Menü
Make

3D-Drucker von Conrad im Test: Renkforce RF2000

Der zweite 3D-Drucker der Conrad-Eigenmarke Renkforce hat zwei Druckköpfe und ist mit einer per Gcode schaltbaren Steckdose für den Einsatz als CNC-Fräse besser gerüstet als sein Vorgänger.

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 72 Beiträge
3D-Drucker von Conrad im Test: Renkforce RF2000

(Bild: Conrad)

Anzeige
Conrad renkforce RF2000
Conrad renkforce RF2000 ab € 2299,–

Der Elektronikhändler Conrad verkauft mittlerweile eine ganze Reihe von 3D-Druckern diverser Hersteller, hat mit seinen Geräten unter dem Markennamen Renkforce aber auch eine Eigenentwicklung im Programm, die sich zum einen durch ein ungewöhnlich massives Metallgehäuse und zum anderen durch die Option auszeichnet, sie mittels einer eingespannten Spindel als CNC-Fräse zu benutzen.

Schwarz und mit Doppelkopf: Renkforce RF2000

Das neue Modell RF2000 unterscheidet sich vom zwei Jahre alten Vorgänger RF1000 vor allem in drei Punkten: Der 3D-Drucker hat zwei Extruderdüsen im Kopf, sodass man Objekte aus zwei Materialien parallel aufbauen oder Überhänge mit einem speziellen Stützmaterial unterfüttern kann. An die Stelle der keramischen Beschichtung des Drucktisches, die nur teilweise überzeugen konnte, ist eine Glasplatte getreten (der Hersteller spricht dabei von einer Glaskeramikplatte). Eine solche beheizte Glasplatten ist für den FDM-Druck mit geschmolzenem Kunststoff eine bewährte Option. Außerdem verfügt der RF2000 über einen großen Not-Aus-Schalter an der Vorderseite und eine über Gcode ansteuerbare Steckdose hinten, die für den Anschluss eines Bohrschleifers als Frässpindel gedacht ist. Damit sollen Fräs-Arbeitsgänge besser zu kontrollieren sein. Im Folgenden konzentrieren wir uns auf den Einsatz des Geräts als 3D-Drucker, wie es sich als Fräse schlägt, berichten wir zu einem späteren Zeitpunkt.

3D-Drucker von Conrad: Renkforce RF2000 (11 Bilder)

Dieses Pixelherz ist eines der vorgefertigten Testobjekte, die auf der dem RF2000 beigelegten SD-Karte zu finden ist. Der Gcode ist für Filament mit 3 mm Durchmesser ausgelegt. Für unsere Tests kam allerdings PLA-Material mit 2,85 mm zum Einsatz – den resultierenden etwas zu geringen Materialfluss erkennt man an der feinen Lücke zwischen der Umrandung des Loches oben und dem Rest des Herzens.

Bewährt aus Stahl

Das seitlich geschlossene, vorne, hinten und oben aber offene Gehäuse, das gleichzeitig als Rahmen für die beweglichen Teile des Druckers dient, ist wie beim Vorgänger RF1000 massiv und aus Stahl. Dadurch bringt der RF2000 ein Gewicht von fast 20 Kilogramm auf die Waage. Im mechanischen Aufbau ähnelt Conrads neuer Drucker seinem Vorgänger sehr (weshalb wir hier das Video über den RF1000 nochmal einbinden, was seinerzeit die c't-Kollegen für ihren Test dieser Maschine gedreht hatten), bis hin zur ungewöhnlichen Platzierung der beiden massiven Spindeln für die Z-Achse, die seitlich, aber zentral neben dem Drucktisch angebracht sind. Nach wie vor bietet der Renkforce-3D-Drucker ein vierzeiliges 1-Bit-Display an der Front sowie elf Tasten, mit denen man sich nicht nur durch die Menüs auf dem Display hangelt, sondern auch manche Steuerung direkt vornehmen kann, etwa die Korrektur des Abstands zwischen Druckbett und Düse unmittelbar nach Start des Druckvorgangs.

Ein Bett für Drucke

3D-Druck

Der Sammelbegriff 3D-Druck steht heute für ein ganzes Bündel von Fertigungstechniken, die nach unterschiedlichen Prinzipien funktionieren und sich jeweils nur für ganz bestimmte Materialien eignen. Ihr gemeinsamer Nenner: Alle Verfahren bauen dreidimensionale Objekte, indem sie Material in dünnen Schichten auftragen und verfestigen.

Haftungsprobleme hatten wir im Test keine, aber wir hielten uns an PLA als Material für unsere Testobjekte und folgten dabei exakt der Bedienungsanleitung. Die empfiehlt, bei PLA die Glasplatte nochmals vorab mit Kreppklebeband zu belegen; ABS könne man hingegen direkt auf das Glas drucken, woran sich allerdings nur erfahrene Benutzer wagen sollten. Interessanterweise lautete die Empfehlung beim Vorgängermodell genau umgekehrt, aber seinerzeit bestand der Drucktisch auch noch aus einem anderen Material.

Das beheizbare Druckbett liegt nur lose und leicht federnd auf vier Stiften auf, die es mit dem Schlitten für die Vor- und Zurückbewegung des gesamten Drucktisches verbinden. Dadurch könnte man es eigentlich gut aus dem Drucker herausnehmen, etwa um es zu säubern oder ein allzu anhängliches Werkstück zu entfernen – wäre es nicht durch ein reichlich kurzes, aber dickes Kabelbündel fest mit dem Rest der Maschine verbunden. Eine Steckverbindung wäre hier praktisch.

Etwas umständlich ist auch das Verfahren zur Justierung des Abstands zwischen Druckdüsen und Druckbett: Zunächst muss man per Hand neun Positionen auf der Platte anfahren, um herauszufinden, an welcher Stelle der Abstand am geringsten ist. Dann justiert man dort die Distanz, heizt anschließend Düse und Tisch auf, lässt sich beides 10 Minuten lang gut durchwärmen, um anschließend eine Meßautomatik zu starten, die die Positon des Heizbetts an vielen Stellen systematisch vermisst. Und das war erst der Durchgang für die erste Druckdüse ... Dafür punktet der RF2000 im Alltag durch seine kurze Vorheizzeit, bis er betriebsbereit ist: Bei PLA (Düse 230 Grad, Tisch 60 Grad) dauert das bei kalter Maschine vom Anschalten bis zum ersten Material, das auf den Drucktisch gedrückt wird, unter drei Minuten.

Teamplay

Aus dem Make-Testlabor

Die Make-Redaktion probiert viel mehr aus, als ins alle zwei Monate erscheinende Heft passt. Deshalb veröffentlichen wir auf unserer Webseite in loser Folge weitere Testberichte.

Als Software kommt Repetier Host zum Einsatz, für das Conrad beziehungsweise Renkforce passende Profile für Material, Maschine und Druck mitliefert. Ein bisschen undurchsichtig ist das Zusammenspiel der Parameter, die bei der Druckvorbereitung in der Software in den Gcode zur Maschinensteuerung einfließen, sowie der Einstellungen, die man am Drucker selbst vornimmt. Das geht schon damit los, dass der RF2000 die beiden Düsen mit 0 und 1 bezeichnet, die Software hingegen mit 1 und 2. Druckt man von SD-Karte, scheint es nicht zu verhindern zu sein, dass stets beide Extruder auf Betriebstemperatur aufgeheizt werden, selbst wenn nur ein Material gebraucht wird – falls sich noch Filamentreste in der ungenutzten Düse befinden, besteht stets die Gefahr, dass die durchs leere Aufheizen verbrennen und die Düse verstopfen.

In unserem Test druckte der RF2000 bei selbst erzeugtem Code stets mit Extruder 2 (oder 1, je nach Zählweise) und ignorierte die Einstellung an der Maschine, welcher Extruder denn jetzt der aktive ist. Bein den vorberechneten Demo-Objekten, deren Gcode sich bei Auslieferung des Geräts auf der beigelegten SD-Karte findet, kann man hingegen bequem über das Display am Gerät wählen, welcher der beiden Düsen denn jetzt Material abgeben soll. Wie man das selbst aus Repetier aus steuern kann, steht in der Anleitung zum RF2000 allerdings nur für den Druckvorgang über USB beschrieben; eine Anleitung, wie man Dateien für den Druck von SD-Karte so vorbereitet wie die Beispiele, fehlt. Unterm Strich: Wer sich nicht intensiv mit der Handhabung von Repetier und dem Zusammenspiel mit dem 3D-Drucker beschäftigt, der muss sich bei jedem Druck auf mehr oder weniger große Überraschungen einstellen.

Gerät RF2000
Hersteller/Vertrieb Renkforce/Conrad
Bauraum 18 cm × 20 cm × 23 cm
Drucktisch Glaskeramik, beheizt
Software Repetier Host (Windows, Mac OS X, Linux), Slic3r
Material 3 mm (2,85 mm möglich)
Druck über ... USB, SD-Karte
Druckqualität mittel
Preis 2300 € / 2000 € (Bausatz)

Fazit

Zu den Vorzügen des RF2000 zählt zweifellos sein grundsolider Aufbau und die sehr kurze Vorheizzeit. Die Bedienung ist allerdings etwas umständlich – sowohl, was die Druckvorbereitung in Repetier angeht, als auch in Bezug auf die Handgriffe am Gerät: Das zeigt sich bei der Inbetriebnahme im zeitraubenden Justiervorgang für den Abstand zwischen Tisch und Druckbett, aber auch nach jedem gelungenen Druck: Da man das Druckbett weder herausnehmen noch den Schlitten darunter fixieren kann, ist es oft mühsam, die wirklich gut haftenden Werkstücke zu lösen. Nicht zuletzt neigen die verbauten kräftigen Schrittmotoren zu hochfrequentem Pfeifen – wer empfindlich gegen hohe Töne ist, hält sich nur ungern in Gegenwart eines RF2000 auf.

Im Drucktest mit unseren Standardstücken verfehlte der RF2000 die Note "gut" um einen einzigen Punkt. Wo dabei seine Stärken und Schwächen lagen, zeigt die Bilderstrecke oben. Unsere Vermutung: Die meisten Scharten ließen sich per Software auswetzen. Die Mechanik des neuen Conrad-3D-Druckers hat noch genügend Reserven für deutlich bessere Druckqualität. (pek)