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Zu viel Helium legt iOS-Geräte lahm

In einer MRT-Praxis musste bei einer Wartung das Edelgas aus einem Medizingerät abgelassen werden. iPhones reagierten allergisch – Android-Geräte nicht.

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Zu viel Helium legt iOS-Geräte lahm

Ein Kernspin-Gerät, hier von Philips.

In den USA kam es zu einem mysteriösen Fall von iOS-Geräteausfällen in einer Praxis für Kernspintomographie (auch Magnetresonanztomographie oder MRT genannt). Die Anlage am Morris Hospital in Illinois wurde Anfang Oktober durch ein neues Modell ersetzt und dabei eine größere Menge an flüssigem Helium freigesetzt, das eigentlich zur Kühlung der bildgebenden Maschinen dient. Wie ein Administrator auf Reddit berichtete, funktionierten plötzlich einige iPhones in dem Gebäude nicht mehr, während Android-Handys weiterhin arbeiteten.

Wie mittlerweile herauskam, wurde durch die rund 120 Liter flüssigen Heliums, die dann in 90.000 Liter Edelgas übergingen, offenbar die MEMS-Oszillatoren tangiert. Ohne den Taktgeber arbeiten die Geräte nicht mehr korrekt. Apple setzt hier offenbar aufgrund der geringeren Baugröße auf MEMS-Einheiten wie dem SiTime SIT1532. Android-Handys verwenden hingegen zumeist Quartz-Oszillatoren, denen Helium nichts anhaben kann.

Wie der Reparaturdienstleister iFixIt erläutert, sind iPhones quasi "allergisch" gegenüber Helium. Die meisten betroffenen Geräte in der MRT-Praxis in Illinois funktionierten gar nicht mehr, auch ein Aufladen ging nicht mehr. Andere hatten Probleme, LTE- und UMTS-Verbindungen aufzunehmen, während WLAN funktionierte. Betroffen waren teilweise auch Apple-Watch-Geräte.

Tatsächlich weiß Apple selbst über die Problematik Bescheid. Der Konzern schreibt dies in seinem Benutzerführer für das iPhone. Verdunstende Flüssiggase wie Helium sollten nicht in der Nähe des iPhones vorkommen, heißt es dort, um Schäden oder Funktionsausfälle zu vermeiden. Allerdings sind die Geräte nicht komplett kaputt – zumindest meistens, beruhigt Apple.

Lassen sie sich nicht mehr einschalten, sollte man sie zunächst eine Woche gut durchlüften – ohne angeschlossenes Ladekabel. Dann soll das Helium abgezogen sein; zudem sollte sich der Akku komplett entladen. Danach ist ein Anschluss an die Stromversorgung mit einem Aufladen innerhalb einer Stunde möglich und das Gerät sollte sich wieder einschalten lassen. iFixIt hat unter anderem ein iPhone 8 ausprobiert – es überlebte vier Minuten in einer Helium-Atmosphäre, bevor es sich komplett abschaltete. (bsc)