iPad-Gravur: "Vagina" verboten, "Penis" erlaubt

In seinem Online Store bietet Apple die Möglichkeit an, Texte auf die Rückseite von Geräten prägen zu lassen. Der dabei eingreifende Zensuralgorithmus bevorzugt in den USA männliche Geschlechtsorgane.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 124 Beiträge
Von
  • Ben Schwan

Apple erlaubt es seinen Kunden schon seit langem, iOS-Geräte und iPods mit einer kostenlosen Lasergravur zu personalisieren. Wie die Sexaktivistin Justyn Hintze, die sich gerade ein iPad bestellen wollte, in ihrem Blog schreibt, ist dabei allerdings nicht jedes Wort erlaubt – und der eingesetzte Zensuralgorithmus arbeitet momentan reichlich merkwürdig.

So wird etwa das Wort "Vagina" als "unpassende Sprache" geflaggt, wegen derer man doch bitte bei Apple anrufen (immerhin kostenfrei) solle. Ebenso auf der Filterliste steht "Clit" (für Klitoris). Dagegen problemlos erlaubt sind der Begriff "Penis" sowie das in den USA gerne für "Schwanz" verwendete "Dick" (was aber auch ein Name sein könnte) – die Gravur wird akzeptiert und man kann bestellen. Auch gegen "Sex" an sich hat Apple nichts.

Bitte mal kurz anrufen: "Vagina" ist bei Apple ein verbotenes Wort.

Bitte mal kurz anrufen: "Vagina" ist bei Apple ein verbotenes Wort.

(Bild: Screenshot Apple Online Store)

Das spezifische Problem scheint ein Phänomen im US-Online-Laden des Konzerns zu sein. Im deutschen Store werden keine Unterscheidungen zwischen den Geschlechtern gemacht. Wie ein Kurzcheck zeigte, verbot der Zensuralgorithmus hierzulande Gravuren mit "Vagina" oder "Muschi" ebenso wie mit "Penis" oder "Schwanz". Allerdings sehen Nutzer in all diesen Verbotsfällen nur einen offensichtlich fehlübersetzten Hinweis: "Text unangebrachter Nachrichten." Eine Möglichkeit, Apple wie in den USA anzurufen, wird nicht genannt.

Das feministische Blog Feministing fordert seine Leserinnen und Leser unterdessen auf, sich per Twitter an Apple-Chef Tim Cook zu wenden. Hashtag: "#MyClitMyChoice". Geantwortet hat er noch nicht. Apple war erst kürzlich kritisiert worden, weil die Firma eine feministische Masturbations-App für iOS nicht zugelassen hatte. (bsc)