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iPhone-Passcode nicht an US-Polizei ausgehändigt – 180 Tage Knast

Ein Richter hat im US-Bundesstaat Florida eine 180-tägige Haftstrafe verhängt, weil ein Angeklagter nur eine nicht funktionierende PIN an die Polizei ausgehändigt hatte. Sie vermutet Beweise auf dem iPhone.

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Entsperrung eines iPhone

Das Tauziehen zwischen Apple und der US-Regierung geht weiter.

(Bild: dpa, Michael Kappeler)

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Ein US-Amerikaner muss für 180 Tage ins Gefängnis, weil er der Polizei keinen funktionierenden Passcode zum Entsperren seines iPhones ausgehändigt hat. Die Haftstrafe wurde von einem Gericht in Miami, Florida verhängt, wie der Miami Herald berichtet. Dem Angeklagten wird Kindesmissbrauch vorgeworfen.

Die Polizei erhielt bereits einen Durchsuchungsbefehl für das iPhone des Beschuldigten. Die Strafverfolger vermuten Fotos auf dem Gerät, die Verletzungen zeigen, die der Mann angeblich seiner Tochter zugefügt hat. Da die preisgegebene PIN nicht funktioniert, ließ sich das Smartphone aber nicht entsperren. Der Richter sieht dies als Missachtung des Gerichtes und verhängte deshalb nun die Haftstrafe. Sollte der Angeklagte den richtigen Passcode preisgeben, käme er vorerst wieder frei, schreibt die Zeitung.

Anfang Mai hatte ein anderer Richter in Miami bereits die Preisgabe des iPhone-Passwortes von zwei Angeklagten in einem Erpressungsfall angeordnet. Ein Beschuldigter erklärte nun Anfang dieser Woche in einer Anhörung, er könne sich an die PIN nicht mehr erinnern, wie der Miami Herald schreibt.

Nach Ansicht des Richters gibt es keinen Weg, um zu beweisen, dass dieser sich tatsächlich aber noch daran erinnert, da die Verhaftung bereits zehn Monate zurückliegt – deshalb wurde ihm keine Missachtung des Gerichtes unterstellt. Der Richter hatte zuvor betont, die Preisgabe des Passcodes entspreche “dem Aushändigen eines Schlüssels zu einem Bankschließfach” – und es sei nun eben das Gesetz in Florida, dies in solchen Fällen einfach anordnen zu können.

Strafverfolger sind inzwischen meist nicht mehr in der Lage, leicht auf Smartphone-Inhalte zugreifen, da diese durch Verschlüsselung geschützt sind. Entsprechend wird versucht, den Zugang über das Passwort zu erlangen oder durch erzwungenes Auflegen des Fingerabdruckes. Die US-Bundespolizei wollte Apple im vergangenen Jahr dazu bringen, die Schutzmechanismen von iOS zu schwächen, um Brute-Force-Angriffe auf die Codesperre zu erleichtern – Apple lehnte dies ab. Die Behörde entsperrte das Gerät schließlich mit Hilfe einer ungenannten dritten Partei. (lbe)