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iCloud-Daten sollen auf Server eines staatlichen chinesischen Netzbetreibers

Apple migriert Daten chinesischer iCloud-Nutzer erneut. Anwender fürchten umfassende Überwachung.

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Apple in China

Apple hat umstrittenen Forderungen der chinesischen Regierung mehrfach Folge geleistet.

(Bild: dpa, Diego Azubel/Archiv)

Die iCloud-Daten chinesischer iPhone-Nutzer sollen offenbar erneut umgezogen werden: Künftig wird eine Tochterfirma des staatlichen Netzbetreibers China Telecom die Speicherung von Daten auf eigenen Servern vornehmen, wie die Firma in einem WeChat-Posting mitteilte. Es ist der zweite Umzug chinesischer iCloud-Daten innerhalb weniger Monate: Zu Beginn des Jahres hatte Apple diese bereits von US-Servern auf die Server der chinesischen Firma Guizhou on the Cloud Big Data Industrial Development Co. Ltd. (GCBD) transferiert, GCBD gehört der Provinzregierung von Guizhou im Süden Chinas.

Scharfe Kritik von Menschenrechtlern

Apple bestätigte die erneute Migration gegenüber Techcrunch, eine Begründung für den Schritt wurde nicht genannt. Datenschützer und Menschenrechtler hatten die Verlagerung der iCloud-Daten chinesischer Nutzer im Frühjahr scharf kritisiert, dies eröffne den Behörden eine praktisch eine unbeschränkte Überwachung – zumal Apple auch die für den Zugriff nötigen Schlüssel auf chinesische Server verlagerte.

Der iPhone-Konzern hatte damals betont, der Umzug sei erforderlich, um “lokale Cybersicherheitsrichtlinien” zu erfüllen und Nutzern eine schnellere und zuverlässige Anbindung zu ermöglichen. Apple wies zu Jahresbeginn auch prominent und vorab auf die Änderung hin.

Änderung der Landeseinstellungen soll Daten von chinesischen Servern fernhalten

iCloud kann je nach Nutzereinstellung zahlreiche Daten erfassen, darunter standardmäßig auch das iPhone-Backup, das praktisch kompletten Einblick in Kontakte und Kommunikation des Nutzers geben kann. Nur bestimmte Daten wie der iCloud-Schlüsselbund setzen auf eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.

Aktivisten haben chinesischen Nutzern geraten, die Landeseinstellungen ihrer Apple-ID auf ein anderes Land als China zu ändern, um der Migration zu entgehen. Was mit bereits auf chinesische Servern transferierten Daten nach einer späteren Änderung der Landeseinstellungen passiert, bleibt unklar.

[Update 18.07.2018 17:05 Uhr] Offenbar ist GCBD weiterhin für die Speicherung von iCloud-Daten chinesischer Nutzer zuständig, bestimmte Datensätze sollen aber auf Server von China Telecom ausgelagert werden. Ähnlich verfährt Apple international mit iCloud-Daten, manche werden verschlüsselt bei Drittanbietern wie Amazon und Google gespeichert. GCBD und China Telecom haben dafür untereinander ein Abkommen geschlossen, wie Techcrunch inzwischen ausführt. Ein Hinweis auf eine Bestätigung durch Apple wurde aus der Meldung gestrichen. (lbe)