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iPhone-Drosselung wegen altem Akku: Klage-Tsunami gegen Apple

Mehr als zwei Dutzend Verfahren laufen mittlerweile gegen den Konzern, weil er Smartphones wegen Batterieproblemen verlangsamte. Es könnte um Millionen gehen.

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Bei iPhones mit alten Akkus wurde die Spitzenleistung des Prozessors gedrosselt, ohne dass die Kunden davon wussten.

(Bild: dpa, Fernando Gutierrez-Juarez)

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Die Zahl der Klagen wegen ausgebremster älterer iPhones gegen Apple ist mittlerweile auf mehr als zwei Dutzend angeschwollen. Darunter sollen 24 Sammelklagen sein, es laufen vor allem Verfahren in den USA, aber auch in Israel sowie Frankreich.

In der jüngsten Sammelklage, die von der US-Apple-Kundin Lauri Sullivan-Stefanou eingereicht wurde, heißt es, Apple habe Code in iOS 10.2.1 eingefügt, die die Prozessorleistung von iPhone 6, iPhone 6 Plus und iPhone 6 verlangsamt hätten, ohne dies den Nutzern mitzuteilen. Apple habe die Leistung von der Akkugesundheit abhängig gemacht. "Ohne diesen Code hätte die Batteriekapazität die Prozessorleistung nicht negativ beeinflusst."

Apple selbst hatte die Maßnahme damit begründet, man habe vermeiden wollen, dass sich betroffene Geräte unerwünscht abschalten. Man habe niemals – und würde niemals – "irgendetwas tun, um die Lebensdauer eines Apple Produkts absichtlich zu verkürzen oder das Benutzererlebnis zu mindern, um Kunden so zum Kauf neuer Produkte zu bewegen". Chemisch gealterte Batterien seien weniger in der Lage, Spitzenlasten bei der Stromversorgung zu liefern, was dazu führen könne, "dass ein Gerät in einigen Situationen unerwartet heruntergefahren wird". Es verstehe sich von selbst, dass ein plötzliches, unerwartetes Herunterfahren nicht akzeptabel ist.

Nachdem die Sache bekannt wurde, reagierte Apple mit einer Verbilligung des Akkutauschs für betroffene Geräte ab dem iPhone SE. Dieser kostet nun nur noch 29 Euro – plus eventuellen Versandspesen, sollte man den Service per Post veranlassen. Die Aktion läuft allerdings nur bis zum 31. Dezember 2018. Man wisse, "dass einige das Gefühl haben, Apple hätte sie im Stich gelassen". Dafür entschuldige man sich. "Bei diesem Thema hat es leider eine Menge Missverständnisse gegeben", so Apple in einem mittlerweile auch auf Deutsch veröffentlichten Entschuldigungsschreiben.

Es ist unklar, welchen Erfolg die Klagen gegen Apple haben werden. Das Unternehmen wird wegen technischer Probleme und anderer Kritik regelmäßig juristisch angegriffen, es gab schon in der Vergangenheit diverse Sammelklagen. Zu den Anwaltsfirmen, die sich bei den Klagen gegen die "Akkuaffäre" beteiligen, gehört auch eine Kanzlei, der es gelungen war, über 400 Millionen Dollar wegen angeblicher Preisabsprachen bei E-Books an Nutzer ausschütten zu lassen. (bsc)