausenden Menschen wird am heutigen Freitag erwartet, denn um 17 Uhr eröffnet der nunmehr größte Apple-Store in Deutschland offiziell. Die ersten 4500 Besucher bekommen ein T-Shirt geschenkt.

Das Gebäude, die ehemalige Filmbühne Wien am Kurfürstendamm 26, wurde vor hundert Jahren im Stil des Wilhelminischen Klassizismus gebaut, doch das Kino musste 2000 wegen Besuchermangels schließen. 2011 begann Apple mit dem aufwendigen Umbau, der wegen Problemen in der Substanz des denkmalgeschützten Altbaus länger dauerte als geplant.

Apple Store Berlin (14 Bilder)

Der alte, acht Meter hohe Kinosaal steht für Präsentationen und kostenlose Workshops zur Verfügung.

Der acht Meter hohe ehemalige Kinosaal im Obergeschoss wurde mit einer Bühne und modernster Licht- und Sound-Technik ausgestattet. Der Raum fasst mehr als 200 Store-Besucher und ist der größte seiner Art weltweit. Apple will ihn für Präsentationen und Gratis-Workshops nutzen, die etwa drei bis vier Mal pro Monat geplant sind, zu Themen wie Musikproduktion oder Videoschnitt mit dem Mac. Gelegentlich soll es auch ein kostenloses Konzert geben, das dann wie von anderen Apple-Stores auch via iTunes live im Internet übertragen wird. Den Auftakt macht am kommenden Samstag der Folk-Pop-Sänger Passenger (ausgebucht). Am Montag den 6. Mai gibt es ein "Meet the Director" mit Jan-Ole Gerster, dem Regisseur des erfolgreichen Kinofilms "Oh Boy", und seinem Hauptdarsteller Tom Schilling (Reservierungen noch möglich). Live-Übertragungen von Apple-Keynotes sind vorerst nicht geplant.

Auch das "Briefing Center" ist das größte seiner Art, hier sollen sich Gruppen zu Schulungen anmelden können, beispielsweise Firmenvertreter zum Thema "Apple im Business". Den Nachwuchs will Apple schon früh binden: Ganze Schulklassen sollen im Apple-Store kostenlose Einführungen bekommen etwa zu iPhoto oder iMovie, Mac OS oder iOS.

Ob auch der Verkaufsraum selbst der größte in Deutschland ist oder von dem in Hamburgs Jungfernstieg möglicherweise noch übertroffen wird, welcher über zwei Etagen geht, war nicht zu erfahren. Insgesamt nimmt die Ladenfläche angeblich mehr als 5000 Quadratmeter ein, alles zusammengerechnet. An welcher Position in der Rangfolge der größten Apple-Stores der in Berlin steht, verrät Apple nicht. "Wir denken nicht in solchen Kategorien. Jeder Apple-Store ist großartig", weicht Steve Cano, der eigens aus Cupertino angereiste Senior Vice President Retail, gegenüber Mac & i aus. Mit über 200 Angestellten arbeiten in Berlin mehr als in jeder anderen deutschen Apple-Filiale. Die Verkäufer sind ehemalige Lehrer, Künstler und Musiker, die in den anderen Apple-Stores in Deutschland, manche auch in Cupertino ausgebildet wurden, "bis zu ein Jahr lang".

Der Berliner Apple-Store ist Nummer 11 in Deutschland, Nummer 81 in Europa und Nummer 406 auf der Welt. Das Innenleben mit großen Holztischen und bunten Bildern an den Wänden ähnelt dem anderer Filialen. Die Architekten haben großen Wert auf Details gelegt. Der Marmorboden wurde importiert aus Italien, die Innenwände mit dem gleichen Sandstein verkleidet, aus dem einst auch das Kino erbaut wurde. Dass die Tische aus deutscher Eiche gefertigt sind, wurde gleich mehrfach betont. Eine Glastreppe gibt es nicht, sie würde aber auch weniger ins Umfeld passen als die mit rotem Teppich belegten Steinstufen und die Verzierungen am Geländer, die noch aus den alten Zeiten stammen dürften, ebenso wie die beiden dicken Kronleuchter im Besprechungsraum.

Mehr als 250 Apple-Produkte stehen zum Ausprobieren bereit, alle Mac-Modelle, iPhones, iPads und iPods, manche extra an kleinen Tischen für Kinder. In einem separaten Raum gibt es ausschließlich Zubehör wie Taschen und Gehäuse, Kopfhörer, Lautsprecher oder Fitness-Armbänder. Software findet man weiterhin nicht; die gibt es seit zwei Jahren konsequent in keinem Apple-Store mehr, sondern nur noch zum Download im Mac App Store.

Besonders stolz ist Apple auf seine "Genius Bar", die anders als in anderen deutschen Filialen nicht als Tresen an der Wand, sondern mitten im Geschäft angeordnet ist. Die Apple-Experten stehen Schulter an Schulter neben den Kunden, um Fragen zu beantworten und bei Problemen zu helfen. "Bei anderen Unternehmen hört die Verbindung zu den Kunden auf, wenn die ein Produkt kaufen. Bei uns beginnt die Verbindung dann erst", sagt Cano. Mitarbeiter helfen nicht nur beim Einrichten, sondern bieten kostenlose Unterstützung zu jedem Apple-Gerät – "egal, wo es gekauft wurde".

Gegen eine Jahresgebühr von 99 Euro können Kunden, die im Apple-Store oder Apple-Online-Store einen Mac kaufen, obendrein das Supportprogramm "One to One" mit weiter gehenden Trainingseinheiten buchen. Apple wirbt: "Wir erstellen zusammen mit dir einen Plan, der auf deine Lernziele, deinen Lernstil und deinen Wissensstand zugeschnitten ist" und: "Bis zu eine Stunde lang kannst du ungestört und ganz allein mit einem Trainer arbeiten."

Apple-Store-Eröffnung (12 Bilder)

Am Freitag kurz vor 8 Uhr warten die ersten Fans auf die Eröffnung. (Bild: Christoph Dernbach)

Die Läden sind eine wichtige Größe in Apples Geschäftsmodell geworden, im Geschäftsjahr 2012 spülten sie einen Umsatz von 18,8 Milliarden Dollar in die Kassen. Früher oder später dürfte in jeder größeren deutschen Stadt ein Apple-Store stehen. Während das Konzept anfangs von vielen Mitbewerbern verspottet wurde, ahmen es heute Microsoft, Google, Samsung & Co. nach.

Diese Meldung wird im Laufe des Tages gegebenenfalls weiter aktualisiert.

[Update 3, 3.5.13, 19:50 Uhr: zweite Bildergalerie erneut erweitert] (se)