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iPhone X: Geht Apples Hochpreis-Boom weiter?

Bis zu 1320 Euro kann man für das OLED-Smartphone von Apple bezahlen – und zum Weihnachtsgeschäft scheinen das laut jüngster Quartalszahlen auch viele Kunden getan zu haben. Ob die Strategie aufgeht, ist aber trotzdem unklar.

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Apple iPhone X

Erkennbar am (fast) vollflächigen Bildschirm: Das iPhone X.

(Bild: dpa, Marcio Jose Sanchez)

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Bei der Ankündigung des iPhone X schlug Apples erstem OLED-Smartphone reichlich Skepsis entgegen. Ein Telefon, das schon in der günstigsten Version 1149 Euro kostet und für das man bis zu 1320 Euro ausgeben kann? Hat Apple damit nicht den Bogen überspannt und den Willen der Kundschaft, bei dem Konzern zu kaufen, überschätzt?

Augenscheinlich lautet die Antwort: Nein. Zumindest zum Debüt im Weihnachtsquartal lagen die Zweifler nahezu komplett falsch. Das X blieb seit dem Verkaufsstart Anfang November das meistverkaufte iPhone-Modell, wie Apple-Chef Tim Cook bei der Vorlage frischer Quartalszahlen am Donnerstagabend sagte.

Der Konzern blieb sich zwar treu und nannte keine konkreten Zahlen zum Verkauf einzelner iPhone-Versionen. Doch der Sprung beim durchschnittlichen iPhone-Verkaufspreis von 695 auf über 796 Dollar ist ein klarer Hinweis: Das bisher teuerste Apple-Handy entwickelte sich zunächst zum Hit.

Nach Berechnungen der Marktforschungsfirma Strategy Analytics gelang es Apple mit 77,3 Millionen verkauften iPhones auch wieder einmal, in einem Weihnachtsquartal an Samsung vorbei an die Spitze des Smartphone-Marktes vorzurücken.

Die Frage ist nur: Geht das so auch weiter, über das Weihnachtsgeschäft hinaus, in dem das Geld möglicherweise lockerer sitzt als sonst? Zuletzt häuften sich Berichte von Analysten und Medien, denen zufolge Apple den Fertigungsauftrag an die Zulieferer deutlich gesenkt habe, was als Zeichen für eine sinkende Nachfrage interpretiert wurde. Solche Informationen aus der weit gefächerten Zuliefererkette hatten sich in der Vergangenheit aber auch schon als wenig verlässlich herausgestellt, zumal die Geräteproduktion nach dem sehr geschäftigen Weihnachtsquartal stets reduziert wird.

Der Ausblick von Apple selbst lieferte jetzt allerdings widersprüchliche Signale. Die Umsatzprognose von 60 bis 62 Milliarden Dollar für das laufende Vierteljahr enttäuschte die Analysten – sie hatten eher mit 65 Milliarden gerechnet. Zugleich versicherte Finanzchef Luca Maestri jedoch, dass die iPhone-Umsätze auch in diesem Quartal prozentual zweistellig wachsen werden. Allerdings rechne Apple auch mit einem stärkeren Abfall des durchschnittlichen iPhone-Preises als sonst üblich – warum, ist unklar. Denkbar ist, dass Apple schon einmal kalkuliert, dass weniger iPhone X verkauft werden. Analyst Tim Long von BMO Financial rechnet auf dieser Basis mit 51 bis 54 Millionen verkauften iPhones im laufenden Quartal, deutlich unter der am Markt erwarteten Prognose bei 58 Millionen Geräten. Ob es so kommen wird, weiß noch niemand.

Apple-Chef Tim Cook wurde von einem Analysten gefragt, ob man davon ausgehen könne, dass künftige iPhone-Modell an das X mit seinem flächendeckenden Bildschirm und Technik wie Gesichtserkennung anknüpfen werden. Cook, der üblicherweise für Äußerungen über künftige Produkte gar nicht zu haben ist, gab einen eher deutlichen Hinweis. Apple habe zum Start gesagt, dass es "das iPhone für das nächste Jahrzehnt" ist, und stehe dazu, sagte Cook. Passende Spekulationen dazu gibt es.

Zugleich schränkte der Apple-Chef ein, dass die Entwicklung im Smartphone-Markt insgesamt derzeit schwer vorherzusagen sei. In vielen Ländern behielten Verbraucher ihre Smartphones länger, bevor sie ein neues Gerät kauften – auch weil Subventionen bei Mobilfunk-Anbietern zurückgefahren worden seien. Strategy Analytics ermittelte für den gesamten Markt den bisher höchsten Rückgang von neun Prozent auf 400 Millionen Smartphones. Wenn Apple seine Marktanteile in Zukunft noch steigern wolle, müsse der Konzern dafür günstigere statt teurere Modelle auf den Markt bringen, sagte Analyst Neil Mawston. Apple fuhr bisher aber eher konsequent die Strategie, die Preise zu halten und lieber auf Marktanteile als auf Gewinne zu verzichten. (mit Material von dpa) / (bsc)