Zugriff auf verschlüsselte iPhones: Fifty-Fifty-Chance für US-Strafverfolger

Fast die Hälfte der US-Durchsuchungsbeschlüsse für iPhone-Inhalte ließ sich 2019 nicht umsetzen, wie die erste öffentliche Datensammlung zeigt.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 19 Beiträge
iPhone wird entsperrt

Die iPhone-Verschlüsselung ist an Gerätecode respektive PIN / Passwort geknüpft.

(Bild: dpa, Michael Kappeler/dpa)

Von
  • Leo Becker

Der Zugriff auf verschlüsselte iPhone-Daten bleibt für US-Strafverfolger offenbar ein Problem: In knapp der Hälfte der Fälle stufen Ermittler einen Durchsuchungsbeschluss als nicht ausführbar ein, wie aus einer ersten Datenerhebung hervorgeht. Trotz spezieller Entsperr-Tools und Forensik-Software kann das Auslesen der Daten etwa daran scheitern, dass der Besitzer einen längeren Gerätecode festgelegt hat oder das iPhone beschädigt wurde.

Auch als "ausgeführt" markierte Durchsuchungsbeschlüsse für iPhone-Daten bedeuten nicht in jedem Fall, dass das Gerät geknackt wurde: Teils stimmte etwa der Besitzer der Durchsuchung zu und gab seinen Gerätecode selbst preis, teils wurde das beschlagnahmte iPhone an spezialisierte Einrichtungen weitergegeben, wie aus einer vom Magazin Motherboard angelegten Datenbank hervorgeht – ob hier letztlich ein Datenzugriff möglich war, bleibt offen.

Die Situation bei der iPhone-Entsperrung sei "fließend", mal ist es den Gerichtsunterlagen zufolge eine Zeit lang möglich, Geräte zu öffnen, dann wieder nicht – Apple schließt regelmäßig Schwachstellen mit Software-Updates für iOS, die gewöhnlich zügig eingespielt werden. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen damit begonnen, auch für bestimmte ältere iPhone-Modelle weiterhin Sicherheits-Updates bereitzustellen.

Die Erhebung umfasst 516 aus Gerichtsunterlagen zusammengetragene US-Durchsuchungsbeschlüsse für iPhones im Jahr 2019, 295 davon tragen den Vermerk "ausgeführt" (executed). Es ist der erste derartige Datensatz, der öffentlich vorliegt. Er enthält allerdings nur Durchsuchungsbeschlüsse auf Bundesebene etwa zu Drogen- und Waffenhandel, Menschenschmuggel, Betrug und Kindesmissbrauch, Daten zu iPhone-Entsperrungen durch lokale US-Behörden sind darin also nicht berücksichtigt. Auch könne man nicht garantieren, dass alle iPhone-Durchsuchungsbeschlüsse des vergangenen Jahres erfasst wurden, weil diese nicht immer eindeutig klassifiziert und deshalb teils nur schwer zu finden sind, wie das Magazin einschränkt.

US-Behörden haben ihr Vorgehen gegen die Vollverschlüsselung von Smartphones seit Jahresanfang wieder deutlich verstärkt – im Fokus steht erneut Apple: Der iPhone-Hersteller müsse bei der Entsperrung zweier Geräte eines Terroristen helfen, hieß es vonseiten des FBI sowie der Regierung Trump. Im Unterschied zu 2016 hat die US-Bundespolizei bislang allerdings nicht versucht, Apple gerichtlich zu einer Entsperrhilfe zu zwingen. Der Konzern betonte erneut, eine Hintertür für die iPhone-Geräteverschlüsselung schwäche die Sicherheit für alle – und man helfe den Strafverfolgern bereits mit allen verfügbaren iCloud-Daten.

(lbe)