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Analyse: Darum verspätete sich das Crowdfunding-Wunder Coolest Cooler

Eine Prototypingagentur hat die Multifunktionskühltruhe Coolest Cooler untersucht, die nach einem Rekord-Crowdfunding verspätet geliefert wurde.

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Coolest Cooler: Multifunktionskühltruhe analysiert

(Bild: Coolest Cooler)

"Leider müssen wir die Auslieferung noch einmal verschieben" – wer Crowdfunding-Projekte unterstützt und Produkte vorbestellt, dürfte diesen Satz kennen. Die Multifunktionskühltruhe Coolest Cooler ist da keine Ausnahme. Der Prototyping-Dienstleister Fictiv hat nun eines der Geräte auseinandergenommen. Das Urteil: unnötig aufwändige Teile sorgten für lange Produktions- und Zusammenbauzeiten. Um den Prozess zu beschleunigen, hätte allerdings mehr Zeit in die Entwicklung gesteckt werden müssen.

Auseinandergebaut: das steckte im Coolest Cooler

(Bild: Fictiv)

Denn Coolest Cooler ist nicht einfach nur eine transportable Kühlbox. Für das moderne Stranderlebnis sind zahlreiche Features eingebaut: ein Mixer, ein Bluetooth-Lautsprecher, eine USB-Ladestation und Kleinteile wie ein Flaschenöffner und ein Korkenzieher. Derartig viele Funktionen bedeuten für die Massenproduktion eine Herausforderung. Alle Features müssen in diesem Fall in nur einem Gerät untergebracht werden, der Kühlbox, und dafür jeweils passend vorbereitet sein.

Design abwägen

Normalerweise, heißt es in der Fictiv-Analyse, werde abgewogen, ob das Design auf einfache Herstellung der einzelnen Teile oder den einfachen Zusammenbau optimiert wird. Einfache Bauteile sind meist günstig herzustellen, können aber den Zusammenbau erschweren. Mit speziell entworfenen Teilen lässt sich das Problem umgehen, allerdings müssen die Produktionsmaschinen dann (teuer) angepasst werden. Im Coolest Cooler finden sich komplizierte Bauteile, die auch noch aufwändig zusammengebaut werden müssen.

Die Klappe mit eingebauter Tellerhalterung und gesichertem Keramikmesser

(Bild: Coolest Cooler)

So besteht eine der oberen Klappen aus sechs verschiedenen Teilen, die alle einzeln gefertigt wurden: zwei großen Gehäuseteilen, zwei Halterungen für Teller und zwei Halterungen für ein Keramikmesser sowie einem kleinen Messergehäuse. Im Spritzgussverfahren hergestellt seien dafür mindestens fünf Formen notwendig, die wiederum erst gefertigt werden müssen. Insgesamt 28 Schrauben halten die Klappe zusammen, wobei jede von Hand angezogen werden muss. Schließlich gibt es noch 8 Plastikkappen, die nach außen zeigende Schrauben verdecken, und einzeln eingesetzt werden müssen.

Produktion mit Hindernissen

Mit mehr Entwicklungszeit hätte die Anzahl der Bauteile und damit die Produktionskosten reduziert werden können. Schnappverschlüsse statt Schrauben könnten das Zusammenbauen beschleunigen. Damit hätte sich die Auslieferung der Kühltruhe aber weiter verzögert. Statt im Februar 2015 begann diese erst im November. Dass die Produktion teurer als erwartet war, brachte Coolest Cooler ebenfalls in Bedrängnis. Zwischendurch verkaufte man Boxen über Amazon, um mit den Gewinnen die Herstellung aller vorbestellten Einheiten bezahlen zu können. Insgesamt 62.000 Leute hatten im Crowdfunding 13 Millionen US-Dollar in die bunten Truhen investiert – die erfolgreichste Kampagne auf Kickstarter im Jahr 2014. (hch)