Menü
Make

3D-Drucker Witbox 2 von bq: An den richtigen Schrauben gedreht

Die erste Witbox des spanischen Herstellers bq hinterließ einen zwiespältigen Eindruck. Die zweite Witbox hingegen erbt die Qualitäten der Vorgängerin, merzt aber viele von deren Schwächen aus, wie unser Test zeigt.

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 31 Beiträge
3D-Drucker Witbox 2 von bq im Test: An den richtigen Schrauben gedreht

Von außen kaum Veränderungen, innen dagegen umso mehr: Die Witbox 2

(Bild: bq)

Anzeige
bq Witbox 2
bq Witbox 2 ab € 1415,28

Die Witbox des spanischen Herstellers bq wurde vor etwas über einem Jahr vorgestellt, sie überzeugte seinerzeit im Make-Test ("Stabil, aber laut: 3D-Drucker Witbox von BQ im Test") durch ihren massiven Aufbau, ihre geschlossene Bauweise und mit einem guten Extruder. Ein einfach zu entnehmender Drucktisch, autonomes Drucken mit SD-Kartenleser, Display und Bedienknopf sowie das umfangreiche Zubehör waren weitere Pluspunkte. Allerdings fiel die erste Witbox auch negativ auf – mit einer unüberhörbaren Geräuschkulisse und mittelmäßigen Druckergebnissen bei feinen Strukturen und Schichten.

Nun präsentieren die Spanier die zweite Generation ihres Druckers, der in einigen entscheidenden Punkten Besserung verspricht. Und tatsächlich fällt gleich beim Einschalten auf, dass die Witbox 2 nur noch einen Lüfter hat. Dieser lässt sich zudem in den Einstellungen komplett abschalten, sodass nur noch das typische Fahrgeräusch des 3D-Druckers übrig bleibt.

3D-Drucker Witbox 2 von bq im Test (9 Bilder)

Das neue Display hebt sich nicht nur von den üblichen blau-weißen Bildschirmen ab, sondern zeigt auch eine Symboloberfläche statt einer dröger Textliste. (Bild: Ralf Steck)

Wie schon bei der ersten Version liegt der Witbox 2 umfangreiches Zubehör bei: Ein gedrucktes Handbuch, ein Kilo PLA-Filament, Düsenreinigungsnadeln und Werkzeug. Statt des Ersatz-Hotends packt bq inzwischen mehrere Teflon-Inliner dazu – das dürfte auch das wichtigste Ersatzteil im Bereich des Extruders sein. Vor der Inbetriebnahme müssen die aus Plexiglas bestehenden Seitenwände und die ebenso durchsichtige Deckscheibe montiert werden, zudem ist im Innern eine massive Transportsicherung aus Aluminium zu entfernen. Diesmal sind statt der PLA-Schonfüße solche beigelegt, die aus flexiblem Filament gedruckt wurden und die Maschine wirkungsvoller von der Standfläche entkoppeln.

Das Druckbett ist ebenfalls aus Kunststoff und dreilagig – die metallene Zwischenlage deutet auf die zweite große Neuerung hin: Bedleveling, also die automatische Justierung der korrekten Distanz zwischen Druckdüse und Bett. Am Druckkopf der Witbox 2 ist ein induktiver Sensor angebracht, mit dessen Hilfe der 3D-Drucker vor jedem Druck sein Bett vermisst. Die Grundkalibrierung funktioniert mechanisch, das heißt, der Drucker fährt bestimmte Positionen an und der Anwender stellt mit Hilfe der Nivellierschrauben das Bett so ein, dass die LED am Sensor gerade angeht.

3D-Druck

Der Sammelbegriff 3D-Druck steht heute für ein ganzes Bündel von Fertigungstechniken, die nach unterschiedlichen Prinzipien funktionieren und sich jeweils nur für ganz bestimmte Materialien eignen. Ihr gemeinsamer Nenner: Alle Verfahren bauen dreidimensionale Objekte, indem sie Material in dünnen Schichten auftragen und verfestigen.

Vor jedem Druck wird ein überprüfendes Bedleveling vom Drucker ausgelöst – das ist eine reine Überprüfung, ohne dass der Anwender eingreifen muss. Ausgelöst wird dies durch die Drucker-Firmware, nicht wie sonst üblich über den Startcode des GCode-Programms. Das hat unter anderem zur Folge, dass auch vor dem Filamentwechsel sinnloserweise gelevelt wird. Wem dies nicht gefällt, der kann auch das Bedleveling in der Firmware abschalten und die Routine stattdessen in seinen Startcode integrieren. Auch in der Benutzeroberfläche des Drucker ist ein Eintrag für das Bedleveling vorhanden.

Einen Nachteil hat die Verwendung eines induktiven statt eines kapazitiven Sensors allerdings: Dieser reagiert nur auf metallische Oberflächen, also auf die Zwischenschicht des Druckbetts. Dies ist solange egal, wie man keine dicken Beläge wie FR4-Platten oder Buildtak auf dem Druckbett montieren möchte. Da der Sensor quasi durch die Platte und die obere Schicht des Druckbetts hindurchmisst auf die metallische Zwischenschicht, wird die zusätzliche Schicht beim Bedleveling nicht berücksichtigt und die Düse kommt zu tief herab.

Allerdings hafteten PLA-Drucke im Test mit Hilfe des im Handbuch empfohlenen und zum Test zur Verfügung gestellten Sprühkleber namens 3DLac – was nichts anderes als umgelabeltes Haarspray zu sein scheint – nahezu immer. Einige größere Drucke lösten sich zunächst ab, nach dem Mitdrucken eines Brim – eines mehrere Runden um das Objekt gelegten, einschichtigen Rands – war auch dieses Problem gelöst.

Die dritte Neuerung ist eine weiße LED-Beleuchtung des Gehäuses, die das Arbeiten im Drucker sehr erleichtert. Nach einer gewissen Zeit schaltet sich die Beleuchtung selbst ab, lässt sich aber durch leichtes Drehen des Bedienknopfs wieder anschalten, beispielsweise zur Fortschrittskontrolle bei längeren Drucken.

Aus dem Make-Testlabor

Die Make-Redaktion probiert viel mehr aus, als ins alle zwei Monate erscheinende Heft passt. Deshalb veröffentlichen wir auf unserer Webseite in loser Folge weitere Testberichte.

Die letzte Neuerung ist eine grafische Benutzeroberfläche für das Display. Eine "normale" Marlin-Firmware zeigt im Display lediglich eine Liste von Texteinträgen, bq hat die Oberfläche nun auf Symbole umgestellt – und veröffentlicht die Neuerungen unter einer Creative Commons-Lizenz. Das ist sehr löblich – schließlich nutzt bq ebenfalls Open-Source- beziehungsweise Open- Hardware-Komponenten wie die Marlin-Firmware und die RAMPS-Elektronik. Letztere ermöglicht es übrigens, eigene oder andere Firmwares aufzuspielen, der Hersteller setzt dem bastelinteressierten Besitzer also keine künstlichen Grenzen.

Auf der bq-Website lassen sich Slicer-Profile für Cura 15.04 und 15.06 sowie für Slic3r herunterladen, daneben diese Programme selbst. Neben den drei Qualitätsstufen niedrig, mittel und hoch liefert bq bei Cura noch spezielle Profile für Filaflex-, BronceFill- und Woodfill-Filament sowie ein "FullHD"-Profil für ultrahohe Auflösungen mit 0,05 Millimeter feinen Schichten. Unsere Testmodelle wurden mit dem unveränderten Profil "High Definition" und 0,1 Millimeter Schichtdicke gedruckt.

Gerät Witbox 2
Hersteller/Vertrieb bq/Diverse
Bauraum 21 cm × 29,7 cm × 20 cm
Drucktisch Dreischichtplatte mit Metallkern, unbeheizt
Software Cura (Windows, Mac OS X, Linux), Slic3r
Material 1,75 mm
Druck über ... USB, SD-Karte
Druckqualität gut
Preis 1690 €

Im Drucktest schlug sich die Witbox weit besser als der Vorgänger, der beispielsweise bei den "Fine Positive Features" statt der gewünschten Platte mit neun schlanken Spitzen nur enttäuschende Stümpfe lieferte. Der ebenfalls neue Extruder, der im Gegensatz zur Witbox 1 auch flexibles Filament verarbeitet, scheint einen recht positiven Einfluss auf die Druckqualität zu haben. Wie auch die Vorgängerin hat die Witbox 2 etwas Probleme mit Fäden am Druckobjekt, diese sollten sich jedoch durch Optimieren der Rückzug-(Retract)-Einstellungen im Druckprofil abstellen lassen.

Insgesamt ist die neue Witbox 2 ein echter Fortschritt: bq hat die Schwachpunkte der ersten Generation konsequent ausgemerzt und mit dem Bedleveling ein modernes Feature hinzugefügt, das den Alltag mit dem Drucker vereinfacht. So zeigen sich die Vorteile der Witbox – sehr solider mechanischer Aufbau, Zuverlässigkeit und offene Technologie – noch positiver als bei der ersten Version. Dass der Preis mit 1690 Euro gleich geblieben ist, wird die zukünftigen Besitzer freuen. (Ralf Steck) / (pek)

Anzeige